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Seelsorgebereich Hennef-Ost:Gegen das Vergessen - Einweihung des Chanukkia Leuchters und Gang des Gedenkens

Seit vielen Jahren bereitet der Ökumene-Kreis den „Gang des Gedenkens“ vor, der immer mit einer Gedenkveranstaltung in St. Michael/Geistingen beginnt und da-nach zur Ruine der alten Synagoge führt, wo der Schlusssegen gesprochen wird.
2024-05-17_Einweihung des Chanukkia Leuchters
Datum:
17. Mai 2024
Von:
Benedikt Groß

Diese Veranstaltung erinnert an die Pogro­me des 9. Novembers 1938, bei denen eine überwältigende Anzahl jüdischer Einrichtungen unter der Billigung durch die deutschen Behörden zerstört wurden. Darunter befand sich auch die Hennefer Synagoge, die aus dem Jahr 1862 stammt.

Aber vergangenes Jahr war alles ganz anders: das Gelände der alten Synagoge sollte saniert werden und wir mussten uns nach einem anderen Ort für den Abschluss des Gedenkens umschauen, der auch schnell gefunden war: der Jüdische Friedhof in Geistingen! Viele Teilnehmer der Veranstaltung fanden diese Notlösung sehr stimmig.

In diesem Jahr beginnt der „Gang des Gedenkens“ wieder traditionell in St. Michael und endet auf dem sanierten Areal der früheren Synagoge. Weil der 10. November diesmal auf einen Sonntag fällt, beginnt die Veranstaltung bereits um 15:00 Uhr in St. Michael. Wir erwarten uns durch die zeitliche Verlegung noch mehr Zuspruch.

Aber es ist viel passiert in diesem Jahr! Die Stadt Hennef hat mit Hilfe des Ministeriums für Heimat, Kommunales etc. eine Chanukkia auf dem Gelände der Synagoge errichtet. Die jüdischen Gemeinden feiern um die Weihnachtzeit das Chanukkafest. Es erinnert an die Wiedereinweihung des 2. Tempels im Jahre 164 v.Chr. und ist ein fröhliches Lichterfest für die ganze Familie. Es dauert acht Tage. An jedem Tag wird ein Licht am acht- bez. neunarmigen Chanukkaleuchter entzündet; aus der Mitte heraus, der „Helferkerze“.

Zur Einweihung am 17. Mai kamen viele VertreterInnen der Stadt, Herr Kovar, der den Aaronsegen sprach und der Vorsitzende der Synagogengemeinde Köln, Abraham Lehrer, der zugleich Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland ist. Er zeigte sich tief beeindruckt angesichts des Engagements der Hennefer Gemeinde für die jüdischen Opfer.

In einer kurzen Rede betonte Bürgermeister Mario Dahm im Hinblick auf die hohen Kosten dieser Maßnahme, dass „Hennef zwar eine arme Gemeinde ist, aber in Betracht unserer Verantwortung für unsere Geschichte ist uns es wert! Denn letztlich muss immer gelten: Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Da ist nichts hinzuzufügen…

Eine Geschichte aus seiner Biographie steuerte Herr Müller-Grothe bei. Seine Großeltern kannten keinen Juden persönlich, waren aber traditionell „gegen Juden“ eingestellt. Wir sollten uns diese Erfahrung zu Herzen nehmen und nicht aufhören über das himmelschreiende Unrecht am jüdischen Volk immer wieder zu informieren und zu erinnern, sei es am 7. Oktober oder am 9./ 10. November!