Christliche Symbole

Das Kreuz ist ein wichtiges christliches Symbol für den Tod, aber auch für die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod bei Gott. Das ursprüngliche Symbol des frühen Christentums ist aber nicht das Kreuz, sondern es sind das Staurogramm und das Christusmonogramm ΧΡ (erste Buchstaben Chi und Rho der griechischen Schreibung ΧΡΙΣΤΟΣ „Christus“). Es wurde aber schon früh auch ornamental in Kreuzform angeordnet. Erst im 5. Jahrhundert trat es zurück und das Kreuz übernahm die Funktion. Das heute übliche lateinische Kreuz ist erst ab dem 4. Jahrhundert zur Zeit Kaiser Konstantin des Großen als Symbol nachweisbar und kam mit der Verehrung des Kreuzes Christi auf. Wir möchten Ihnen hier einige christliche Symbole und Kreuzformen vorstellen.

 

Der Fisch

Fisch ΙΧΘΥΣ

Die Legende erzählt, dass der Fisch als christliches Erkennungszeichen verwendet wurde. Das griechische Wort für Fisch ἰχθύς ichthýs enthält ein kurzgefasstes Glaubensbekenntnis (Ἰησοῦς Χριστός Θεοῦ Υἱός Σωτήρ): 

ΙΗΣΟΥΣ – Iēsoûs „Jesus“
ΧΡΙΣΤΟΣ – Christós „der Gesalbte“
ΘΕΟΥ – Theoû „Gottes“
ΥΙΟΣ – Hyiós ) „Sohn“
ΣΩΤΗΡ – Sōtér „Retter“/„Erlöser“ 

Das (I·Ch·Th·Y·S-)Symbol besteht aus zwei gekrümmten Linien, die einen Fisch darstellen.

Historisch nicht belegt ist die Legende, dass es schon von den ersten Urchristen als Erkennungs- und Geheimzeichen benutzt wurde: Eine Person zeichnete einen Bogen in den Sand, die andere vollendete das Symbol mit dem Gegenbogen und zeigte sich damit als Bruder oder Schwester in Christus.

Nachdem das Symbol des Fisches ab dem 2. Jahrhundert im Christentum kaum eine Rolle gespielt hat, wird es in den letzten Jahrzehnten wiederbelebt. 

 

Christusmonogramm

Christusmonogramm

Das Christusmonogramm besteht aus den beiden übereinander geschriebenen griechischen Buchstaben Χ (Chi, gesprochen: ch) und Ρ (Rho). Es wird auch Chi-Rho oder Konstantinisches Kreuz genannt, früher auch Christogramm. Es ist u. a. als häufigste Grabinschrift in den Katakomben von Rom (2. Hälfte des 2. Jh. und 3. Jh.) zu finden.

Staurogramm

Staurogramm

Das Staurogramm ist ein Symbol für Jesus Christus. Nach der Schilderung des Lactantius gilt dies als das Zeichen, das Konstantin der Große vor der Schlacht bei der Milvischen Brücke im Traum gesehen haben soll. Die Schlacht bei der Milvischen Brücke markiert den Übergang zu einer christenfreundlichen Politik, da Konstantin den Sieg offenbar dem Wirken des Gottes der Christen zuschrieb.

Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum

INRI

INRI sind die Initialen des lateinischen Satzes Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – „Jesus von Nazaret, König der Juden“. Dieser Satz stand nach Joh 19,19–22 in Hebräisch, Griechisch und Latein auf einer Tafel, die der römische Statthalter Pontius Pilatus oben am Kreuz Christi anbringen ließ, um den Rechtsgrund seiner Verurteilung anzugeben. 

IHS

Nomen sacrum IHS

Das Nomen sacrum IHS leitet sich von den ersten drei Buchstaben des Namens Jesu in griechischen Großbuchstaben ab, Ι Η Σ Ο Υ Σ, wobei das Sigma durch ein lateinisches S ersetzt ist. IHS (und ihs) als Kurzform des Namens Jesus kann man in Bibeln des Mittelalters und an anderen Stellen sehr häufig finden. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts wurden in Bibeln und Urkunden die Worte Jesus, Christus und andere Nomina sacra praktisch nie ausgeschrieben. Zunächst war das Kürzel IHS mit einem darüber liegenden Kürzungsstrich versehen, aus dem später ein Kreuz wurde. 

Das Kreuz

In frühchristlicher Zeit ist das Kreuz als christliches Symbol unbekannt; die altchristliche Kunst stellte die Leidensgeschichte - und vor allem die Kreuzigung - nur selten dar. Nachweisen lässt sich das Kreuz als generelles christliches Symbol erst seit der Zeit der Völkerwanderung, dabei wird das Konzil von Ephesos oft als „offizielle Einführung“ des Kreuzes als christliches Zeichen genannt.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich im christlichen Kontext die unterscheidlichsten Kreuzformen, von denen wir Ihnen hier einige vorstellen möchten.

 

Lateinisches Kreuz

lateinisches Kreuz

Lateinisches Kreuz (auch Passionskreuz oder Langkreuz) ist die Bezeichnung für ein Kreuz, bei dem der Längsbalken länger ist als der Querbalken, und dieser den Längsbalken oberhalb von dessen Mitte kreuzt. In allen westlichen Kirchen ist es die verbreitetste Form des christlichen Kreuzes. 

Symbolisch verweist das Kreuz auf die Vereinigung von Himmel und Erde: Der Längsbalken steht für das Göttliche, während der Querbalken eine Verbundenheit mit der Erde symbolisiert. 

Weihekreuz

Weihekreuz

Das aus gebogenen Linien gebildete und von einem Kreis umschlossene (nimbierte) Weihekreuz findet man z.B. in der Mensa von Altären, auf liturgischen Geräten und an den Wänden von Kirchenräumen, in der Regel dort, wo die sogenannten „Apostelleuchter“ angebracht sind oder waren; daher auch Apostelkreuz genannt. Diese Kreuzform ist vor allem in katholischen und vorreformatorischen Kirchen zu finden. Bis zur Reformation wurde dieses Kreuz auch als päpstliches Hoheitszeichen verwendet. 

Papstkreuz

Papstkreuz

Das Papstkreuz, auch Pontifikalkreuz oder Päpstliches Kreuz genannt, ist ein Kreuz mit drei von oben nach unten immer breiter werdenden Querbalken. Dieses Kreuz ist das Symbol des päpstlichen Amtes, ähnlich wie die drei Kronreifen der päpstlichen Tiara. Sie stehen für die drei Aufgaben, über die der Papst die Schlüsselgewalt besitzt: das Priesteramt, das Hirtenamt und das Lehramt. 

Kardinalskreuz

Patriarchenkreuz, Erzbischofskreuz oder Spanisches Kreuz

Das Patriarchenkreuz, auch Erzbischofskreuz, Kardinalskreuz oder Spanisches Kreuz genannt, wird oft in Bildern von Kirchenfürsten, insbesondere Bischöfen und Kardinälen dargestellt. Der kleine zusätzliche Balken über dem langen Querbalken symbolisiert das Brett, auf dem die Inschrift INRI zu lesen war.

Griechisches Kreuz

griechisches Kreuz

Das griechische Kreuz ist ein Kreuz mit vier gleich langen Seiten, die im rechten Winkel zueinander stehen. In der christlichen Architektur spielt das griechische Kreuz als Grundriss eine bedeutende Rolle, es symbolisiert den christlichen Glauben. Die ersten Bauten waren byzantinische und syrische Kirchen, in Europa entstanden auf dem Grundriss des griechischen Kreuzes große Bauwerke, meist als Zentralbauten. Als Zentralbau konzipierte Kirchen vor allem des christlichen Ostens haben oft den Grundriss eines griechischen Kreuzes. In der Heraldik kommt das Griechische Kreuz in vielen Staatswappen vor, wie etwa in der Schweizer Flagge. Das Kreuz findet sich auch als Erkennungszeichen für die internationale Hilfsorganisation „Rote Kreuz“. 

Antoniuskreuz oder T(au)-kreuz

Antoniuskreuz bzw. Taukreuz

Das Antoniuskreuz hat die Form des Buchstaben „T“. Es wird auch als Balken, das auf einem Kreuzstamm liegt, dargestellt. Die Bezeichnung „Taukreuz“ leitet sich vom griechischen Buchstaben „Tau“ ab, beziehungsweise vom letzten Buchstaben des hebräischen Alphabets „Taw“. In der Mythologie des alten Orients steht das Taukreuz für Vollendung. Auf antiken Soldatenlisten bedeutet ein „T“, dass der Soldat noch am Leben ist. Diese positive Bedeutung greift die Bibel im Buch Ezechiel auf. Dort bei Ez 9,4 zeichnet der Prophet den Gläubigen ein „T-Zeichen“ auf die Stirn. Das in der Offenbarung des Johannes erwähnte Siegel ist auch ein Zeichen für Erlösung (Offb 7,2ff.). Später wurde das Tau zum Attribut des Wüstenvaters Antonius des Großen, daher trägt das Kreuz auch seinen Namen. Der nach dem Ordensmann benannte Antoniterorden kümmert sich vor allem um die Pflege von Kranken. Noch bekannter ist das Tau des Franziskanerordens. Franz von Assisi verwendete das Kreuz als Segenszeichen sowie als Zeichen von Demut und Erlösung. Gerne unterzeichnen Ordensangehörige mit einem „Taukreuz“.

Andreaskreuz

Andreaskreuz

Das Andreaskreuz ist ein Kreuz mit zwei diagonal verlaufenden, sich kreuzenden Balken. Der Name erinnert an den Apostel Andreas, der an seinem solchen Kreuz als Märtyrer gestorben sein soll. Das Kreuz ist dadurch zum Attribut des Apostels geworden. Enthalten ist in ihm auch der griechische Buchstabe Chi (Χ) als Symbol für Christus, wie etwa im Christusmonogramm. Vor allem in frühchristlicher Zeit wurde das Andreaskreuz so auch häufig für den Namen Christi z.B. als Erkennungszeichen verwendet.

Außerhalb des religiösen Kontexts begegnet uns das Andreaskreuz sehr oft an Bahnübergängen oder auf dem Verkehrsschild zur Kennzeichnung „rechts vor links“.

Malteser- oder Johanniterkreuz

Malteser- bzw. Johanniterkreuz

Das Malteser- oder Johanniterkreuz ist das Erkennungsmerkmal des katholischen Malteserordens und des protestantischen Johanniterordens, die ursprünglich zusammengehörten. Es besteht aus acht Spitzen und wird daher auch als Pfeilspitzenkreuz bezeichnet. Die acht Spitzen stehen symbolisch für die acht Seligpreisungen der Bergpredigt Jesu, wie sie im Neuen Testament bei Mt 5,1ff. angeführt werden. Die vier nach innen zeigenden Spitzen werden manchmal auch den vier Kardinaltugenden „Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung“ zugeordnet. Auf schwarzem Grund erscheint das weiße Johanniterkreuz auf der Ordenskleidung der Johanniter- und Malteserritter, auf rotem Grund in den Wappen der beiden Orden und ihrer Hilfswerke, unter anderem der Johanniter-Unfall-Hilfe und des Malteser Hilfsdienstes. Das grüne Malteserkreuz auf grauem oder weißem Grund war das Symbol des christlichen Lazarus-Ordens.

Jerusalemkreuz

Jerusalemkreuz

Vier kleine Kreuze in den Ecken eines großen Kreuzes kennzeichnen das Jerusalemer Kreuz. Die fünf Kreuze werden oft als die fünf Wundmale Jesu gedeutet. Eine andere Interpretation sieht in dem großen Kreuz Jesus und in den kleinen Kreuzen die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes dargestellt. Das Jerusalemer Kreuz ist das Abzeichen der Ordensritter vom Heiligen Grab. Es ist ein beliebtes Symbol auf Souvenirs der Stadt Jerusalem und findet sich dort auch in vielen Kirchen.

Das Jerusalemkreuz wurde erstmals 1099 vom Kreuzritter Gottfried von Bouillon als Wappen verwendet. Er war seit 1089 Herzog von Niederlothringen, einer der Anführer des ersten Kreuzzugs und gründete das Königreich Jerusalem. Er machte das Wappen des Herzogtums Bouillon, das belgische Krückenkreuz mit vier zusätzlichen griechischen Kreuzen, zum Symbol und Staatswappen des Königreichs Jerusalem. Dort wurde es in gold auf silber bis 1291 verwendet. 

Gabelkreuz

Gabelkreuz

Das Gabelkreuz, auch als Schächerkreuz oder Pestkreuz bekannt , ist ein besonders ausdrucksstarker gotischer Kreuztyp in Y-Form, der unter dem Einfluss der Mystik im späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert entstand und insbesondere bei uns im Rheinland anzutreffen ist. 

 

Petruskreuz

Petruskreuz

Das Petruskreuz ist ein lateinisches Kreuz, das auf dem Kopf steht. Der Überlieferung nach wurde der Apostel Petrus kopfüber gekreuzigt. Das geschah wohl auf seinen eigenen Wunsch hin, weil er sich nicht als würdig empfand, auf die gleiche Weise wie Jesus zu sterben. Auch in der Kunst taucht das umgekehrte Kreuz gerne zusammen mit dem Motiv des Schlüssels als Symbol für den Apostel Petrus auf. Als Provokation oder als Ablehnung des Christentums wird diese Kreuzform auch als Zeichen für Satanismus verwendet.

Lothringerkreuz

Lothringerkreuz

Lothringerkreuz oder Lothringer Kreuz ist die Bezeichnung für ein Kreuz mit zwei gleich langen Querbalken, wobei meist der untere Querbalken vom unteren Ende des Längsbalkens so weit entfernt wie der obere Querbalken vom oberen. Diese Form war seit dem Mittelalter in Polen, Litauen, der Slowakei und Lothringen verbreitet.

Kleeblattkreuz

Lazaruskreuz

Das Kleeblattkreuz ist ein Kreuz, dessen Enden die Form eines dreiblättrigen Kleeblatts haben. Die dreiblättrigen Kleeblätter werden als Zeichen für die Dreifaltigkeit gedeutet und stehen damit für  Gottvater, Sohn und Heiliger Geist. Oft findet sich das Kleeblattkreuz als Sterbekreuz bei Beerdigungen und wird auch Lazaruskreuz genannt. Auf dem Friedhof spendet das Kreuz Trost und Hoffnung und ist ein Zeichen für die Auferstehung.

Russisches Kreuz

Russisches Kreuz

Das Russische Kreuz ist das Kreuz der russisch-orthodoxen Kirche, bei dem zwei parallele waagerechte Kreuzarme die Senkrechte schneiden, Querbalken und Titulus. Darunter befindet sich noch ein dritter, schräggestellter Arm, das Fußbänkchen darstellend. Er mahnt zur Entscheidung zwischen Himmel und Hölle. Der oberste Querarm ist in etwa so breit wie der schräglinksliegende Fußarm.