Uckerath:Fußwallfahrt nach Bruchhausen: alle gemeinsam und doch jeder für sich

Die Anliegen, die in diesem Jahr von Uckerath aus nach Bruchhausen getragen werden, wiegen teilweise schwer. Unsere Welt sortiert sich neu – aber in eine Richtung, die wir nicht einschätzen können. Zwar geht jeder anders damit um, aber es belastet uns alle. Dazu kommen die eigenen Sorgen und Nöte rund um Familie, Freunde, das Leben. Das Bewusstsein darüber, mit anderen Menschen diesen Weg und die Strapazen eines solchen Wallfahrtstages auf sich zu nehmen, wird vor allem durch das Gefühl, mit den eigenen Sorgen nicht allein zu sein, positiv verstärkt.
In diesem Jahr sind es 12 Pilger, die Kaplan Justin Joseph am Morgen in Uckerath verabschieden kann, im Laufe des Tages kommen 18 weitere hinzu. Gerne hätte er uns ein Stück auf unserem Weg begleitet, die Messe anlässlich der Bülgenaueler Krautweihkirmes am Samstagvormittag macht diesen Plan jedoch zunichte. Wieder einmal ist unser Kreuz, das wir bereits zum 27. Mal nach Bruchhausen tragen, mit herrlichen Kräutern geschmückt.
Traditionell tragen wir ein kleines Herz im Gedenken an die Verstorbenen der Bruchhausen Gemeinschaft mit. Dieses ist auf dem Weg gut aufgehoben bei Helmut Schumacher – er hat bislang alle Wallfahrten mitgemacht und ist daher der Einzige, der mit all diesen Menschen den Weg ein Stück zusammen gegangen ist.
Hatten wir im letzten Jahr Sorge, dass Gewitter und Regen über die Pilgerschar hereinbrechen könnten, hofften wir in diesem Jahr auf Temperaturen gut unter 25 Grad. Und da zeigt sich an diesem 16. August, dass Petrus tatsächlich ein Herz für Pilger hat. Leicht bedeckt, knapp 20 Grad – es hätte uns kein besseres Wetter begleiten können.
An den Pilgerstationen stehen traditionell die Sakramente im Mittelpunkt. Inne halten, Bibelstellen hören, Gedanken fließen lassen, beten und singen. Fest im Griff haben alle den Rosenkranz, der unterwegs natürlich gebetet wird.
Von Uckerath aus geht es über Hanf und Schnepperroth weiter nach Eudenbach. Der Einzug in die Kirche dort ist immer ein Stück weit ergreifend – Philip Ditscheid spielt dann auf der Trompete „Ein Haus voll Glorie schauet“. In Eudenbach nehmen wir das Sakrament der Eucharistie in den Blick. Änni Sasse hat Weizenähren gesammelt, Brot und Trauben für die Agapefeier mitgebracht. Ihre Enkelin Stefanie Höhner und Urenkelin Anne unterstützen sie dabei. Im Anschluss daran steht die Wiedersehensfreude mit den Pilgern, die nun hier in Eudenbach dazu kommen. Wer möchte, bekommt ein Pilgerwasser von Tante Änni ausgeschenkt. Wie immer mundet das herrlich und es ist ein fröhliches Miteinander vor dem Eudenbacher Kirchenportal.
Über Wülscheid und den Dachsberg kommen wir zur Mittagsrast auf der Rottbitze an. Viele Jahre war dort der Domblick unser Ziel, seit letztem Jahr kehren wir in einem kleinen Imbiss am Zilzkreuz ein.
Durch Wald und Flur geht es gestärkt weiter zu den Stationen Kreuzeiche und zum Auge Gottes. Der höchste Punkt ist erreicht, nun geht es bis Bruchhausen nur noch bergab. Für viele eine Erleichterung, für die, die die Disziplin Bergauf bevorzugen, eher eine Qual.
In Bruchhausen sind die vielen kleinen Lichter entlang der Straßen schon Vorboten für das, was am Abend kommen sollte – die Lichterprozession zu Ehren der Aufnahme Mariens in den Himmel. In die Wallfahrtskirche, die zu späterer Stunde mal wieder aus allen Nähten platzen würde, ziehen wir nun singend ein. Unsere Bitten, aber auch unseren Dank, empfehlen wir an diesem Tag ein letztes Mal vertrauensvoll der Mutter Gottes.
Im Winzerkeller dürfen wir uns über einen reich gedeckten Tisch freuen. Das Drei-Generationen-Catering-Team aus dem Hause Schumacher (Birgit, Lisa, Svenja, Antonia sowie Hannes mit Schwester und Cousinen) hat alles perfekt vorbereitet. Zeit wird es, die Jubilare zu benennen und ein paar Dankesworte zu sprechen.
25 Mal haben sowohl Elke als auch Egon Ditscheid an der Wallfahrt teilgenommen. In ihrem Fall heißt das, dass sie nicht nur 25 Mal die Strecke gelaufen sind, sondern sich auch mindestens 25 Mal um die Organisation und Durchführung gekümmert haben. Die Wertschätzung und das Dankeschön der Mitpilger zeigt sich in einem großen und herzlichen Applaus.
Damit die Wallfahrt gelingen kann, braucht es viele helfende Hände in der Vorbereitung und Umsetzung: in der frühen Planungszeit Ivonne Bartsch aus dem Pfarrbüro, Susanne Otto – unsere Küsterin in Uckerath, Helene Leopold und Elke Ditscheid, die das Kreuz stets so wunderschön schmücken, Kaplan Justin Joseph, der den Pilgersegen spendet, dem Pfarrbüro und der Küsterin in Eudenbach, die unsere Station dort gemeinsam mit Änni Sasse sowie Stefanie und Anne Höhner ermöglichen, Vorbeter Egon Ditscheid, Philip Ditscheid für sein Trompetenspiel von Hanf bis Eudenbach, dem Catering-Team für deftige Brötchen, Angelika Fujan für süße Nuss- und Mandelecken und natürlich dem Ortsausschuss Bruchhausen für das herzliche Willkommen. Der letzte Dank richtet sich aber an alle Pilgerinnen und Pilger, die sich wieder auf das Bruchhausen-Abenteuer eingelassen haben und die „alle zusammen und doch jeder für sich“ in Bruchhausen eingelaufen sind.
Elke Lichtenberg