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Seelsorgebereich:Aktiv bleiben in der Erinnerung - Gang des Gedenkens am 10.11.2025 in St. Michael - Geistingen

„Jedem das Seine“- steht, nur von innen lesbar, auf der Eingangstür zum Konzentrationslager Buchenwald geschrieben. In zynischer Weise übernimmt das Nazi-Regime dieses Motto aus der antiken Rechtsethik. Was als Ausdruck für eine höhere Gerechtigkeit stand, wurde zur unausgesprochenen Drohung für jeden KZ-Insassen.
2025-11-10_Gang des Gedenkens (1)
Datum:
10. Nov. 2025
Von:
hh
2025-11-10_Gang des Gedenkens (2)

Nachdem wir immer bemüht waren, unse-ren Blick auf die Lage der Hennefer Juden zu richten, konnte ich in diesem Jahr eine Schülerin des Hennefer Gymnasiums gewinnen, von ihren Erfahrungen, ihren Ein-drücken und ihren Gefühlen aus ihrem Freiwilligendienst in Buchenwald zu berichten. In sachlicher, aber auch emotional beteiligter Art gelang es Hannah Haas die Besonderheiten dieses KZs herauszuarbeiten. Die Veranstaltung war - wie immer umrahmt von Psalmen, Gebeten und Liedern, die unsere Verbundenheit mit dem jüdischen Volk betonen. Den Abschluss bildete das Verlesen der Namen der ermordeten jüdischen Mitbürger auf dem Gebiet der zerstörten Synagoge, dem Kaddisch, dem jüdischen Totengebet und dem Aaronsegen.

Wer weiß schon, dass das KZ Buchenwald rund 140 Außenlager hatte? Eines davon befand sich im Rheinhotel Dreesen in Bad Godesberg. Dort wurden französische Generäle gefangen gehalten, denen unter anderem von einem Mitglied der Zeugen Jehovas die Haare geschnitten wurden.

Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ das „Buchenwaldlied“. Ein Lied im fröhlichen Marschtempo komponiert mit der Hoffnung auf Freiheit im Refrain. Das Lied wurde von jüdischen Insassen gedichtet und komponiert und mit viel Gefühl und „Schmiss“ gesungen, wenn es zum Arbeitseinsatz im Steinbuch ging. Auch heute noch wird das Lied gesungen, wenn sich das Häuflein der Überlebenden jährlich in Buchenwald trifft. Glücklicherweise begleiten uns auf dieser Veranstaltung seit Jahren zwei äußerst versierte und engagierte MusikerInnen: Petra Klippel und Michael Walter. Sie hatten das Lied ge-schickt in Hannahs Vortrag eingeflochten.

Hannah sprach besonders eindringlich auch über die Führungen von Schulklassen und anderen Jugendgruppen: die Reaktionen gingen von „cool“ bis hin zu „aufgelöst in Tränen“. Einen überragenden Eindruck hinterließ bei allen Führungen die Metallplatte, die permanent auf 36,5 Grad Celsius erwärmt wird. Das ist etwas, was alle Menschen teilen (müssen), egal zu welcher Ethnie oder zu welcher Religion sie gehören. Margot Friedländer sagte dazu: „Es gibt kein christliches, muslimisches, jüdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut. Ihr habt alle dasselbe. Seid Menschen!“

Wir waren und sind Hannah Haas sehr dankbar, dass sie ihre Erfahrungen mit uns geteilt hat. Sie hat es verstanden in ihrem Vortrag, den sie mit eigenen Bildern aus Buchenwald illustriert hat, uns zu informieren und anzurühren, damit die Gräueltaten, die in Buchenwald in unserem Namen begangen wurden, nicht in Verges-senheit geraten und sich nicht wiederholen- hier und an keinem Ort der Welt!


Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster sagte zu diesem Gedenk-tag: „Stehen Sie auf! Erheben Sie sich! Erheben Sie ihre Stimme! … Zeigen Sie Zivilcourage, werden Sie Teil eines neuen Aufstandes des Anständigen. Ein Aufstand gegen jede Form des Antisemitismus und an jedem Tag des Jahres!“