Termine im Seelsorgebereich Hennef-Ost

Reparatur-Café des ökumenischen Umweltkreises
16.11.2019 - von 10-13 Uhr, ev. Gemeindezentrum, Bonner Straße, Hennef.
Bibliodrama-Nachmittag mit Pater Thomas Heck
30.11.2019 - 14-19 Uhr, Pfarrheim Liebfrauen, Hennef-Warth

Visita de Ecuador!

28. Juni 2019

 

Mittlerweile ist es nun richtig kalt geworden in Cordoba. So brauche ich 4-5 Decken, um nachts nicht zu frieren. Heizung habe ich nicht und das Fenster ist nicht ganz so isolierend. Mit den Decken aber absolut kein Problem und kuschelig gemütlich.

Schon interessant, wie die Temperaturen hier schwanken zwischen extremer Hitze im Sommer und Kälte im Winter. Schwer vorzustellen, dass es gerade über 30° in Deutschland ist und die Freunde und Familie bei gutem Wetter am Fluss oder im Freibad bereits Zeit verbringen können.

 

Abgesehen vom Wetter ist nun wirklich der Count-down angebrochen, bis es wieder zurück nach Deutschland geht. Da es so Vieles zu erzählen gibt, lade ich diesen Bericht in zwei Teilen hoch. Der zweite Teil folgt also in einigen Tagen. Dies wird vermutlich mein vorletzter Bericht aus Argentinien sein. Ein unglaublich bereicherndes Jahr, in dem ich ganz Verschiedenes kennen gelernt habe und sehr glücklich über die Erfahrungen bin, die ich hier machen durfte.

Ende Mai besuchte mich meine Freundin Lea aus Ecuador, und wir hatten wirklich eine schöne Zeit. Es hat mich unglaublich gefreut, einem mir wichtigen Menschen zeigen zu können, wie ich dieses Jahr hier verbringe. Denn so gut ich auch probiere, detailliert über meine Erfahrungen zu berichten, wird es nie das gleiche sein, wenn man die Orte und Menschen mal persönlich kennen lernt, mit denen ich dieses Jahr Erfahrungen machen konnte. So fuhr ich am letzten Mai Wochenende aufgeregt nach Buenos Aires, um Lea am Flughafen abzuholen. Nachdem sie gut gelandet ist, verbrachten wir zwei Tage in Buenos Aires und sahen uns die Stadt an. Buenos Aires hat wirklich extrem viele europäische Einflüsse Italiens und Frankreichs, so dass ich es sehr interessant fand zu sehen, dass Lea nun nach einem Jahr Leben in einem kleineren Dorf in Ecuador einen größeren Kulturschock hat, als bei ihrer Ankunft in Ecuador.

Auch beeindruckend zu sehen, wie effektiver man sein kann, wenn man zu zweit in Buenos Aires unterwegs ist, als das vorherige Mal in der großen Zehnergruppe. Denn so besichtigten wir fast in diesen zwei Tagen das Gleiche, was wir mit den anderen Freiwilligen in einer Woche besichtigt haben. Sowohl Lea als auch ich sind beide wirklich sehr begeistert von Buenos Aires und den Eindrücken, die wir sammeln konnten an diesem Wochenend-Kurztripp.

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Nach dem Wochenende nahm ich Lea mit und wir nahmen den Nachtbus nach Córdoba, wo meine beiden Gasteltern uns freudig mit groß vorbereitetem Frühstück erwarteten. Netterweise durfte Lea mit bei mir unterkommen, sodass sie auch meinen Familienalltag und die Fürsorglichkeit meiner Gasteltern kennen lernte, die wirklich sehr begeistert Lea kennen lernen wollten.

Nachmittags nahm ich Lea mit zur Arbeit, zu einer besonderen Aufgabe, die ich vorher noch nicht hatte. Die Partnerorganisation von weltwaerts in Argentinien bat Gabriel, meinen Chef, darum, dass ich diese an diesem Nachmittag mit zu einer Weiterführenden Schule begleite, um von Klasse zu Klasse über meine allgemeinen Erfahrungen in Gastfamilie, Projekt und Córdoba zu berichten. Ziel ist es, neue Gastfamilien zu finden für die nächsten weltwaerts Freiwilligen.

 

Das war eine nette Aufgabe. Besonders lustig war der Moment, als mich Schüler aufgrund eines Fernsehinterviews, dass ich vor dem Stadion von Belgrano einige Monate vorher gegeben habe, wieder erkannten und mich darauf angesprochen haben. Mit der Reichweite des Videos hätte ich definitiv nicht gerechnet.

 

Da ich einige Feiertage zuvor gearbeitet habe, gab mir Gabriel ein paar Tage frei, um Lea ein wenig die Stadt und Provinz zu zeigen. So fuhren wir am Dienstag früh los in das Dorf Villa General Belgrano, eines der deutschen Dörfer, die man in Argentinien und vor allem in der Provinz Córdoba finden kann. Dort war ich bereits einmal im Oktober anlässlich des Oktoberfestes. Dieses Mal war es ganz anders, viel weniger touristisch. So nutzten wir den Tag für eine Dorfbesichtigung, Wanderung und Stärkung durch Gulasch.

Schon ein eigenartiger Anblick: So viel Tourismus mit deutschen Symbolen wie z.B. Flaggen, Adler, Bierkrüge etc. habe ich in Deutschland selbst noch nie gesehen. Ich persönlich bekomme immer ein eher unangenehmes Gefühl, die Deuschlandfahne so oft gehisst zu sehen, und kann mich damit eher weniger identifizieren.

 

Da am Mittwoch leider ein kompletter Streik von öffentlichen Verkehrsmitteln spontan durchgesetzt wurde, konnten Lea und ich nicht zu meinem neuen Instrumentenbaukurs im Cotolengo fahren, da die Schüler selbst nicht kommen konnten.

So zeigte ich Lea das Stadtzentrum von Córdoba mit einer exklusiven Privatführung.

 

Schon spannend zu sehen, wieviele Geschichten man zu einzelnen Orten in Córdoba zu erzählen hat. Ich hatte den Eindruck, dass Lea Córdoba wirklich gut gefallen hat. Auf Spanisch würde man sagen: „Acá hay buena onda“, was sowas bedeutet wie „Hier ist eine tolle Atmosphäre“ (nicht auf die Luft bezogen, mehr auf der Offenheit der Leute und Möglichkeiten etwas zu unternehmen, die Luft ist nicht so eine tolle onda ;))

 

Am Donnerstag freute ich mich sehr, Lea mit zu dem Musikkurs mit den Kindern mitnehmen zu können, in dem Barrio, in dem ich auch in der Werkstatt arbeite und dadurch viel Zeit dort verbringe.

Als wir aus dem Bus ausgestiegen sind und in die Straße einbogen, liefen uns schon freudig eine Horde von Kindern entgegen und begrüßten uns mit Profe, Profe (Lehrer) und waren sehr neugierig, Lea kennen zu lernen und auszufragen.

 

Toll zu sehen, wie Lea direkt einen Zugang zu den Kindern hatte und wir anfingen, mit den Kindern auf einer Wiese Gruppenspiele zu spielen, bis die beiden Musikkursleiter ankamen und die Instrumente brachten, sodass wir dann mit dem Musikkurs beginnen konnten.

 

Zum Einstieg spielten wir ein Rythmusspiel, bei dem sich alle im Takt der Trommel bewegten. Anschließend gab ich ein wenig Cellounterricht und Lea unterrichtete auf der Trompete. Es war ein wirklich erfolgreicher und schöner Arbeitstag.

 

Netterweise gab Gachí meine Gastschwester Lea und mir für einige Tage die Wohnung, in der sie mit ihrem Freund lebt, da sie nach Buenos Aires verreisten. Die beiden wohnen nun in der Wohnung, in der ich für 6 Monate gelebt habe. Beim Reinkommen unvorstellbar: Was die beiden aus der Wohnung gemacht haben, ist wirklich ganz toll geworden. Die Wohnung hat, außer der Eingangstür, nichts mehr mit der Wohnung gemeinsam, in der ich zuvor dort gelebt habe.

Den Freitag und Samstag nutzten Lea und ich, um zu Marchiquita zu fahren. Einem riesigen Salzsee im Norden der Provinz. Es war schon recht kühl, aber trotzdem super schön und ich glaube, im Sommer kann man da wirklich eine ganz tolle Zeit mit Baden erleben. Dort waren wir in einem wirklich netten Hostel direkt am Seeufer, das früher wohl ein deutsches Hotel nach dem zweiten Weltkrieg gewesen sein soll, merkwürdige Vorstellung.

 

Direkt gegenüber von dem Hostel war allerdings eine riesige Hotelbarracke namens Hotel Wien. Dieses Hotel ist nun umfunktioniert zu einem Museum und so machten wir Samstag morgens eine Museumstour. Die Führerin der Tour war sehr an uns Deutschen interessiert, da die Geschichte dieses Hotels auch sehr mit der deuschten Geschichte verknüpft ist. Das Hotel war riesig und muss wohl zur damaligen Zeit ein absolutes Luxushotel gewesen sein, dass von einer deutschen Familie während des zweiten Weltkrieges gebaut wurde, da der Sohn an einer speziellen Hautkrankheit erkrankt gewesen sein soll und der Salzgehalt des Sees heilende Wirkung verspricht.

Gegen Ende des zweiten Weltkrieges kamen aber viele Deutsche, um dort unterzukommen, darunter auch Nazis, die vor Kriegsverfolgung über die „Rattenlinie“ flohen.

 

Ende der 40er sprach der Gouverneur Córdobas dann allerdings eine Schließung des Hotels aus, sodass diese Familien samt der Hotelbesitzer weiter ziehen mussten und das Hotel nach und nach verfiel. (Auch weil es über einige Jahre eine starke Flut gab und das Hotel massiv beschädigt wurde.)

 

Trotzdem war es sehr interessant, alte Geräte, wie die der Firma Deutz in der Wäscherei vorzufinden. Gerne möchte ich mich mehr mit der „Rattenlinie“ beschäftigen, denn hier in Córdoba ist es kein Geheimnis, dass sich viele Deutsche nach dem 2. Weltkrieg hier absetzten, darunter auch hochranginge NS- Funktionäre wie Eichmann. Das Hotel hatte dazu sogar vier Bücher, die interessant klangen und die ich mir bei Gelegenheit gerne durchlesen werde.

Anschließend hatten Lea und ich noch eine schöne Zeit in der Wohnung in Córdoba und bei mir auf der Arbeit, bevor sie dann auch schon wieder aufbrach, zurück nach Ecuador.

 

Es grüßt!

 

Jonas