Termine im Seelsorgebereich Hennef-Ost

Geänderte Öffnungszeit Pastoralbüro
25.02.2020 - Nur vormittags
Ausstellung in der Fastenzeit 2020
01.03.2020 - bis 29. März 2020 in St. Mariä Himmelfahrt, Bröl
Weltgebetstag der Frauen
06.03.2020 - 15 Uhr, St. Johannes der Täufer, Uckerath
Weltgebetstag der Frauen
06.03.2020 - 17 Uhr, St. Simon und Judas, Hennef
Konzert des Chores Arche Noah
08.03.2020 - 17 Uhr, St. Remigius Happerschoß
Reparatur-Café des ökumenischen Umweltkreises
14.03.2020 - von 10-13 Uhr, ev. Gemeindezentrum, Bonner Straße, Hennef.
Abend des Lichts
15.03.2020 - 19 - 21 Uhr, Pfarrkirche Liebfrauen
Bibliodrama-Nachmittag mit Pater Thomas Heck
21.03.2020 - 14-19 Uhr, Pfarrheim Liebfrauen, Hennef-Warth
Eddi Hüneke und Willibert Pauels mit ihrem Programm "Was uns trägt"
03.05.2020 - 18 Uhr, Pfarrkirche Liebfrauen
Jugendferienlager 2020 - Segeln in Holland
29.06.2020 - für Jugendliche ab 15 Jahren
Kinderferienlager 2020 in Dänemark
24.07.2020 - für Kinder von 10 bis 15 Jahren
Jugendferienlager nach Wien
11.10.2020 - für Jugendliche ab 16 Jahren

Predigt an Weihnachten 2016

Wo wohnt eigentlich Gott?

Kinder sagen: Im Himmel.

Erwachsenen reicht das nicht.

Sie wollen konkrete Antworten.

Schon immer.

 

„Gott wohnt in einem Lichte, dem niemand nahen kann“

 

So beginnt ein Kirchenlied von Jochen Klepper. In der zweiten Strophe heißt es weiter:

 

„Und doch bleibt er nicht ferne,ist jedem von uns nah“.

 

Wieder: Keine konkrete Antwort. Ganz weit weg und ganz nah. Wo wohnt Gott denn jetzt?

 

Begegnung mit Gott findet im Alten Bund statt, als Gott bei Abraham zu Besuch ist. Später führt er sein Volk durch die Wüste. Gott ist Mose und seinem Volk nah im brennenden Dornbusch, in der leuchtenden Wolke, in einer Feuersäule, auch in der Bundeslade. Aber das reicht den Menschen nicht.

 

„Gott soll bei uns wohnen, nur bei uns, in unserer Mitte“, sagten die Israeliten. Sie machen sich ein goldenes Kalb und fangen an, es zu verehren.

 

Netter Versuch. Aber erfolglos. Gott lässt sich nicht vereinnahmen, nicht festhalten. Die Bundeslade geht verloren, der Jerusalemer Tempel wird mehrfach zerstört. Heute ist von ihm nur noch die sogenannte Klagemauer übrig. Und die Stadt des großen Königs David, Bethlehem, versinkt in der Bedeutungslosigkeit.

 

Dann wird es ruhig um Gott. Seine Geschichten mit den Menschen sind alle schon viele hundert Jahre alt. Propheten scheint es nicht mehr zu geben.

 

Hat Gott die Welt sich selbst überlassen?

Ist sein Volk, das ihn oft genug enttäuscht hat, auf sich selbst gestellt?

Brauchen wir neue Götter, eine neue Religion?

Oder geht es auch ganz ohne Gott, ganz ohne Glauben?

 

In einer solchen Zeit, in der Gott keine große Rolle im Leben vieler Menschen zu spielen scheint, geht er auf die Suche. Gott sucht Menschen, bei denen er wohnen kann.

 

Und in Nazareth in Galiläa wird er fündig. Hier findet er zwei, die ihm die Tür öffnen. Es sind Maria und Josef.

 

Nazareth ist nicht gerade eine Vorzeigestadt. Hier leben Syrer, Römer, Hebräer, Palästinenser und viele andere Menschen, angezogen vom fruchtbaren Boden Galiläas. Eine Multikulti-Stadt ist es bis heute, mehr arabisch als jüdisch-europäisch geprägt. Hier stehen Kirchen, Synagogen und Moscheen nebeneinander. Unterschiedlichste Menschen auf engem Raum haben gelernt, in einer Vielfalt der Kulturen und Überzeugungen einigermaßen friedlich miteinander zu leben.

 

Aus Jerusalem, der Hauptstadt, und aus vielen anderen Dörfern und Städten sieht man verächtlich auf diese Vielvölkerstadt. „Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen?“ ist ein allseits bekannter Ausspruch. Und hier ist – wenigstens für eine gewisse Zeit – Gottes Wohnung, als er Mensch geworden ist.

 

Geboren wird der Messias bekanntlich in Bethlehem. Das war einmal die Stadt Davids, aber zur Zeit Jesu hat sie ihre besten Tage hinter sich. Josefs Familie und viele andere Menschen sind aus dem ärmlichen Städtchen schon lange ausgewandert. Hier ist einfach nichts mehr los. Früher war das einmal anders.

Und weil jeder in seine Heimatstadt reisen muss auf Befehl des Kaisers, ist die sterbende kleine Stadt auf einmal überfüllt. Auch, wenn die Herbergssuche aus unseren Krippenspielen kaum mehr wegzudenken ist, heißt es im Evangelium: „…weil in der Herberge kein Platz für sie war“. Es ist wohl nur eine einzige Herberge da, und die ist wegen der Volkszählung schon überfüllt.

 

Wo also wohnt Gott?

Bei Maria und Josef? Sie sind in Bethlehem gestrandet. Sie sind plötzlich obdachlos. Die Schwangere bekommt ihr Kind draußen vor der Stadt.

 

Die Hirten sind die ersten, die da sind. Aber der Stall von Bethlehem hat keine Türen. Er ist offen für alle, die sich aufmachen und keine Angst davor haben, sich ihre Schuhe oder ihre Hände dreckig zu machen.

 

Gott wohnt nicht in den Palästen der Könige, nicht in heiligen Hallen von Tempeln und Heiligtümern. Gott wird Mensch in einfachsten Verhältnissen, umgeben von einfachen Menschen und von Tieren.

 

Kaum ist Gott Mensch, ist er auch schon auf der Flucht. Als könnte es nicht noch schlimmer kommen!

Der jähzornige Provinzkönig Herodes, von dem historisch überliefert ist, dass er seine eigenen Kinder umbringen ließ aus Angst, sie könnten ihn vom Thron stoßen, sucht nach dem neugeborenen Jesus und will ihn vernichten.

 

Maria und Josef bleibt nichts anderes übrig, als zu fliehen. Sie verwenden eine damals übliche Flüchtlingsroute, die sie nach Ägypten führt. Hier dürfen sie bleiben, genießen Asyl bis zu dem Moment, in dem sie die Nachricht hören, Herodes sei gestorben, die Verfolgung vorbei, ihre Heimat wieder sicher.

 

Maria und Josef erleben Flucht und Vertreibung. Eine Odyssee, die man niemandem wünscht. Jahrelang haben sie Angst um Leib und Leben, sicher oft genug auch Hunger und Durst. Und doch wohnt Gott bei ihnen. Er geht mit ihnen durch diese Zeit der Not und lässt sie keinen Moment allein.

 

Papst Franziskus zeigt uns, wo Gott wohnt. Er geht genau an die Orte, wo er Gott vermutet. Nach Lampedusa, wo viele tausend Flüchtlinge stranden. In die italienischen Erdbebengebiete, wo Menschen plötzlich alles verloren haben. Zu den Obdachlosen in der Stadt Rom, deren Freund er geworden ist.

 

Gott lässt die Not in der Welt nicht von jetzt auf gleich verschwinden.

Aber er geht mit, wo Menschen in Not sind, er ist da, leidet mit, hungert mit, trauert mit, stirbt mit.

 

In der Kirche Maria Lyskirchen in Köln ist die Krippe in einem Boot aufgebaut worden, in dem zuvor Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa gekommen sind. Gott wird Mensch für die Armen, die Obdachlosen, die Flüchtlinge. Er wohnt bei ihnen. Wir sind seine Schwestern und Brüder, und es ist unsere Aufgabe, die Not dieser Menschen zu sehen und sie lindern.

 

Viele Menschen sind heute hier, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind. Sie helfen Familien und Allein reisenden, die jetzt bei uns sind, helfen bürokratische Hürden zu überwinden und geben Sprachunterricht. Sie geben viel – aber Sie werden auch beschenkt. Denn es entsteht oft genug Vertrauen und Freundschaft über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg.

 

An den vergangenen Sonntagen haben immer wieder Menschen aus Syrien oder aus einigen Ländern Afrikas unsere Gottesdienste besucht, die auf der Flucht sind und jetzt hier in Hennef leben. Einige von Ihnen sind auch jetzt hier. Es ist mir ein großes Anliegen, Ihnen heute den Frieden zu wünschen, den die Welt nicht geben kann, weil er von Gott kommt. Sie alle sind uns herzlich willkommen. Es ist gut, dass Sie da sind.

Jesus war selber ein Flüchtling, verfolgt von den Mächtigen seiner Zeit. Wir dürfen das nicht vergessen.

 

Wo wohnt also Gott?

Wenn ich eine Krippe aufstelle oder ein Kreuz an die Wand hänge, zeige ich damit:

Hier, bei mir darfst du wohnen. In meinem Haus, in meinem Herz, in meinem Leben.

Ob er dann wirklich bei mir wohnt, liegt an mir. Wenn ich offen bin für sein Wort, für seine frohe Botschaft, wird er auch bei mir sein.

 

Er war bei Maria und Josef, als sie unter ärmlichsten Bedingungen das Kind zur Welt brachten und danach weiter fliehen mussten.

 

Er war in der Wüste, als sein Volk aus Ägypten fliehen musste.

 

Er war am Grund des Meeres, in der tiefsten Tiefe, als Jona im Bauch des Fisches betete.

 

Wir sind gefragt, ob wir mit ihm oder ohne ihn leben wollen. Es ist unsere Freiheit, unsere Entscheidung. Für oder gegen Gott. Für oder gegen die Menschlichkeit. Für oder gegen die Nächstenliebe. Für oder gegen die Hoffnung, dass Gott auch hier ist, in unserer Mitte.

 

Weihnachten wird von vielen das Fest der Liebe genannt. Wer nicht lieben kann, ist gottverlassen. So wie die Attentäter, die in Berlin und Nizza, Brüssel, Paris und andern Orten in den letzten Monaten so schreckliches Leid verursacht haben.

 

Setzen wir ihnen die Liebe unseres Gottes entgegen, der Mensch geworden ist, um in unserer Mitte und in unseren Herzen zu wohnen.

 

Er ist hier, in unserer Mitte. Mensch geworden vor über 2000 Jahren in Bethlehem, Mensch geworden für uns, hier und heute.

 

Mach’s wie Gott, werde Mensch!

 

Diese Aufforderung gilt für uns alle ganz besonders in diesen Tagen.

 

Ich möchte ein Mensch sein, bei dem Gott wohnen kann. Wie damals Maria und Josef solche Menschen waren, möchte ich auch so einer sein.

 

So schenke Gott uns ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, ein Fest der offenen Türen, ohne Grenzen und Mauern, ganz durchdrungen von seinem Frieden und seiner Liebe.

 

Amen.