Termine Liebfrauen und für den Seelsorgebereich Hennef-Ost

Geänderte Öffnungszeit Pastoralbüro
25.02.2020 - Nur vormittags
Vierter Elternabend Erstkommunion
27.02.2020 - 20 Uhr, Pfarrheim Liebfrauen
Friedensgebet des Friedenskreises
28.02.2020 - 19:30 Uhr, Beginn in der Kirche
Ausstellung in der Fastenzeit 2020
01.03.2020 - bis 29. März 2020 in St. Mariä Himmelfahrt, Bröl
Frühschicht
05.03.2020 - 6:30 Uhr, Pfarrkirche Liebfrauen
Weltgebetstag der Frauen
06.03.2020 - 15 Uhr, St. Johannes der Täufer, Uckerath
Weltgebetstag der Frauen
06.03.2020 - 17 Uhr, St. Simon und Judas, Hennef
Konzert des Chores Arche Noah
08.03.2020 - 17 Uhr, St. Remigius Happerschoß

Predigt an Ostern 2004 von Pastor Christoph Jansen

 

Christus ist auferstanden.
Und wir haben daher allen Grund, das neue Pascha, das Osterfest zu feiern in einer echten, tiefen und ehrlichen Osterfreude.
(Angelehnt an das „alte“ Passahfest, in dem der Jüngste die wichtigen Fragen stellt, habe ich den Jonas als jüngsten Meßdiener darum gebeten, die
wichtigen Fragen zu stellen.)


Einen einzigen Gottesdienst, ein einziges Passahfest feiern wir von der Abendmahlsfeier bis heute. In diesem Fest teilt Jesus das Brot und den Wein
an seine Freunde aus mit den Worten: Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Kurze Zeit später stirbt er am Kreuz, verraten von einem seiner Freunde.
Ich möchte deshalb anknüpfen an den Gründonnerstag. Da sind die Jünger keine Vorbilder. Im Abendmahlssaal noch streiten sie sich darüber, wer
von ihnen der Größte ist, und dann macht sich Jesus selbst klein, wäscht ihnen die Füße. Er ist der Diener, er ist sich für jene primitiven Aufgaben, die
man in der Antike gern den Sklaven und Hausdienern überläßt, nicht zu schade.

 

In der ganzen Zeit, in der Jesus mit seinen Jüngern zusammen ist, lehrt er sie, gibt ihnen immer wieder ein neues Beispiel. Er kommt damit nicht ans Ende. Selbst am Tag des Abendmahles erteilt er ihnen eine Lehre, belehrt sie eines Besseren, indem er ihnen die Füße wäscht.
Nicht als Oberlehrer belehrt er sie, sondern indem er ihnen ein Beispiel gibt. Wie ich euch die Füße wasche, so sollt auch ihr einander die Füße waschen. Wie ich mich vor euch klein mache, so sollt auch ihr euch voreinander klein machen. Wenn es um den Dienst am Nächsten geht, gibt es
keine Eitelkeiten, keine Diener und keine Herren. Da gibt es nur noch dich und mich.

 

Und dann sagt Jesus – immer noch im Abendmahlssaal:
"Ihr habt ausgeharrt in all meinen Prüfungen bei mir, darum vermache ich euch das Reich, wie es mein Vater mir vermacht hat“
Das sagt Jesus zu jenen Aposteln, die noch so viel von ihm lernen könnten, in dem Wissen, daß sie kurz danach alle davonlaufen werden, daß sie ihn
verraten werden, und daß Petrus ihn verleugnen wird.


Welches Risiko ist Jesus eingegangen, indem er uns, dem Volk Gottes, sein Reich anvertraut hat, und zwar so wie der Vater es ihm anvertraut hat,
unverkürzt, nicht nur ein bißchen, sondern ganz. Ein ungeheures Vertrauen, das Wagnis Gottes mit seiner Kirche.
Da steckt kein Kalkül hinter, keine Abwägung von Risiken, keine Absicherung, keine Beratungsfirmen, kein Netz, kein doppelter Boden.


Gott wagt es, uns alles anzuvertrauen. Ein Risikounternehmen erster Sorte, und das heißt Kirche. Die Kirche.

Was ist das überhaupt, die Kirche?
Wer ist Kirche und wer ist es nicht?
Wer gehört dazu, wer nicht?
Wenn ein Bischof in Brasilien irgend etwas sagt oder tut, was nicht in Ordnung ist, wenn an irgendeiner katholischen Schule Mißbrauchsfälle
aufgedeckt werden, wenn im Vatikan Geldgeschäfte schief gehen oder betrügerisch betrieben werden, immer ist es die Kirche.


Aber wenn ich den aktuellen und älteren Skandalen, die in jeder Zeitung stehen, meine eigenen, ganz persönlichen und oft ergreifenden Erlebnisse in und mit der Kirche gegenüberstelle, unsere Gottesdienste, die Ferienaktionen, den Weltjugendtag, die wir über den Missionskreis kennen, die Erstkommunionfeiern, die beeindruckenden Firmungen, das Pfarrfest, das goldene Priesterjubiläum vor wenigen Wochen, das Eierklappern der Meßdiener in den letzten Tagen, die heutige Osternachtfeier und viele, viele andere – doch überwiegend positive - Erlebnisse, dann frage ich mich:
Wie kann Kirche auf der einen Seite das skandalträchtige Großunternehmen und zugleich, auf der anderen Seite Träger dieser großartigen  Veranstaltungen und Erlebnisse, am Ende sogar Träger der frohen Botschaft Christi sein

?
Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun?
Da erfüllt es mich zunächst mit Erstaunen, aber auch mit Freude, wie vielfältig Kirche ist, und was in Kirche alles möglich ist.
Da gibt es die verschiedensten Ordensleute, da gibt es die verschiedensten Nationen, da gibt es junge und alte Pfarrgemeinden, Gemeinschaften wie in Taizé, faszinierende Orte wie Rom, Jerusalem, den Jakobsweg, die Caritas, religiöse Bewegungen und
Aufbrüche und vieles mehr.

Das alles ist Kirche.

Kirche ist kein Monolith.
Sie hat viele Organisations- und Ausdrucksformen.
Sie hat die verschiedensten Facetten, kaum eine Vereinigung auf der Welt ist bunter, vielfältiger, größer, faszinierender.


Warum aber heißt es dann immer: Die Kirche, wenn irgendein echter oder auch scheinbarer Skandal aufgedeckt wird, warum haften wir alle mit für die
Fehler, die von Einzelnen gemacht werden, auch wenn wir uns persönlich gar nichts vorzuwerfen haben?


Warum erwartet die Öffentlichkeit, etwa im aktuellen Mißbrauchsskandal Entschuldigungen vom Papst, von den Bischöfen, am Ende von jedem Priester,
auch von mir?
Ich glaube, das hat etwas mit dem Geheimnis der Kirche zu tun, mit dem Geheimnis des Glaubens.
Im Glaubensbekenntnis heißt es nämlich: Ich glaube an die eine heilige katholische und apostolische Kirche. Paulus beschreibt die Kirche als einen Leib, der viele Glieder hat. Wenn ein Glied leidet, dann leiden alle Glieder mit - und wenn ein Glied geehrt wird, dann freuen sich alle mit.
So erklärt Paulus uns im ersten Korintherbrief, warum wir als Kirche gewissermaßen für diese schwarzen Schafe haftbar gemacht werden, die der
Kirche in der letzten Zeit Schaden zugefügt haben. Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit. Auch Sie sind, auch ich bin Glied dieser Kirche, Teil des Ganzen.

 

Aber wenn ein Glied, ein Organ nicht richtig funktioniert, ist das dann ein Grund dafür, daß andere ihren Dienst quittieren, gehen, sich abwenden?
Sicher nicht, denn das würde den kranken Organismus der Kirche – um im Bild zu bleiben, doch noch viel stärker schwächen.
Im Gegenteil, wir müssen dann doch hier, in Liebfrauen, in Hennef umso besser funktionieren, umso überzeugender auftreten, eben damit die Menschen hier, die uns begegnen, spüren können, daß Kirche nicht nur aus Skandalen, nicht nur Mißbrauch, nicht nur aus Fehlern der Bischöfe und Päpste besteht, sondern vor allem Heimat im Glauben ist, Hoffnungszeichen, Fingerzeig Gottes in einer immer gottferner werdenden Welt.


Und so müssen wir alle, jeder, der hier ist und das Glaubensbekenntnis kennt und überzeugt betet, uns wie Petrus in der Nacht der Verurteilung Jesu
fragen lassen:
Bist du nicht auch einer von denen?
Du gehörst doch auch dazu!
Du bist doch auch von der Kirche!
Wie reagieren Sie, wenn Sie so angefragt werden?
Haben Sie Mut – oder kneifen Sie, wie Petrus?
Stehen Sie zu Ihrer, meiner, unserer Kirche – oder sagen Sie, das ist sie nicht, sie ist mir fremd, ich kenne diese Kirche nicht?
Petrus reagiert erschrocken und betroffen auf sein eigenes Verhalten. Es heißt, er weinte bitterlich. Und als Jesus nach seiner Auferstehung zunächst
nur Maria Magdalena begegnet, die als einzige noch da ist, weil sie ihn aus ganzem Herzen liebt, während alle anderen, alle Apostel, alle vermeintlichen
Fans und Verehrer weggelaufen sind, und Petrus sogar als einer dasteht, der seinen besten Freund nicht mehr kennen will, da hat Jesus seine so schwachen Freunde trotzdem nicht aufgegeben.


Das erste Wort, das der Auferstandene sagt, ist nämlich nicht: Wo sind die feigen Verräter alle?
Sondern er sagt zu Maria Magdalena:
"Geh und sag meinen Brüdern: Ich gehe hinauf zum Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“
Und zu den anderen Frauen sagt er:
Fürchtet euch nicht, sondern geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, dort werden sie mich sehen.
Geht und sagt meinen Brüdern.
Er gibt die Apostel nicht auf. Er bleibt ihr Freund und Bruder. Auch – oder gerade aufgrund ihrer Schwächen, die
er rund um die Passion mit ihnen erleben und erleiden mußte.


Er gibt auch seine Kirche, die ja in der Nachfolge der Apostel steht, er gibt auch uns nicht auf. Auch wenn wir Fehler haben.
Auch wenn es uns manchmal schwer fällt, all das zu leben und zu glauben, was uns zu Christen, zu Gliedern seiner Kirche macht. Auch wenn es uns manchmal verdammt schwer fällt, aus vollem Herzen katholisch zu sein. Er weiß, wen er erwählt hat, er kennt jeden von uns. In der Taufe schon hat er uns angenommen und beim Namen genannt, uns alle.


Und weil er uns liebt, jeden und jede einzelne von uns, deshalb ist er für uns auferstanden, deshalb nennt er uns seine Schwestern und Brüder und Freunde.

Und deshalb dürfen wir – auch jetzt, im Jahre 2010 - aus vollem Herzen Ostern feiern
in einer echten, tiefen und ehrlichen Osterfreude.

 

Amen.