Texte und Predigten in Zeiten von Corona

Christi Himmelfahrt, 21.05.2020

Liebe Christen,

seit am 15. März auf einmal kein Gottesdienst mehr stattfinden konnte bis in den Mai hinein, brennt die Osterkerze.

Sie macht sichtbar, was Jesus im heutigen Evangelium uns und allen verspricht, die auf ihn hören.

 

Ich bin bei euch.

Alle Tage, also auch jetzt.

 

Mir war das sehr wichtig, diese Zusage sichtbar zu machen. Im ewigen Licht am Tabernakel haben wir sie ja sowieso, aber das ist ja wirklich immer da, und was immer da ist, nimmt man irgendwann nicht mehr wahr.

 

Das ist auch eine Antwort auf die oft gestellte Frage, wo Gott denn ist in der Krise und ob er uns doch irgendwie allein gelassen hat.

 

Ich bin bei euch.

 

Dieses Versprechen ist verknüpft mit einem Auftrag.

Geht zu allen Völkern ,

macht alle Menschen zu meinen Jüngern.

 

Dieser Satz hat in der Geschichte nicht nur Gutes, sondern auch unendlich viel Leid bewirkt.

Die Entdeckung und Christiansierung Amerikas vor über 500 Jahren etwa und andere Missionsbemühungen in der Geschichte drückten den Menschen einen für sie völlig fremden Glauben auf, unter Druck ließen sie sich taufen. Man hatte übersehen, dass wir niemanden dazu zwingen dürfen, einen bestimmten Glauben anzunehmen.

 

Das wollte auch Jesus nicht. Er wollte die Jünger und viele Menschen nicht überreden, sondern wirklich überzeugen, dass sein Weg der richtige ist. Glauben geschieht am überzeugendsten in großer Freiheit. 

 

In der sogenannten galiläischen Krise fragt Jesus seine Jünger: Wollt auch ihr gehen?

 

Und sie antworten in Freiheit. Jesus hätte sie gehen lassen. Es hätte ihn traurig gemacht, aber er hätte es zugelassen.

 

Stattdessen erlebt er eine Antwort, die schon ein Glaubensbekenntnis ist.

 

Herr, wohin sollen wir gehen?

Du hast Worte des ewigen Lebens. 


In der Krise, die wir heute erleben, 

die uns zurückwirft auf das Wesentliche,

auf das, was wir wirklich brauchen,

worauf wir nicht verzichten können,

vermischt sich der Krisenmodus, den wir seit Mitte März erleben, mit der Krise, in der die Kirche seit Jahren steckt. Und viele fragen sich: Ist Kirche eigentlich systemrelevant?

Übersetzt: Brauchen wir die Kirche noch?

Oder macht die Pandemie, in der wir leben, sichtbar, dass sie überflüssig geworden ist?

 

Es ist gut möglich, dass eine Gesellschaft ohne verfassten Glauben und ohne eine kirchliche Infrastruktur irgendwie überleben kann. Aber dieser Gesellschaft würde die Hoffnung und die Freude fehlen. 

 

Ich möchte solche Wörter wie „systemrelevant“ gar nicht überstrapazieren. Ich sage einfach:

Mir ist der Glaube, mir ist die Kirche sehr wichtig.

 

Und der Satz Jesu, den wir heute im Evangelium gehört haben, ist einer der Gründungssätze von Kirche.

 

Ich bin bei euch alle Tage – bis zur Vollendung der Welt.

 

Vollendet ist die Welt noch lange nicht. 

Wie unfertig, wie fehlerhaft sie ist, wurde uns in den letzten Wochen überdeutlich, als ein kleines Virus unendlich viel von dem, was uns zuvor sicher war und worauf wir uns verlassen haben, über den Haufen geworfen hat.

 

Gerade dann, wenn wir merken, wie verletzlich und schwach wir alle sind, tut es unendlich gut zu wissen, dass Gott selbst, der uns in Jesus Christus begegnet, uns sagt:

 

Die Welt ist nicht fertig, sie ist nicht vollkommen.

Sie steckt voller Fehler und Schwächen.

Aber ich bleibe.

Ich bin der, der für euch da ist.

Und zwar so lange, bis die Welt vollendet ist.

Egal, wie lange das dauert.

Darauf können wir uns verlassen.

 

Amen.

Dienstag, 05.05.2020

Liebe Freunde,

Am vergangenen Sonntag hat in der gestreamten heiligen Messe in der Warther Liebfrauenkirche Diakon Willibert Pauels gepredigt. Seinen Impuls greife ich gerne auf. Er hat nämlich mit einer ganz kurzen Geschichte von Antony de Mello begonnen, die folgendermaßen lautet.

 

Wieder einmal war ein Schaf durch ein Loch im Zaun aus der Herde fortgelaufen. Und wieder einmal begab es sich dadurch in große Gefahr. Trotz der dringlichen Mahnung der Freunde, doch nun endlich das Loch im Zaun zu schließen, weigerte sich der Hirte, dies zu tun. Er sagte: Ich darf das Loch im Zaun nicht schließen. Ich muss meinen Schafen die Freiheit schützen.

 

Gott hat uns zur Freiheit berufen. Wir können deshalb selber entscheiden, wie wir leben und was wir tun. Auch in der Pandemie können wir uns an die Regeln halten oder sie brechen in der Hoffnung, nicht erwischt oder gar infiziert zu werden. Wenn wir alles im Sinne Gottes richtig und gut machen würden, wäre die Welt perfekt und wir alle wie ein Spiegelbild Gottes, und alle würden in seinem Sinne handeln und ihn lieben. Wir wären alle Gott. Und Gott hätte niemanden, den er lieben könnte, außer sich selbst, und Selbstliebe ist keine wirkliche Liebe.

 

Nutzen wir also unsere Freiheit. Denken wir nach, prüfen wir unser Gewissen und tun wir das, was für uns wichtig und richtig ist. Es kann sein, dass das den Regeln widerspricht. So sollen Kinder ihre Großeltern nicht besuchen, weil das ein Infektionsrisiko birgt. Aber wenn das Leben der vewitweten Großmutter grau und traurig geworden ist, kann es besser sein, dass die Enkel sie besuchen und so Licht in das einsame und triste Leben bringen, als weiterhin den Kontakt zu meiden. Es kann besser sein, jemanden zu umarmen, der Trost braucht, als sich an die Abstandsregeln zu halten.

 

Als Christen haben wir das große Gebot der Nächstenliebe, und das erlaubt, anders als ein Verhaltenskodex oder ein Regelwerk, oft verschiedene Handlungsweisen. Der Zaun, das sind die Gebote und Verbote, die Vorschriften und Gesetze. Wenn das Gewissen mich aber treibt, dann muss ich durch das Loch im Zaun entlaufen, auch wenn ich mich dadurch in große Gefahr bringe. Gott ist doch in diesem Gleichnis der Hirte, der das Loch nicht schließt. Genau diese Denkweise muss auch uns und unsere Entscheidungsträger umtreiben. Im Kampf gegen die Pandemie können nicht alle Löcher im Zaun geschlossen werden, kann es keine letzte Sicherheit geben. Immer neu müssen wir abwägen, welches Handeln gut und weise ist. Versuchen wir in dieser Zeit, das Richtige zu tun. Gott wird uns dabei helfen.

 

Ihr und euer Christoph Jansen

Samstag, 02.05.2020

Liebe Freunde,
viele von euch freuen sich schon auf den Livestream am Sonntag um 11:00 Uhr, ich auch. Seit dem vierten Fastensonntag, den wir noch mit einer einzigen GoPro gefilmt haben, hat sich viel getan. Neue Technik wurde angeschafft und etliche Stunden gearbeitet, viel davon ehrenamtlich, aber nicht alles.


Und das ist ein Problem: Der Livestream kostet Geld. Vermutlich sind die gestreamten Gottesdienste noch bis zum Beginn der Sommerferien notwendig, aber die zusätzlichen Kosten dafür sind im Jahresplan unserer Kirchengemeinden nicht vorgesehen.


Herzlich bitte ich Sie und euch alle daher um eine großzügige Spende

- anstelle der Kollekte -, damit wir noch viele Gottesdienste übertragen können.

 

Kontoinhaber: Katholische Kirchengemeinde Liebfrauen Hennef
Verwendungszweck: Spende Livestream
IBAN DE51370502990000209015

Bitte unbedingt den Verwendungszweck angeben!

 

Schon jetzt ein ganz herzliches Dankeschön und wir sehen uns am Sonntag bei Euch und Ihnen zuhause.


Ihr und euer
Christoph Jansen

 

Donnerstag, 30.04.2020

Liebe Freunde,

nachdem ich zahlreiche Interviews gegeben und als priesterliches Model mit Zollstock posiert habe, nachdem ich lange überlegt, telefoniert und mich habe beraten lassen, nachdem ich unser Lockerungskonzept für die kommenden Wochen den Entscheidungsträgern unserer Gemeinden erklärt und dann zustimmungsfähig überarbeitet habe, nachdem ich zahllose Hinweise und Vorschriften durchgearbeitet habe und eben noch mit der Stadt Hennef besprochen habe, was wir vorhaben, damit wir unaufgeregt und mit so wenig Risiken wie möglich gemeinsam den Weg in die Normalität gehen können, komme ich jetzt endlich dazu, mir über Wesentliches Gedanken zu machen und diesen Impuls zu schreiben.

 

Ich musste an einen wunderschönen und passenden Text aus dem alten Testament denken, den man im Buch Hosea finden kann:

Kommt, wir kehren zum Herrn zurück.
Denn er hat Wunden gerissen, er wird auch heilen,
er hat verwundet, er wird auch verbinden.
Nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück,
am dritten Tag richtet er uns wieder auf
und wir leben vor seinem Angesicht. ...
Er kommt so sicher wie das Morgenrot,
er kommt zu uns wie der Regen,
wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt.

 

Endlich ist der Frühjahrsregen gekommen. Ist euch eigentlich aufgefallen, dass es seit Beginn der einschneidenden Maßnahmen gegen die Pandemie, seit dem Ende der öffentlichen Gottesdienste und Veranstaltungen, nicht mehr geregnet hat?

Jetzt kommt so vieles an einem Tag. Der lang ersehnte Regen, deutlich sinkende Zahlen von Infizierten mit dem Coronavirus, der Beschluss, bald die Schulen und Spielplätze wieder zu öffnen, all das gibt uns Hoffnung, dass es langsam wieder aufwärts geht mit allem, dass der Weg tatsächlich vorsichtig aus der Katastrophe ins Leben zurück führt.

 

Vor über 2700 Jahren beschreibt der Prophet Hosea auch eine Katastrophe. Er deutet diese - anders als wir heute - als ein Drama, das Gott seinem Volk angetan hat. Das Gottesbild dieser Zeit ist sperrig und heute schwer nachvollziehbar, und doch beschreibt der Prophet seinen Gott als einen liebenden Gott, der alles gut macht, was sein Volk so sehr verletzt hat.

 

Aus dem verletzenden, Wunden reißenden wilden Gott wird ein Kümmerer, einer, der es gut meint, der heilt und Wunden verbindet. Vielleicht ist das ein Trost für alle, die jene allzu oft gestellte Theodizeefrage stellen, also jene Frage, warum Gott das Unglück zulässt, wenn er doch ein guter, liebender Gott ist. Hosea sagt sinngemäß:
Was auch passiert ist, jetzt wird es anders. Das Schicksal der Welt wendet sich zum Guten. Der Herr gibt uns das Leben, richtet uns auf und kommt zu uns, um bei uns zu bleiben.

 

Später wurde das Prophetenwort Hoseas als Vorhersage des Todes und der Auferstehung Jesu gedeutet, des Heilands, der viele Menschen und schließlich die ganze Welt heilt. Er ist der, der kommt wie der Frühjahrsregen.

 

Lange mussten wir auf diesen Regen warten, lange auf gute Nachrichten. Aber so sicher, wie morgens die Sonne aufgeht, kommt Heilung, Leben, Freude und Segen zurück.

Heute ist ein guter Tag.

 

Das sagt euer
Christoph Jansen.

Dienstag, 28.04.2020

Liebe Freunde,
als ich zur Kommunion gegangen bin, in den 1970er Jahren, war es noch üblich, allen Kirchgängern, die an Ostern zur Kommunion gingen, einen Gebetszettel zu überreichen, auf dem zum Beispiel "Osterkommunion 1976" stand. Die Osterkommunion war etwas Feierliches, Besonderes. Viele, die sie empfingen, waren vorher bei der Beichte, und viele Katholiken hatten zuvor nicht auf den Kirchgang, aber doch auf den Kommunionempfang verzichtet. Es war eben etwas ganz Besonderes, den Leib Christi empfangen zu dürfen.


Inmitten der Diskussion, wie es aussehen kann, inmitten der Coronakrise wieder die heilige Messe zu besuchen, scheint einigen der Sinn für das Besondere, für das Einzigartige dieses Sakramentes abhanden gekommen zu sein. Vor allem jene, die bis Mitte März regelmäßig die Eucharistie empfangen haben, können es nicht abwarten, dass nun endlich wieder öffentliche heilige Messen stattfinden.


Mich hat die Coronakrise gelehrt, dass die Eucharistie vor allem eins ist: nicht selbstverständlich. Als öffentliche Gottesdienste vor etwa sechs Wochen verboten wurden, war ich tief traurig, weil ich erwartete, dass die liturgische Feier der österlichen Gottesdienste nicht gemeinschaftlich möglich sei. Die Welt war für mich gerettet, als sich die Möglichkeit bot, unsere wichtigsten Gottesdienste zu streamen und so live zu vielen Menschen nach Hause zu bringen.
Noch in den 1970er Jahren war die Teilnahme an den Gottesdiensten wichtiger als der persönliche Empfang der Eucharistie. Dieses Kommunizieren gönnte man sich wie das Festessen am Ostertag, es war ein ganz besonderer Moment.


Im Laufe der Jahre hat es sich durchgesetzt, dass alle Teilnehmer der heiligen Messe die Eucharistie empfangen. Man reiht sich in eine Schlange ein und jeder empfängt den Leib Christi. Es fällt niemand mehr auf, der vortritt und den Leib Christi empfängt. Vielmehr ernten jene Gottesdienstteilnehmer verwirrte oder schräge Blicke, die nicht gehen. Manch einer denkt vielleicht sogar: "Der ist bestimmt geschieden oder sogar evangelisch".


Vielleicht tut es uns ganz gut, den Leib Christi nicht mehr immer selbstverständlich zur Verfügung zu haben. Der nun seit sechs Wochen andauernde Karfreitag tut vielleicht sogar gut. Manche fromme Menschen sprechen sogar von einer Art eucharistischem Heilfasten. Wir solidarisieren uns so mit den vielen Menschen in Amazonien und anderen Regionen der Welt, wo oftmals nur einmal im Jahr ein Priester in die Dörfer kommt und die heilige Messe feiert. Da ist der Leib Christi wirklich etwas ganz Besonderes, ein einmaliges Zeichen.


Es ist ein feiner Unterschied, ob ich nun sage: Christus ist da oder Christus ist verfügbar.
Vielleicht kommt jetzt der eine oder andere mit dem Auftrag Jesu vom letzten Abendmahl, als er - wie in den Wandlungsworten zitiert - zu seinen Jüngern sagt: "Tut dies zu meinem Gedächtnis". Allerdings war dieses letzte Abendmahl ein Pessach, und dieses Fest der ungesäuerten Brote feiern die Juden nicht jeden Sonntag, sondern nur einmal im Jahr.


Mir ist der Empfang der Eucharistie heiliger geworden, weil Christus im gewandelten Brot heute nicht immer und überall verfügbar ist. Ich bitte alle, die eine tiefe Sehnsucht nach dem Empfang des Leibes Christi spüren, um ein Gespür für das Besondere, das in diesem Sakrament steckt. Und wenn es demnächst einigen wenigen Gläubigen wieder möglich ist, die Eucharistie zu empfangen, drängeln Sie sich nicht vor. In der Warth haben wir dafür im Moment nur 30 Plätze, in Uckerath knappe 40. Wenn Sie den besonderen Moment erlebt haben, reicht es vielleicht aus, sich eine Weile mit dem Livestream zu begnügen und anderen den Vortritt zu lassen. Christus ist da, er ist uns ganz nah. Aber er ist nicht verfügbar. Er ist der Herr, nicht wir die Herren über ihn. Vielleicht ist die Coronazeit unter anderem dafür gut, Heiliges, das immer heilig war, ganz neu zu entdecken.


Ihr und euer
Christoph Jansen

Sonntag, 26.04.2020

Liebe Christen,

zwei Wochen lang habe ich nichts gesagt, geschwiegen, aber jetzt traue ich mich.

Ich war nämlich für einige Stunden fest davon überzeugt, den schlimmsten Fehler meines Lebens begangen zu haben. Und ich habe mit keinem darüber geredet.

 

Genau vor zwei Wochen, am Ostersonntag, habe ich gemeinsam mit unserem Diakon Matthias überlegt, dass es schön wäre, die Osterkommunion in der Kirche auszuteilen. Viele haben den Empfang des heiligen Sakraments schmerzlich vermisst und hatten darum gebeten, außerdem hatte die Bonner Münsterpfarre ein ähnliches Angebot. 

 

Es sind eine ganze Menge Leute gekommen, viele ältere und auch einige mit Vorerkrankungen. Niemand hatte einen Mundschutz an, auch ich nicht, wir haben versucht, auf Abstand zu bleiben. Die Kommunionausteilung erfolgte mit einer Hostienzange, um körperliche Berührungen zu vermeiden, und viele waren dankbar und froh, in dieser Zeit den Leib Christi empfangen zu können.

 

Am Abend ging es mir auf einmal nicht gut. Das kam aus heiterem Himmel. Nachmittags beim Kommunionausteilen war davon noch nichts zu spüren.

Mir war furchtbar kalt, nur der Kopf war am glühen. Ich kam auf die Idee, Fieber zu messen und das Thermometer zeigte knappe 39 Grad an.

Ich dachte sofort: Jetzt hat es dich erwischt. 

 

Aber mein erster Gedanke war nicht: Wie geht es jetzt weiter mit mir, sondern: Ausgerechnet heute, wo du so vielen Menschen beim Kommunion austeilen nahe gekommen bist. Und alle, die mir nachmittags begegnet sind, kamen in meinen Gedanken noch mal vorbei. Hatte ich sie angesteckt? Hatte ich ihnen den Tod gebracht? Ich war völlig am Boden, ging früh ins Bett, war fix und fertig, hab noch gebetet: Lieber Gott, lass das jetzt nicht wahr sein, schütze die Menschen, denen ich begegnet bin, lass das Unglück nicht zu. 

 

Am nächsten Morgen, am Ostermontag, war das Unwohlsein und auch das Fieber bei mir wie weggeblasen. Ich war wieder topfit und der Livestream vom Ostermontag konnte kommen. Auch war von denen, die immer hier in der Kirche sind, Maria Merten, Andreas und sein Team, keiner krank und langsam konnte ich mich beruhigen. Falscher Alarm. Gott sei Dank. Keiner ist infiziert.

Ich mag das, wenn Gott mir Zeichen gibt. Im Nachhinein jedenfalls. Vielleicht wollte er mir eine Lehre erteilen. Tu das nie wieder! In Coronazeiten ist das viel zu gefährlich! 

 

Wie verheerend und schlimm wäre es gewesen, wenn das Allerheiligste, das wir empfangen, nicht nur die Verbundenheit mit Christus, sondern gleichzeitig diese gefährliche Erkrankung bringt? Das große Zeichen des Heils würde zum Zeichen des Unheils. Das so wichtige Zeichen der Kommunion ginge nach hinten los. 

 

Und jetzt kommt der drängende Wunsch, endlich wieder Gottesdienste mit Gemeinde zu feiern, mitten in der Pandemie. Mit Sicherheitsvorkehrungen, aber doch in der Kirche, und natürlich mit Kommunionausteilung.

Nach meinem Erlebnis am Abend des Ostersonntags ist mir klar, dass das keine gute Idee ist. 

Wir sollten nichts überstürzen und ganz vorsichtig sein mit solchen Plänen, zumal das Fest der Gemeinschaft, die communio, nur ganz schwer gelingen kann, wenn alle ganz konzentriert darauf achten müssen, dem Nächsten bloß nicht zu nahe zu kommen.

 

Communio, das heißt Gemeinschaft, Mahlgemeinschaft. Jesus isst heute im Evangelium Brot und Fisch mit den Jüngern, er nimmt die Speisen in die Hand, teilt sie aus, und alle werden satt. Aus heutiger Sicht verstößt Jesus in sehr kurzer Zeit gegen mehrere Coronaregeln. 

 

Corona stellt unser Leben, aber auch unsere Feier des Glaubens auf den Kopf. 

Wirkliche Gemeinschaft mit ihm und miteinander kann es in den Zeichen, die Jesus selber gestiftet hat, erst dann wieder geben, wenn das Leben in physischer Gemeinschaft wieder möglich ist. Sonst wird das Sakrament zur hohlen Gewohnheit, die wesentliche Teile der frohen Botschaft ausklammert. 

Jesus ist zu den Armen, den Kranken und den Alten gegangen und hat sie getröstet, gestärkt und geheilt. Wenn wir mit Jesus in diesen Tagen demnächst wieder das Mahl feiern, müssen wir den Kranken und den Alten aber vorher: Kommt nicht vorbei, das ist gefährlich und leichtsinnig. Ihr seid Risikogruppe. Schon mit dieser Einschränkung wird das Mahl der Gemeinschaft zur Farce.

Liebe Christen, wir sind mitten drin in einer Notzeit, in einer Zeit voller Entbehrungen. Die Bibel, besonders das alte Testament, kennt viele Zeiten wie diese. Vielleicht sind wir wie das Volk Israel in die Wüste hineingezogen, Hals über Kopf und erst einmal ohne Ziel. Und jetzt geht es uns allmählich so wie den Israeliten, die gegen Mose murrten und ihn beschimpften. Dabei war das Volk Israel nie allein, sondern Gott war bei ihm, und nach vielen Jahren schenkte er den Menschen das gelobte Land, ein Land, in dem Milch und Honig fließt, eine Zukunft voller Träume und Hoffnung.

 

Auch wir sind nicht allein, selbst wenn dieses kleine Stück Brot uns für eine gewisse Zeit verwehrt bleibt. Das Manna in der Wüste war die Ausnahme, nicht die Regel. Eucharistie ist ein Geschenk, auf das wir keinen Anspruch haben. Und ich bitte inständig darum, mich nicht zu beneiden, wenn ich gleich – für alle sichtbar – Leib und Blut Christi kommuniziere. Ich tue es nicht für mich, ich tue es für euch alle. Nicht um mich zu heiligen, sondern um euch allen zu zeigen, dass Christus, der Auferstandene, heute mit uns durch diese Wüste geht, so wie es Gott selber damals beim Auszug aus Ägypten mit seinem Volk gemacht hat. 

 

Wir sind nicht allein, auch dann nicht, wenn die heilige Kommunion nicht von allen empfangen werden kann in diesen Zeiten.

Vielleicht bieten wir demnächst Messen an, an denen die Gläubigen teilnehmen dürfen. Ich weiß es noch nicht. Es ist ja der innige Wunsch unseres Erzbischofs und einiger anderer. Aber solange wir Abstandsregeln und Begegnungsverbote brauchen, um nicht krank zu werden, bleibt die Gemeinschaft, die wir feiern, Stückwerk, weil der Bezug zur momentanen Realität fehlt. Deshalb bleiben solche Messen die Ausnahme, sie werden nicht zur Regel. Feste des Glaubens kann man so nicht feiern.

 

Ich weiß, dass unsere Geduld in dieser Zeit auch bei dieser Thematik auf eine harte Probe gestellt wird. Aber auf keinen Fall dürfen wir zulassen, dass das heiligste Zeichen, das wir haben, das Sakrament der Eucharistie, zum Überträger einer schlimmen Krankheit und so zum Werkzeug des Bösen wird.

 

Umso größer wird die Freude sein, wenn unsere Kirchen wieder gefüllt sein dürfen mit Menschen, die gemeinsam beten und singen, die zusammen ein Fest des Glaubens feiern. Ich weiß nicht, wann es so weit ist, aber der Tag wird kommen. Und dann ist noch einmal Ostern, Auferstehung, Neuanfang. 

 

Amen

Samstag, 25.04.2020

Liebe Freunde unserer Pfarrgemeinden im Hennefer Osten,


vielleicht sind Ihnen schon die Nümmerchen aufgefallen, die seit gestern in den Pfarrkirchen kleben, gut verteilt und mit großem Abstand zueinander.
Nachdem der Erzbischof angekündigt hat, dass ab Mai wieder öffentliche Gottesdienste unter Beachtung aller Coronaregeln stattfinden können, haben wir damit begonnen, dieses Szenario vorzubereiten. Aber je mehr ich mich mit der Materie beschäftige, desto schwieriger erscheint es mir, einen guten und feierlichen Gottesdienst zu feiern und gleichzeitig zum Schutz der Menschen alle aktuellen Regeln einzuhalten. Es ist die Quadratur des Kreises.


Wir benötigen Desinfektionsmittel, und zwar nicht zu knapp, Schutzvorrichtungen für den Kommunionempfang, Ordnerdienste für den Zugang zu den Kirchen. Übrigens: Unsere größeren Pfarrkirchen können mit den geltenden Abstandsregeln maximal 40 Personen aufnehmen, die kleineren etwa 20. Wir brauchen Markierungen in und vor den Kirchen, Hinweisschilder zum Abstandhalten und zur Nies-und Hustetikette. Bei so wenigen erlaubten Besuchern brauchen wir eine Art Ticketsystem, damit niemand vergeblich zur Kirche kommt. Die Ordner und die Kommunionhelfer dürfen keiner Risikogruppe angehören, sie sollen jünger als 60 Jahre sein und keine Vorerkrankungen haben.


In der kommenden Woche arbeiten wir an der zaghaften Öffnung der Gottesdienste für die Gläubigen. Es kann sein, dass wir erst in einer Kirche anfangen und andere später dazu kommen. Es kann auch sein, dass wir den Start verschieben. Für unseren Seelsorgebereich ist der früheste denkbare Termin für den Start öffentlicher Gottesdienste der 9/10. Mai - wenn wir alle Sicherheitsstandards erfüllen. Und da fangen die Probleme schon beim Desinfektionsmittel an.
Weil die Sonntagspflicht weiterhin ausgesetzt bleibt, stehen wir jetzt vor der Frage, ob überhaupt und wenn ja, auf welche Weise bei uns öffentliche Gottesdienste möglich sein werden. Den Livestream am Sonntagmorgen möchten wir auf jeden Fall mindestens bis Pfingsten fortsetzen, danach sehen wir weiter.


Ganz herzlich lade ich dazu ein, diesen Beitrag auf Facebook zu kommentieren, Ihre und eure Meinung fließt sicherlich in unsere verantwortete Entscheidung ein.


Ich halte Sie auf dem Laufenden.


Ihr und euer
Christoph Jansen

Donnerstag, 23.04.2020

Liebe Freunde,
ein Drachen wäre mir jetzt lieber...
Dieser Satz stammt aus dem vierten Harry-Potter-Film. Harry ist gerade 14 Jahre alt. Vor Kurzem hat er erfolgreich gegen einen Drachen gekämpft und jetzt steht er vor der für ihn praktisch unlösbaren Aufgabe, nach einer Tanzpartnerin zu suchen. Im Film geht es um Gefühlschaos in der Pubertät. Das Unbekannte macht mehr Angst als das Sichtbare, auch wenn das Sichtbare noch so grausam ist.


Ein Drachen wäre mir jetzt lieber - als der Kampf gegen das Virus. Dem Drachen kann man in die Augen sehen, er ist in der mittelalterlichen Sagenwelt äußerst präsent und steht für das Böse, das durch den Helden überwunden werden kann.


Am Gedenktag des heiligen Georg, der als Märtyrer in der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian ermordet wurde, ist das Thema "Drachen" naheliegend. Die Legende macht Georg zum Drachentöter, zum unbesiegbaren Glaubensheld, weil die Angst vor den Verfolgern, die Standhaftigkeit im Bekenntnis und der Mut, seinen starken Glauben nicht zu verleugnen, schwer darstellbar ist. Also nahm die Legende das Bild eines Drachen, der aus der Hölle kommt und vom heldenhaften Heiligen besiegt wird.


Vielleicht macht die Legende auch das Virus unserer Tage einmal zu einem Drachen - wer weiß! Denn wenn eines Tages über das Jahr 2020 erzählt wird, in dem die Welt gegen einen unsichtbaren Feind kämpfen musste, könnte es den einen oder anderen Schriftsteller oder Regisseur geben, der sich auch denkt: "ein Drachen wäre mir jetzt lieber" und auf diese Weise die Bedrohung sichtbar macht. Und aus der heute sehr realen Bedrohung wird dann ein zähnefletschendes Ungeheuer.


Wie auch immer, die Frömmigkeit seiner Zeit hat Georg zu einem Helden gemacht, ganz gleich, wie real der Drachen in der Legende wohl zu verstehen ist. Die entscheidende Aussage ist aber - Drachen hin oder her - bis heute gültig. Mit Gott kannst du alles schaffen, mit ihm an deiner Seite bleibst du Sieger, während du ohne ihn hilflos und schwach bleibst. Mit Gott und mit seinem Glauben wird ein Ermordeter, ein Opfer einer Christenverfolgung, der sein Leben verliert, zum Sieger und zum Helden, der stärker ist als das schlimmste Ungeheuer. Vielleicht macht diese Glaubenswahrheit den heutigen Tagesheiligen auch zum Patron der Pfadfinder, die oft genug in ihrer Gemeinschaft erfahren, dass es auch da Wege gibt, wo man sie am wenigsten erwartet.


Ein Drachen wäre mir jetzt lieber - aber nur, wenn ich wüsste, wie ich ihn besiegen kann. Beten wir dafür, dass die Mediziner und Wissenschaftler unserer Tage bald die verletzliche Stelle des Drachen Covid 19 entdecken, damit sie ihn erfolgreich besiegen können. Denn besiegte Drachen sind sehr nützlich. Sie beschützen die Gottesdienstbesucher - zumindest in den alten norwegischen Stabkirchen - vor allem Bösen und halten Gefahren von den Gläubigen ab.


Bei allem mittelalterlichen Charme dieser Gedanken könnten wir Drachen oder Artverwandte, die uns vor bösen Mächten beschützen, heute wieder ganz gut brauchen. Denn bei aller Hoffnung, dass bald wieder öffentliche Gottesdienste in unseren Kirchen möglich sein könnten, sollte auf keinen Fall von der Teilnahme am Gottesdienst Gefahr für Leib und Leben ausgehen. Dann ginge nämlich die Wirkung einer an sich sehr wertvollen und stärkenden Feier nach hinten los. So hoffe ich, dass die Überlegungen zu öffentlichen Gottesdiensten nicht überhastet, sondern in Ruhe und Verantwortung für die Gläubigen geführt und umgesetzt werden. Es ist besser, noch ein paar Wochen darauf zu verzichten als eine weitere Verbreitung des Virus auf diese Weise zu ermöglichen.
Beten wir, dass die Verantwortlichen richtig und umsichtig entscheiden.


Euer
Christoph Jansen

Mittwoch, 22.04.2020

Liebe Freunde,

die Zeit, in der wir leben, ist eine komplizierte, manche sagen auch, eine schlimme Zeit. So vieles ist anders, so viele Dinge sind nicht erlaubt. Jeder Schritt hin zur sogenannten Normalität ist riskant und je länger die Pandemie dauert, desto größer ist die Ratlosigkeit. Auch in der Kirche steht die Frage im Raum, ob Gottesdienste mit 15 oder 30 Teilnehmern sinnvoll sind oder doch lieber weiter gestreamt werden soll, und ob das heilige Zeichen der Eucharistie durch zu viele Sicherheitsvorgaben nicht mehr überzeugend gefeiert werden kann. Wie viele von uns sehne auch ich mich nach Normalität und befürchte, dass das, was ich unter Normalität verstehe, noch sehr lange auf sich warten lässt.


Was ist eigentlich Normalität? Ungefähr 75 Jahre leben wir hier in Deutschland in Frieden. So lange Friedenszeiten hat es noch nie gegeben in der Geschichte. Genauso lange hat unser Land keine dramatische Inflation mehr erlebt, unser Erspartes ist sicher.
Die letzte Pandemie, die spanische Grippe, ist 100 Jahre her. So viel Gesundheit - und das in so langer Zeit - hat es in Europa auch noch nie gegeben. Wir haben uns an den Luxus eine gesunden Lebens in einem friedlichen Land so sehr gewöhnt, dass wir das alles für normal halten.


Mir sagt dieser Frühling 2020: So normal ist das gar nicht. Vieles von dem, was wir als selbstverständlich ansehen, ist zerbrechlich.
Wie gut, dass der Frühling uns auch zeigt, dass es Dinge gibt, die sicher sind. Sicher kommt nach dem Winter der Frühling, und nach der Blüte kommt die Ernte. Gott lässt wachsen, seine Schöpfung ernährt uns. Und wenn ich die Wunder der Schöpfung sehe, stelle ich immer wieder fest, dass sie uns mehr gibt als das, was wir zum Leben brauchen. So stehen die uralten Apfelbäume hinter der Warther Kirche gerade in voller Blüte. Ich habe einige Bilder gemacht, um diese Schönheit der Schöpfung mit euch zu teilen.
Vor unendlich langer Zeit hat Gott dem Noah versprochen: Solange die Erde besteht, sollen nicht aufhören Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht."


Dieser Bund Gottes mit Noah gilt auch heute noch. Die wunderschönen Blüten der Apfelbäume sind mir Beweis genug dafür - und sie schenken mir auch in dieser Zeit die nötige Ruhe und Gelassenheit.

 

Euer
Christoph Jansen

Dienstag, 21.04.2020

Liebe Freunde,
es ist eine ruhige Osterzeit. Kaum Besuche, das Motto "Stay home" ist allgegenwärtig. Und während einige von uns ganz gut mit der veränderten Situation zurecht kommen, gibt es einige, die sehr ängstlich sind, nicht weiter wissen, große Sorgen haben.
Eine ganz intensive Form der Verbundenheit ist das Gebet. Dafür brauchen wir uns nicht zu besuchen. Das funktioniert in der (offenen) Kirche, aber es geht auch zuhause. Denken wir heute einfach alle einmal nach und überlegen, welcher Freund, welche Verwandte es in unserem Bekanntenkreis gibt, der es schlechter geht als uns.
Mir fällt da sofort jemand ein.


Und wenn ich weiß, wem es heute nicht so gut geht, bete ich ein Gebet für sie oder ihn. Das hilft und kommt an. Beim Gebet ist es besonders schön, eine Kerze anzuzünden. Das geht zuhause und in der Kirche. In der Liebfrauenkirche steht außerdem der Fürbittenbaum, an den die Gebete symbolisch als bunte Fäden geknotet werden können.


Die Zeichen in unseren Kirchen sprechen für sich. Es wird viel gebetet in dieser Zeit. Und wenn alle, die diesen kleinen Text lesen, sich heute und vielleicht jeden Abend einmal für ein paar Minuten hinsetzen und jemanden ins Gebet nehmen, dem es gerade nicht so gut geht, wird das noch viel mehr. Beten ist eine besondere Form der Verbundenheit mit Gott und miteinander. Gerade in diesen Zeiten ist es besonders wichtig.


Euer
Christoph Jansen

Montag, 20.04.2020

Liebe Freunde,

der Stillstand hält an. Nach wie vor leben wir mit starken Ausgangsbeschränkungen. Einige Geschäfte öffnen nun wieder, aber langsam spüren wir, dass vieles, das selbstverständlich war, über lange Zeit nicht möglich sein wird. Wir sehen uns seltener, viele Begegnungen finden nur telefonisch statt und aus der Ferne. Unsere Türen sind verschlossen.

 

Am vergangenen Sonntag hieß es im Evangelium: 

„Acht Tage darauf waren die Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch.“

 

Durch zahlreiche Hygienemaßnahmen, Abstandsregeln und den Verzicht auf Versammlungen und öffentliches Leben geht es uns ein wenig wie den Jüngern damals. Unsere Türen sind verschlossen, damit das Virus uns nicht erreichen kann. 

 

Jesus können wir nicht ausschließen, für ihn sind alle Türen offen. Mit seiner Nähe und Liebe erreicht er uns alle. Das ist gerade in dieser beklemmenden und schwierigen Zeit eine frohmachende Botschaft. Ebenso wohltuend sind für mich jene Sätze, mit denen immer wieder die Begegnungen des Auferstandenen mit seinen Freunden beginnen. Friede sei mit euch und Fürchtet euch nicht.

Diese beiden Sätze sind ein ganz großer Auftrag an uns alle.

 

Friede sei mit euch! Was so vertraut klingt, wird immer mehr zur Herausforderung. Nur wenige Kinder werden in den nächsten Wochen die Schulen und Kindergärten besuchen dürfen, zuhause herrscht drangvolle Enge. Und wer zu lange aufeinander hockt, geht sich schnell auf die Nerven. Kurzarbeit sorgt für weitere Einschränkungen, Homeoffice klappt nicht immer gut, wenn die Ruhe dazu fehlt. Friede sei mit euch – das ist eine ganz wichtige Einladung, Frieden zu halten, auch wenn es nicht immer ganz leicht ist. 

Fürchtet euch nicht! Das ist der zweite Satz, der mich bewegt. Wir brauchen keine Angst zu haben, nicht vor dem Tod, nicht vor dem Leben. Halten wir die Sicherheitsregeln ein, so tun wir etwas Gutes, aber nicht aus Angst, sondern aus Vernunft. Selbst wenn die Viruserkrankung nicht vor uns Halt macht, wir haben alle die Chance zu überleben. Auch in Krankheit und Sorge ist Jesus uns ganz nah, er kommt auch durch geschlossene Türen und schenkt uns Mut und Zuversicht. Zu jedem Einzelnen von uns sagt er: Fürchte dich nicht, hab keine Angst. 

 

Mut und Zuversicht und Frieden, das wünsche ich Ihnen in dieser Zeit.

 

Ihr und euer

Christoph Jansen

Sonntag, 19.04.2020

Es war der Tag, an dem Jesus auferstanden war. Abends saßen seine Jünger zusammen. Zehn waren da, Judas, der Verräter, fehlte und kam auch nicht mehr wieder, und Thomas war nicht gekommen. Maria aus Magdala und einige andere Frauen waren auch bei den Jüngern.

 

Ich stelle mir vor, dass es hoch her ging an diesem Abend. Jesus war gestorben, aber einige hatten ihn im Laufe des Tages gesehen und sagten, dass er lebt. 

Die Türen des Raumes, in dem die Jünger und ihre Freunde waren, waren verrammelt. Jesus war hingerichtet worden und einige hatten Angst, dass auch sie verhaftet werden, wenn man sie findet. 

 

Und es wurde heftig diskutiert und gestritten. War Jesus jetzt auferstanden oder nicht? Hatten die, die Jesus gesehen hatten, vielleicht doch nur ein Gespenst gesehen? Hatten sie vielleicht geträumt? 

Während alle noch am Reden waren, stand auf einmal Jesus da. Er war plötzlich bei ihnen und wünschte ihnen den Frieden. Es war ganz eindeutig Jesus, er war wirklich auferstanden! Und alle waren unendlich glücklich und froh.

 

Eine Woche später war Thomas dabei. Die Jünger erzählten, dass sie Jesus gesehen hatten, aber Thomas war traurig – und er blieb es auch. Was er da hörte, konnte er nicht glauben. Deshalb sagte er: Ich will Jesus berühren, möchte ihn anfassen. Wenn ich ihn anfassen, berühren, vielleicht sogar umarmen kann, dann glaube ich auch, dass er wirklich auferstanden ist.

In dieser Zeit, die wir heute erleben, dürfen wir nur ganz wenige Menschen anfassen. Nur Mama und Papa, vielleicht die Geschwister, sonst keinen. Das fällt richtig schwer, das tut weh.

Wir alle haben Berührungsängste, weil das Coronavirus durch Berührungen übertragen werden kann oder dann, wenn sich Menschen nahe kommen.

Jesus lässt uns an sich heran, er lässt sich berühren. Er ist stärker als dieses Virus und stärker als der Tod. Wie Thomas ganz nah an Jesus herangekommen ist, wie er ihn berührt hat, berührt Jesus auch euch im wunderbaren Zeichen der Eucharistie, der Kommunion. Er berührt euch jetzt schon. Dieses Berühren könnt ihr vielleicht in eurem Herzen spüren. Er sagt zu euch: Fürchtet euch nicht, habt keine Angst. Ich bin bei euch und bleibe euch nah. Immer, sogar bis zum Ende der Welt. 

 

Noch müssen wir etwas warten, bis wir Jesus im Brot des Lebens berühren können. Aber als Kommunionkinder seid ihr damit nicht allein. Ganz viele Menschen, die sonst jeden Sonntag in die Kirche gehen, möchten zur Kommunion gehen und es geht nicht. Ganz viele vermissen die Kommunion genauso wie ihr. 

 

Und außer der Kommunion vermissen ganz viele auch das Zusammensein, die Gemeinschaft der Glaubenden. Die Kirche ist heute wieder leer, nur ganz wenige Leute sind da, nämlich die, die wir brauchen, um eine gute Sonntagsmesse zu feiern und die an der Technik, damit ihr uns seht zuhause. 

 

Aber ihr und wir, wir alle sind die Kirche. Kirche heißt Gemeinschaft, Gemeinschaft der Glaubenden. Wir sind miteinander und mit Jesus unterwegs, wir sind nie allein, auch wenn es sich manchmal in diesen Zeiten so anfühlt. Und wir werden uns wiedersehen, hier und in den anderen Kirchen, und da feiern wir dann ein Fest des Glaubens. 

 

Wir stehen vielleicht etwas ratlos da wie Thomas. Alle sagen, dass es besser wird, dass Jesus bei uns ist, aber wir können ihn nicht sehen und spüren. Und es fällt einigen auch schwer, zu glauben, dass Jesus da ist und dass alles gut wird. Und Angst haben wir auch. Wie die Jünger, die sich eingeschlossen hatten, haben wir uns jetzt ja auch alle zuhause verkrochen, damit nichts Schlimmes passiert.

 

Aber als Jesus da war und Thomas ihn berühren durfte, da waren alle wie befreit. Jesus wird auch uns befreien. Von der Pandemie, von der Angst, von der Traurigkeit.

Und dann feiern wir das Fest des Glaubens. Mit Jesus und miteinander. Ich freue mich schon. Ihr auch?

 

Amen.

Samstag, 18.04.2020

Liebe Freunde,
viele hatten gehofft, dass ab kommendem Montag die Welt wieder anders aussieht, dass es möglich sein wird, wieder gemeinsam Gottesdienst zu feiern und nicht nur per Livestream und dass zumindest kleine Gruppen sich wieder treffen dürfen, aber es ist anders gekommen. Nach wie vor hat das Virus unser Land und unsere Erde fest im Griff.


Im Bereich der Kirchen fielen mir mehrere Schlagzeilen ins Auge, die besagten: "Die Kirchen bleiben geschlossen". Darüber habe ich mich geärgert, weil das falsch ist. Die Kirchen sind offen zum Besuch, zum Gebet, zur vorsichtigen Begegnung (mit 2 Meter Abstand) und alle dürfen kommen. Jeden Morgen machen wir die Liebfrauenkirche gegen 9 Uhr auf und sie bleibt bis 19 Uhr geöffnet. Und das gilt auch für alle anderen Pfarrkirchen in unserem Seelsorgebereich. Im Inneren der Kirchen brennt die Osterkerze als Zeichen dafür, dass der Auferstandene bei uns ist. Auch das ewige Licht leuchtet am Tabernakel. Gott ist hier, in unserer Mitte, er lässt zu, dass wir ihm ganz nahe kommen wie Thomas, der sich so unendlich schwer tat, an die Auferstehung zu glauben.


"Die Kirchen bleiben geschlossen" - das ist falsch. Wir sind da für alle, unsere Türen stehen offen. Seelsorge erfolgt per Whatsapp, Messenger, Telefon. Richtig ist: "Die Kirchen sind offen für alle, die sie brauchen - Gottesdienste finden statt, der Besuch der Gottesdienste erfolgt leider noch ausschließlich per Livestream. Herzlich willkommen".


Euer Pastor
Christoph Jansen

Freitag, 17.04.2020

Liebe Freunde,

 

ganz besonders heute: Liebe Kommunionkinder und liebe Familien der Kommunionkinder! Eben war ich noch in der Kirche und zehn Gruppenkerzen aus unseren fünf Pfarrgemeinden standen auf dem Altar. Sie sind so bunt und fröhlich, dass ich gedacht habe: Ich zünde sie einfach mal an! Und jetzt könnt ihr auch sehen, wie schön das aussieht.


In unseren Kommuniongruppen wird immer eine Kerze in die Mitte gestellt. Es ist die Gruppenkerze, und manchmal nennen wir sie auch Jesuskerze. Jesus hat einmal gesagt: Ich bin das Licht der Welt! Deshalb leuchtet er und macht unser Leben hell.
Heute wäre für viele Kommunionkinder die Generalprobe für die Erstkommunionfeier am Sonntag gewesen, aber damit ist es genauso wie mit ganz vielen Dingen in dieser Zeit: Alles ist erst einmal abgesagt und wird dann irgendwann einmal nachgeholt. Die Erstkommunionfeiern können wir erst nach den Sommerferien feiern.


Lange hatten wir das Ziel vor Augen, den Erstkommunionsonntag, und lange schon freut ihr euch auf diesen großen Tag. Und jetzt? Jetzt ist das doofe Virus gekommen und alles ist anders. Aber dass Jesus für euch Licht ist und euer Leben hell macht, das gilt heute genauso wie in euren Gruppenstunden und am Erstkommuniontag. Gottes Liebe zu uns brauchen wir nicht zu verschieben, weil sie immer da ist. Und deshalb feiern wir am Sonntag einen fröhlichen Gottesdienst. Hier könnt ihr ihn im Livestream gucken, bei euch zuhause, eben überall, wo Internet ist.


Vielleicht kennt ihr das Gefühl, wenn ihr eine lange Wanderung gemacht habt, vielleicht in den Bergen, und mit letzter Kraft habt ihr das Ziel erreicht. Das Ziel st die Bergstation von einer Gondelbahn, und jetzt braucht ihr nur noch in die Gondel einzusteigen und ihr schwebt ohne Anstrengung ins Tal. Ihr geht also zu der Station und stellt mit Schrecken fest, dass die letzte Gondel einen technischen Defekt hat und nicht mehr funktioniert. Vor euch liegt noch ein langer Weg ins Tal, obwohl ihr schon sehr müde seid.
Aber bevor es losgeht zur letzten Etappe, die ihr gar nicht gehen wolltet, macht ihr noch einmal eine Pause, esst die letzten Vorräte auf, trinkt noch etwas aus eurer Wasserflasche, genießt die tolle Aussicht. Und wenn ihr genug Kraft gesammelt habt, steht ihr auf und lauft los.


Wir sind jetzt auf diesem Berg, auf diesem Höhepunkt in eurem Leben angekommen. Corona hat die Gondel kaputt gemacht. Aus dem Kommuniongottesdienst wird ein Weggottesdienst, eine Pause auf dem Weg zur Kommunion, der jetzt länger ist als vorgesehen. Ich freue mich, wenn wir mit ganz vielen Kommunionkindern und Familien am Sonntag zusammen singen und beten von zuhause aus, um Kraft zu sammeln für den Weg, der jetzt länger geworden ist.


Jesus ist unser Weg und unser Licht. Er leuchtet uns jetzt und immer, auch nach der Kommunion, unser ganzes Leben lang. Er geht den Weg mit uns. Halten wir es zusammen aus, wir sind seine Freunde. Im Zeichen des Brotes wird er zu uns kommen, zwar erst in ein paar Monaten, aber dann ganz bestimmt. Zuerst einmal feiern wir den weißen Sonntag zusammen, weil Jesus uns auch in dieser schwierigen Zeit begleitet und weil sein Licht auch die dunkelsten Stunden hell macht.


Euer Pastor
Christoph Jansen

Donnerstag, 16.04.2020

Liebe Freunde,
jetzt wissen wir, dass die Lockerungen für viele Menschen kaum etwas ändern werden. Das Begegnungsverbot dauert noch, Gottesdienste dürfen bis auf Weiteres nicht öffentlich gefeiert werden. Es ist wie wenn wir selber krank wären, da geht auch erst einmal nichts. Und wieder brauchen wir Geduld.
Möge Gott uns begleiten durch diese Zeit. Er helfe besonders denen, die am meisten unter den Einschränkungen, unter der Pandemie leiden.
Und er schenke uns Freude, schon jetzt davon ganz viel und wenn wir diese Zeit hinter uns gebracht haben, noch viel mehr.
Euer
Christoph Jansen

Mittwoch, 15.04.2020

Liebe Freunde,
heute steht in meinem Kalender die erste Probe der Kommunionkinder. Natürlich fällt sie aus, und wir hoffen, dass die Erstkommunionfeiern nach den Sommerferien stattfinden können.


Am Beginn der Erstkommunionvorbereitung haben sich die Verantwortlichen auf ein Motto oder Motiv geeinigt, das immer wieder vorkommen sollte, und in diesem Jahrgang war es der Regenbogen.
Viele Kinder und Eltern sind mir begegnet, die gerührt oder getröstet waren, dass wir schon seit letztem Herbst mit den Kindern unserer Gemeinden den Regenbogen betrachten, der jetzt überall übernommen worden ist von Familien, deren Kinder in der Krise zuhause bleiben müssen.


Unter dem Regenbogen, der zum Beispiel am Gartenzaun oder an der Hauswand hängt, steht meistens so etwas wie: "Wir bleiben zuhause - alles wird gut".
Der Regenbogen tröstet und beruhigt. Er ist ein so wunderbares, strahlend buntes und leuchtendes Zeichen am Himmel, dass er schon immer mit der Macht und Liebe Gottes in Verbindung gebracht wurde. So soll er auch unsere Kommunionkinder trösten und erfreuen.


In der Bibel wird der Regenbogen nach der schlimmsten Katastrophe erwähnt. Die Sintflut hatten nur wenige Menschen und Tiere überlebt, nur wer einen Platz in der Arche hatte, musste nicht ertrinken. Als schließlich das Wasser zurückging, sprach Gott:
"Hiermit schließe ich meinen Bund mit euch und mit euren Nachkommen. ... Meinen Bogen setze ich in die Wolken, er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde." (Gen 9, 8.13)


Der Regenbogen sagt uns also: Wir haben einen starken Verbündeten. Er ist stärker als alle, die auf der Erde etwas zu sagen haben und sogar stärker als die schlimme Pandemie, die uns getroffen hat. Es ist Gott selber, der uns nicht allein lässt.
Am nächsten Sonntag in der Messe um 11 Uhr, die wieder per Livestream übertragen wird, bete ich besonders für alle Kommunionkinder, die jetzt noch warten müssen bis zu ihrem großen Tag. Ich bin sicher, dass das Warten sich lohnt. Und bis dahin haben wir den Regenbogen, das starke Zeichen der Nähe zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und den Menschen.


Euer Pastor Christoph Jansen

Dienstag, 14.04.2020

Liebe Freunde,

nach den Osterfeiertagen habe ich mit den Warther Messdienern, die beim Eierklappern drei Tage unermüdlich unterwegs waren, immer am Osterdienstag einen Ausflug unternommen. Heute wollten wir nach Gelsenkirchen zur Zoom-Erlebniswelt fahren. der "Zoom" ist kein klassischer Zoo, sondern der Park ist so aufgebaut, dass es drei Wanderwege gibt, jeder davon ist etwa 1,5 Kilometer lang. Einer der Wege führt durch Alaska, der zweite durch Afrika und der dritte durch Asien. Tatsächlich ist die Landschaft so liebevoll gestaltet, dass man wirklich den Eindruck hat, durch die Taiga oder die Savanne zu laufen. Die Landschaften sind so weitläufig und groß, dass die Tiere tatsächlich vergleichsweise artgerecht gehalten werden können.

Afrika, Alaska und Asien sind im Alltag unerreichbar, aber ein kleiner Nachbau mit echten Pflanzen und Tieren ist im Rahmen eines Tagesausfluges gut erreichbar. Nur hat in diesen Coronazeiten auch die Zoom-Erlebniswelt geschlossen, genauso wie Spaßbäder, Freizeitparks und alle anderen Zoos.

 

Natürlich wäre ich gerne heute in der Zoom-Erlebniswelt gewesen, aber deshalb ist dieser Tag nicht traurig oder verloren. Die Apfelbäume auf dem Kirchberg fangen gerade an zu blühen. Auf der Fahrradtour genieße ich am höchsten Punkt des Weges die fantastische Aussicht auf das Siebengebirge. Vor ein paar Tagen habe ich einen Herrn getroffen, der einen Steinadler auf dem Arm hatte und ihn für die Jagd trainiert hat. Und auf unseren Weiden gibt es jede Menge Tiere. In der letzten Woche allein habe ich dort Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde, Gänse, Lamas, Alpakas und Hirsche gesehen, um nur einige zu nennen. Bären wie auf dem Bild habe ich nirgendwo gefunden, aber ich begegne ihnen ohnehin nur dann gerne, wenn der Zaun zwischen uns zuverlässig hält oder wenn sie gerade reichlich gegessen haben.

 

Und so denke ich in dieser Zeit, in der so viele Dinge gar nicht möglich sind, trotzdem: Gott gibt uns nicht nur, was wir zum Leben brauchen, er gibt uns auch heute viel, viel mehr. Er lässt es prächtig blühen un unendlichen Formen und Farben, schenkt den stahlblauen Himmel und das kräftige Abendrot, und über Telefon und Skype schenkt er uns den richtigen Anruf, das rechte Wort zur rechten Zeit. Zoos und Freizeitparks, Reisen und Ausflüge sind etwas Wunderbares, aber auch in dieser Zeit, in der alles geschlossen hat oder unmöglich ist, schenkt Gott uns so viel mehr als wir brauchen

 

Ich lade euch und Sie ein, am Ende des Tages einmal darüber nachzudenken, womit Sie beschenkt worden sind.
Sicher fällt euch was ein.
Und wenn uns etwas eingefallen ist, seien wir dankbar.

 

Ihr und euer
Christoph Jansen

Ostermontag, 13.04.2020

Liebe Schwestern und Brüder hier in unserer Warther Kirche „Liebfrauen“; liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, die Sie sich vor Fernsehern, Smartphones und PCs versammelt haben, um mit uns gemeinsam diese Heilige Messe zu feiern.

 

Ich weiss nicht, wie es Ihnen zur Zeit geht, aber angesichts der Schreckensnachrichten aus allen Teilen der Welt, möchte ich schon mal in heitere Video- und Bücherwelten flüchten oder mich durch Haus- und Gartenarbeit ablenken.

 

Wir alle brauchen diese kleinen wertvollen Auszeiten, um uns dann wieder neu unseren Realitäten zu stellen: Dazu gehört die Sorge um Oma und Opa. Dazu gehört die Frage, wie es mit dem Schulunterricht weitergehen soll. Dazu gehört die Angst vor der drohenden unverschuldeten Insolvenz des eigenen, mühsam aufgebauten Geschäfts. Dazu gehört die Furcht vor dem drohenden Verlust des Arbeitsplatzes, in den man jahrelang viel Lebenszeit und Energie investiert hat. Und über all dem schwebt die Unsicherheit, was uns erwartet, wenn wir selbst mit dem neuen Corona-Virus infiziert werden.

 

Manch einer hat mir in den vergangenen Wochen per Telefon, E-Mail oder WhatsApp gestanden, dass er Momente hat, in denen er am Liebsten hinschmeißen will, z.B. die eh schon belastete Ehe oder Partnerschaft - oder die stressige Familie mit quengelnden Kindern auf engstem Raum. Unsere Gespräche schwankten zwischen resignierender Traurigkeit, abgeklärter Gleichgültigkeit und aggressiver Wut. Wie soll das alles weitergehen? 

 

Und was hat das mit unserem heutigen Evangelium zu tun?

 

Nein! Die Erzählung von den Emmausjüngern handelt nicht von einer grassierenden Pandemie mit all ihren Folgen, aber sie handelt auch von Menschen, die in einer Krise hinschmeißen wollen! Sie verlassen Jerusalem (den „Ort ihrer enttäuschten Hoffnungen“) in Richtung Emmaus - und haben dabei doch zumindest eines: Sie haben sich selbst! Sie verbindet ihre Freundschaft! Sie teilen ihr Schicksal - gemeinsam!

 

Auch in unserer Krise sind die Kontakte mit unseren Angehörigen, Nachbarn, Freunden und Bekannten Balsam für unsere Seelen … selbst wenn wir wegen der möglichen Ansteckungsgefahr voneinander Distanz halten müssen. 
Aber in unseren Herzen bleiben wir miteinander verbunden, sind gemeinsam unterwegs. Wir denken aneinander, und viele von uns beten auch füreinander. 
Wir beten auch für Sie, liebe Zuschauerin und lieber Zuschauer, egal, welcher Religion oder Konfession Sie angehören, dass Sie und Ihre Lieben gut durch diese herausfordernde Zeit kommen.

 

Den Emmausjüngern gesellt sich auf ihrem Weg unerwartet ein Fremder hinzu. Er trottet nicht nur einfach neben ihnen her, sondern er erweist sich als ein wahrhaftiger Seelsorger. Wie macht er das?  

Drei Handlungen des Fremden fallen mir auf. Ich möchte sie geradezu als Geschenke bezeichnen.

Erstes Geschenk: Der Fremde spielt den „Dummen“, der keine Ahnung davon hat, welche Katastrophe sich in Jerusalem ereignet hat. Das kommt bei den Männern wie eine Provokation an: Einer der Beiden, Kleopas, wird laut und feuert mit deftigen Worten eine volle Breitseite auf den Fremden ab. Kleopas lässt seiner Wut, Empörung, Trauer und Resignation freien Lauf! Er kotzt sich bei dem Fremden mal so richtig aus! Aber der Fremde hält stand. Er empört sich nicht. Er hört zu.

 

Als ob der allwissende Gott nicht schon längst alles wüsste, spielt er aus Liebe auch für uns den geduldig zuhörenden Unwissenden. Er ermuntert uns zum Erzählen, zum traurigen Klagen und zum wütenden Herausschreien was uns bewegt: 

  • dass unsere einengende Mauer der Traurigkeit und Wut Risse bekommt
  • dass unser diffuser Nebel aus Ängsten konkreter wird und sich allmählich lichtet
  • dass wir den lähmenden Ballast unserer vielen Sorgen auf ihn - Gott – werfen, wieder ein bisschen Erleichterung und einen klareren Kopf bekommen.

 

Nach diesem nötigen Dampfablassen gibt der Fremde als zweites Geschenk eine Bibelstunde der besonderen Art: 

Dabei zeigt er auch das eher seltene Talent, komplizierte Zusammenhänge zwischen Himmel und Erde verständlich zu machen, sodass seine beiden Zuhörer neu zu verstehen beginnen: die lange Geschichte des Volkes Israels mit seinen Höhen und Tiefen … die Bedeutung des Bundesschlusses mit Gott Jahwe … die Weissagungen über den Messias … das Schicksal des gekreuzigten Jesus. 

 

Je mehr der Fremde erklärt, umso mehr lichtet sich das Gedankenchaos der Emmausjünger. Mit jedem weiteren Schritt verschafft er ihnen neue Einsichten und Perspektiven. Auch die Vorwürfe und Gedanken über ihr eigenes Leben und Schicksal bekommen eine neue Sichtweise und Weite, eine Einordnung in das größere Ganze. Und dabei geschieht etwas Ungeahntes: Das Herz der beiden Männer beginnt zu brennen!

 

Mit dieser Erfahrung stehen die Emmausjünger nicht alleine. Viele von uns haben sich - gerade in harten Lebensphasen - von der Heiligen Schrift und durch das Beten von unserem liebenden Gott inspirieren lassen. 
Je mehr wir nach Gottes Wort gesucht und auf seine „leise Stimme der göttlichen Liebe“ gehorcht haben, umso mehr sind uns die Augen aufgegangen … haben wir neue Kraft, neue Energie, neuen Mut und neue Hoffnung geschenkt bekommen – gerade auch in lebensbedrohlichen Situationen. 

Im Orient gibt es den Spruch: „Wenn Du einen Schritt auf Gott zugehst, kommt er Dir mit 99 Schritten entgegen.“ Gehen wir gerade jetzt einen neuen Schritt auf Gott zu …

 

Leider ist die Bibelstunde für die beiden Emmausjünger irgendwann zu Ende. Die Einladung an den Fremden, er möge doch bitte länger bei ihnen bleiben, kann ich nur zu gut verstehen.

 

Und doch fehlt den beiden Männern noch etwas ganz entscheidendes, nämlich die Erkenntnis, dass die Hilfe in ihrer seelischen Not, eine göttliche gewesen ist. 
Erst beim fahlen Lichtschein des Abendessens gibt sich der Fremde zu erkennen. Das ist sein drittes Geschenk! Als er das Brot bricht und das Dankgebet spricht, ist den beiden Jüngern klar, wer sie da stundenlang begleitet hat: Es ist Jesus, der Gekreuzigte aber jetzt Auferstandene – der kaum erkannt schon wieder verschwunden ist.

 

Aber das ist für die beiden Männer nicht weiter schlimm: Denn sie haben von Jesus, ihrem Seelsorger, genügend mitbekommen, um ihr Leben selbst weiter gestalten zu können: In ihren Herzen brennt es lichterloh! Ihre depressive Verstimmung ist verflogen! Sie brechen neu in ihr Leben und in eine neue Lebendigkeit auf, kehren mit göttlicher Erkenntnis und Weisheit beschenkt mitten in der finsteren Nacht zurück an den ehemaligen „Ort ihrer enttäuschten Hoffnungen“ – und erzählen dort begeistert. Ihre Krise ist überwunden!

 

Mögen wir alle in unserer Krise geduldig mit uns selbst und anderen sein, uns unserer Schwachheit, Traurigkeit und Ratlosigkeit stellen, unseren Frust und unsere Wut nicht an denen abreagieren, die selbst um Fassung ringen. Mögen wir stattdessen Gott unser Herz ausschütten, mit ihm ringen, ihn laut anklagen, ihn an unseren Gedanken und Gefühlen voll und ganz teilhaben lassen.

Mögen wir Gott dann für uns neu entdecken, als liebevollen Begleiter, der für uns da ist in der Not, der uns hilft, der uns tröstet, der uns Mut macht – gerade auch dann, wenn wir krank werden und um unser Leben bangen müssen.

 

Mögen wir auch erkennen, dass Gott uns nicht nur unsichtbar, sondern auch auf sichtbare Weise begleitet, vor allem in den geheimnisvollen Gestalten von Brot und Wein. Er wirkt aber auch durch liebevolle Menschen, in verständnisvollen Ehepartnern, weisen Großeltern, rücksichtsvollen Kindern, treuen Freunden, hilfsbereiten Nachbarn, kompetenten Ärzten, aufopfernden Pflegerinnen und Pflegern – und in den vielen, vielen Menschen, in deren Herzen die Liebe und Fürsorge für andere brennt. 

Wir alle sind und bleiben miteinander verbunden: wir Menschen untereinander, aber auch Gott mit uns!

 

Mein letzter Gedanke gilt den Sterbenden: 

Ich bete, dass die moderne Medizin ihnen helfen kann, nicht an Schmerzen und Ängsten leiden zu müssen. Ich bete, dass die bis zur Erschöpfung arbeitenden Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger von Gott die Kraft erhalten, unseren Sterbenden ein letztes freundliches Lächeln, eine kleine mitfühlende Geste oder ein verständnisvolles Wort schenken zu können. Und dann möge in Erfüllung gehen, was der Seher Zacharias vor 2000 Jahren prophetisch gesprochen hat:

 

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und das unsere Schritte lenkt auf den Weg des Friedens.

Gott segne Sie alle! Amen!

Diakon Matthias Linse

Ostersonntag, 12.04.2020

Woran sollen wir glauben?

Am Tag der Auferstehung kommen einige Menschen zum Grab.

Erst kommt Maria aus Magdala. Sie findet das leere Grab, aber das allein ist kein Beweis für die Auferstehung. Also läuft sie zu Petrus und Johannes und berichtet ihnen, dass der Leichnam Jesu weggenommen wurde und man nicht weiß, wohin er gelegt wurde.

Dann laufen die beiden Jünger zum leeren Grab.  Sie stellen sich genau diese Frage.

Woran sollen wir glauben?

Ist Jesus auferstanden?

Oder hat jemand seinen Leichnam gestohlen?

 

Es ist wie so oft. Wir erfahren etwas, aber nichts Genaues. Wir legen uns zurecht, was das bedeuten könnte. Und irgendwann glauben wir anhand eines möglicherweise schwachen Hinweises, was wir uns selber ausgedacht haben.

 

Das war damals so und das ist heute genau dasselbe.

Die einen glauben, dass Gott die Menschen endgültig im Stich gelassen hat, als er die Pandemie über die Erde kommen ließ.

Andere sagen, Gott hat mit der Sache überhaupt nichts zu tun, es sind die Menschen, die um die ganze Welt reisen und so eine Erkrankung auf dem ganzen Erdball verteilen.

Wieder andere sagen, Gott war ihnen noch nie so wichtig und so nahe wie jetzt.

 

Papst Franziskus sagt:

Wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden.

 

Was also erleben wir in diesen Tagen?

Einen Gott, der uns verlassen hat? So sehr, dass sogar der Leichnam des verstorbenen Gottessohnes verschwunden ist?

 

Einen Gott, der uns, wie Franziskus das intendiert, aufrütteln und uns eine schmerzliche Lehre erteilen will, damit wir uns endlich ändern angesichts der Armut und der leidenden Umwelt auf unserer Erde?

 

Oder einen Gott, der uns gerade in dieser Zeit ganz nahe ist, uns nicht unserem Schicksal überlässt und für den es keine Sackgassen gibt, sondern immer einen Weg, der weitergeht?

 

Ich wünsche mir, dass uns Ostern eine größere Offenheit schenkt, wenn wir uns diesen Fragen stellen. 

 

Und dass Gott uns die Fähigkeit schenkt, seine Spuren in unserer Welt zu entdecken und richtig zu deuten.

 

Als Maria aus Magdala zum zweiten Mal sagt, man habe ihren Herrn weggenommen und sie weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat, steht Jesus auf einmal bei ihr. 

 

Auf diese Begegnung reagiert Maria direkt mit einem Vorwurf. 

„Wenn du ihn weggebracht hast, dann sag mir wenigstens, wohin“. Sie erkennt den Auferstandenen nicht, weil sie nur das glaubt, was sie sich zurechtgelegt hat. Und die Osterbotschaft passt nicht zu ihrer Theorie. 

 

Aber dann bricht ihre Theorie ganz schnell zusammen, als der, den sie für den Gärtner hält, einfach ihren Namen nennt. Er sagt: „Maria“ – und Maria erkennt Jesus, den Auferstandenen. 

 

Gott hat auch uns beim Namen gerufen, angesprochen wie Maria. Auch, wenn wir ihn in unserer Welt und gerade in dieser schweren Zeit nicht erkennen, kennt er aber uns und lässt uns nicht allein. 

 

Kommen wir aber zurück auf die Frage am Anfang.

Was sollen wir glauben?

Hat uns Gott allein gelassen?

Will er uns eine Lehre erteilen? 

Oder ist er uns ganz besonders nahe in dieser Zeit?

 

Ich glaube alles drei. 

Wir fühlen uns von Gott allein gelassen.

Er ist uns fremd geworden, so viele andere Dinge waren uns wichtiger. Und dann haben wir ihn einfach nicht mehr erkannt – wie Maria Magdalena ihn auch erst nicht erkannt hat. Und wie sie fühlen wir uns in dieser riesigen Krise, die an unsere Grenzen geht, von Gott und allen guten Geistern verlassen. 

 

Aber wie er sich der Maria zu erkennen gibt, indem er sie beim Namen nennt, zeigt er auch uns seine Nähe. Ich sehe viele Spuren Gottes in der Welt, wir sind nicht allein. Aber warum lässt er dann so etwas wie eine Pandemie zu mit so vielen Erkrankten und Toten?

 

Gott schenkt uns ganz viel Freiheit. Wir können ihn lieben oder ablehnen. Wir können die anderen Menschen lieben oder sie hassen. Gott zwingt uns nicht, das Richtige zu tun, er lässt uns unsere Freiheit.

 

Jetzt ist unsere Freiheit erheblich eingeschränkt. Nicht von Gott, sondern von den Mächtigen dieser Welt, die damit die Ausbreitung des Coronavirus verhindern wollen. Aber alle verstehen, dass dies jetzt der richtige Weg ist. Es ist ein Weg der Nächstenliebe, also ein Weg, der zur Botschaft Jesu unendlich gut passt.

 

Vielleicht haben wir den Freiheitsbegriff überstrapaziert, einfach all das getan, was ging und wozu wir Lust hatten, ohne zu fragen, wem es nützt und wem es schadet. 

Aber jetzt steht der Mensch im Mittelpunkt, sein Wohlbefinden, seine Gesundheit. 

Wirtschaftswachstum, rauschende Feste, der Urlaub am anderen Ende der Welt, all diese Dinge sind zweit- oder drittrangig geworden, damit die Schwachen, die Alten und die Kranken überleben können. 

 

Warum sollte Gott uns nicht nahe sein, wenn sich die Werte, die wir vertreten, genau in Richtung Nächstenliebe verschieben? Er ist doch Anwalt der Armen, Kranken und Schwachen. Er lehrt uns doch, zu lieben. 

 

Und wenn Sie jetzt sagen, dass es immer noch Schönheitsfehler gibt,

 

etwa die lebensbedrohlichen Zustände in den Flüchtlingslagern 

oder Machthaber, die immer davon überzeugt sind, alles richtig zu machen und die immer einen Schuldigen finden, wenn sie es verbockt haben,

 

dann sage ich: Wir sind und bleiben Menschen. Und Menschen machen in ihrer Freiheit und mit ihren Möglichkeiten nicht alles richtig, und sie handeln auch nicht immer gut. 

Aber was hier und heute passiert, wird dennoch auf Dauer dafür sorgen, dass Menschen besser, rücksichtsvoller und umsichtiger handeln. 

 

Und wenn wir da mitmachen, ist Gott auf unserer Seite, zeigt sich uns, nennt uns beim Namen.

 

Daran dürfen wir glauben.

 

Amen.

Karsamstag, 11.04.2020

Liebe Christen,

lassen Sie sich anstecken!

Ich möchte das gerne tun, alle anstecken, die mir begegnen.

 

Merken Sie eigentlich, wie sehr wir schon gelenkt sind in unseren Gedanken, dass wir direkt an die Pandemie denken, wenn wir so etwas hören?

Und dass Sie vielleicht direkt sagen: Ja spinnt der denn? Wie kann der so etwas sagen!

 

Nein, ich möchte niemanden krank machen.

Ich möchte alle anstecken mit der Osterfreude!

Christus ist auferstanden, er stirbt nicht mehr!

Lassen wir uns anstecken von dieser unendlich guten Nachricht, die uns und die ganze Welt verändert!

 

Denn Gott findet selbst in der größten Ausweglosigkeit, da wo wir längst keine Hoffnung mehr haben, einen guten Weg ins Licht, in die Freude. 

 

Von einigen dieser völlig ausweglosen Situationen, in der Trauer und Verzweiflung größer sind als die Hoffnung, haben wir gehört.

 

Das Volk Israel flieht vor dem übermächtigen Pharao, der sein starkes Heer „mit Rossen und Wagen“ schickt, um die Geflohenen zu verfolgen und zu bestrafen. 

Vor den Israeliten ist das unüberwindliche Meer, hinter ihnen die brutalen Verfolger. Es gibt keine Rettung.

 

Und dann teilt sich das Meer und mit Gottes Macht tut sich ein Weg auf. Mit Gott sind Mose und das Volk unterwegs, und der Weg, auf dem Gott unterwegs ist, ist niemals eine Sackgasse.

 

Abraham, der immer davon geträumt hatte, Vater vieler Kinder zu werden, bekommt den Befehl, seinen einen, geliebten Sohn zu opfern. Der Befehl kommt von ganz oben, und der mächtigste aller Götter verlangt es. 

Wie kann er sich Gott entgegen setzen?

 

Abraham sieht keine andere Möglichkeit, er muss gehorchen. Zu seiner Zeit, vor etwa 4000 Jahren, sind Menschenopfer nicht ungewöhnlich, die Götter, an die damals die Menschen glauben, forderten oft große Opfer. 

Man stelle sich die Verzweiflung vor, als Abraham mit seinem Sohn auf den Berg steigt. Der Junge ist gesund und fröhlich, er ahnt nichts, weiß er doch, dass sein Vater Abraham ihn über alles liebt und ihm niemals etwas antun würde. 

Kein Thriller könnte ein besseres Setting liefern. Dieser Berg, dieser Opferaltar ist Abrahams ausweglose Sackgasse. Hätte er seinen Sohn in seiner Verzweiflung geopfert, umgebracht, er wäre ein gebrochener Mann gewesen. Wir würden keine Christen sein, wenn Isaak geopfert worden wäre. 

 

Aber Gott findet einen anderen, einen neuen Weg. Er geht ihn gemeinsam mit Abraham und seinem Sohn Isaak. 

Gerne wäre ich dabei gewesen, als der Widder geopfert war und Abraham mit seinem Sohn vom Berg hinunter ging. Was werden die beiden gesprochen haben? War Isaak wütend auf seinen Vater oder hat er seine innere Zerrissenheit gespürt? War beiden beim Abstieg bewusst, dass der Weg, den Gott mit ihnen geht, niemals eine Sackgasse ist?

 

Die dritte vermeintliche Sackgasse ist der Karfreitag, der Tod Jesu. Und dieser Weg endet noch viel offensichtlicher und endgültiger als die anderen beiden, von denen wir gehört haben. 

 

Das Volk Israel ist im Moment der Rettung noch nicht in die Hände der Ägypter gefallen. Es ist kurz davor, aber die Katastrophe ist noch nicht eingetreten, als Gott sein Volk rettet.

 

Isaak liegt zwar schon gefesselt auf dem Altar, als die Rettung kommt, aber er lebt noch und ist unversehrt.

 

Aber Jesus ist tot. Um ganz sicher zu gehen, hatte ein Soldat ihm nach seinem Tod eine Lanze in die Seite gestochen. Er ist begraben und ein schwerer Stein hat seine Grabstätte verschlossen. Es ist vorbei.

 

Als die Frauen am Morgen des ersten Tages der Woche nach dem Grab sehen wollen, gehen sie noch einmal ans Ende der Sackgasse, an dem sie Jesus begraben haben. 

Aber war den beiden bewusst, dass der Weg, den Gott mit ihnen geht, niemals eine Sackgasse ist?

Der Weg, den wir in diesen Zeiten gehen, ist deshalb auch keine Sackgasse, denn wir gehen ihn mit Gott. 

 

Ich sehe so viele Zeichen, dass er da ist und hilft, wo er nur kann. So hätte es uns viel, viel schlimmer treffen können, etwa, wenn das Virus zu einer anderen Zeit gekommen wäre.

 

Noch vor wenigen Jahrzehnten zum Beispiel hätte ein Begegnungsverbot gar nicht funktionieren können. Vor nur 30 Jahren gab es noch kein Internet. Acht Minuten telefonieren kosteten 23 Pfennig. Amazon gab es noch nicht, stattdessen nur den Versandhauskatalog. Die Zustellung ging nur per Postpaket, und das war teuer. Damit wäre die Schließung von Geschäften nahezu unmöglich gewesen. 

Es gab drei Fernsehprogramme, kein Netflix, kein facebook, Instagram, twitter, Youtube. Die Menschen hätten – ohne die Technik, die uns heute fast überall zur Verfügung steht – die Maßnahmen als unmenschlich empfunden und sich wohl kaum dran halten können. 

 

Noch vor wenigen Jahrzehnten wären wir dieser Pandemie hilflos ausgeliefert gewesen, weil das Wissen um Viren und deren Verbreitung und Wirkung noch weit weniger entwickelt war. Aber jetzt können wir hoffen, dass der Weg, den die Menschheit geht, keine Sackgasse ist. 

 

Ostern ist ein Fest der Hoffnung, auch und gerade in schwierigen Zeiten. Gott ist Mensch geworden, weil er uns Menschen liebt, und Christus ist auferstanden, weil seine Liebe zu uns nicht mit dem Tod endet, sondern viel stärker ist. 

 

Wie Gott mit Abraham unterwegs war und mit dem Volk Israel, wie Jesus mit seinen Jüngern und jenen, die an ihn glaubten unterwegs war, ist er auch mit uns unterwegs. Er ist der Weg, er weiß, wie es weitergeht. 

 

Für Gott gibt es keine Sackgassen. 

Deshalb ist es völlig richtig, was die Kinder in den letzten Wochen auf die Regenbogenbanner geschrieben haben, in denen sie den Passanten gezeigt haben, dass sie in dieser Zeit zuhause bleiben.

 

Alles wird gut.

 

Natürlich wird alles gut.

Denn Christus ist für uns auferstanden, 

um die Welt und die Menschen zu retten

und ihnen neue Hoffnung zu geben.

Feiern wir diese Hoffnung jetzt und immer wieder.

 

Halleluja.

 

Amen.

Karfreitag, 10.04.2020

Liebe Christen,


Es ist vollbracht.
Aus der Passion hallt dieser letzte Satz Jesu nach.
Er sagt nicht: Es geht zu Ende.
Auch nicht: Es ist vorbei.

 

Es ist vollbracht.
Etwas Großes ist geschafft.

Der letzte Satz Jesu ist kein verzweifelter Aufschrei.
Ich höre Erleichterung.
Es ist vollbracht, es ist geschafft, es ist getan!

 

Es klingt nicht nach einem, der seinen Kampf gegen den Hass, gegen die 
Gewalt und gegen den Tod verloren hat.

Es klingt so, als hätte Jesus gewonnen.
Seine große Mission ist erfüllt.
Der Tod wird am Kreuz besiegt.


Noch kann man das nicht sehen, aber am Ende ist es so.
Und Jesus hat sich nicht davon abbringen lassen.
Nicht von Judas, dem Jesus schließlich so fremd ist, dass er ihn verrät.
Nicht durch Petrus, der das Schicksal von Jesus abwenden will,
nicht durch seinen eigenen Wunsch zu leben, wenn er den Vater bittet, den 
Kelch an ihm vorüber gehen zu lassen,
nicht durch Pilatus, der ganz kurz davor ist, Jesus freizulassen.

 

Jesus hat es vollbracht, hat sein Kreuz getragen bis zum Ende. Er hätte es 
abwenden können, es gab Möglichkeiten. Aber es war sein Weg, sein Kreuz. 
Niemand anderes hätte es tragen können.

Die Welt hat heute ein Kreuz zu tragen. Viele sind an diesem Kreuz 
gestorben, haben gelitten und leiden noch.
Und wir alle gehen auf unseren eigenen Kreuzwegen.


Die schlimmsten Kreuzwege sind die der Schwerkranken, die unter dem Virus 
leiden und vielleicht sterben.
Der Kreuzweg häuslicher Gewalt, die in diesen Tagen zunimmt, ist ein Drama, 
das zum Himmel schreit.
Die Not in den Seniorenheimen, in denen Infizierte sind, macht ganz große 
Sorgen.


Ich mache mir auch große Gedanken um die Menschen in den Flüchtlingslagern 
der Welt. Ohnehin leben Menschen dort in großer Not, was ist, wenn das Virus 
in so einem Lager um sich greift?
Es gibt Not, Überarbeitung und schlechte Bezahlung in jenen Berufen, die in 
letzter Zeit gerne „systemrelevant“ genannt werden.
Und dann gibt es die wirtschaftliche Not, die Sorge, seine Arbeit zu 
verlieren, den Betrieb, der in die Insolvenz abgleitet, finanzielle Sorgen.
Auch das sogenannte Kontaktverbot kann ein Kreuzweg, eine Herausforderung 
sein, vor allem, weil es nicht nach zwei Wochen vorbei war, sondern so lange 
dauert.


Die Frage, was aus dem nächsten Urlaub wird, klingt gegen diese Kreuzwege 
eher lapidar.
Aber es ist wahr: In diesem Jahr geht jeder seinen persönlichen Kreuzweg, 
tragen wir alle unser Kreuz.
Niemand bleibt verschont.


Manch ein Kreuz ist schwer und bitter, andere sind leicht. Aber alle tragen 
unsere Kreuze.
Das verbindet uns untereinander. Immer wieder höre ich die Frage: Was machst 
du jetzt, in dieser merkwürdigen Zeit? Immer wieder fragen wir jene, denen 
wir begegnen oder die wir anrufen, ob sie gesund sind.
Jeder trägt ein Kreuz, und ich bin Gott dankbar, dass meins im Moment ein 
leichteres ist.


Das schwerste Kreuz der Welt hat Jesus getragen. Er hat die Welt damit ein 
für alle Mal erlöst, gerettet.
Und wenn diese Pandemie am Ende ist, werde ich zum Kreuz aufschauen und ihm 
von Herzen danken, dass er uns in dieser dunklen Zeit nicht alleine gelassen 
hat, sondern das schwerste von allen Kreuzen selber getragen hat.


Und wenn alle sagen: Es ist vollbracht, die Pandemie ist am Ende, dann werde 
ich an Jesus am Kreuz denken, der nach dem Kreuzweg auch diesen kleinen Satz 
sagt, der schon eine Vorahnung der Osterfreude in sich trägt:
Es ist vollbracht.

Gründonnerstag, 09.04.2020

Liebe Christen,

vielleicht haben Sie ja wirklich eben eine Flasche Wein aus dem Keller und ein Stück Brot aus der Küche geholt. Und auch wenn das heute keine echte Eucharistie ist, die wir am Tag der Einsetzung der Eucharistie feiern, ist es doch ein starkes Zeichen. 

 

Was wir heute feiern – und was wir in der Messe zu normalen Zeiten gemeinsam feiern – ist ein Mahl, ein Essen. 

 

Jesus feiert Passah mit seinen Jüngern, es ist die liturgisch gestaltete Wiederholung und Vergegenwärtigung jenes Mahles, das das Volk Israel zu sich genommen hat, bevor es von Ägypten in großer Eile aufbrach, um ein gelobtes Land zu erreichen, in dem Milch und Honig fließen, ein fruchtbares Land, das Gott den Menschen seines Volkes schenken wollte.

 

Die Israeliten glaubten ganz fest daran, dass sie unter dem besonderen Schutz ihres Gottes waren, sonst hätten sie es nicht gewagt, vor den übermächtigen Ägyptern zu fliehen. 

Was sie nicht wussten, war die Dauer dieser Flucht. Ganze vierzig Jahre waren die Menschen damals unterwegs, sie lebten als Nomaden in der Wüste, viele starben, viele wurden geboren, und die allerwenigsten von denen, die aufgebrochen waren, hatten das Glück, jenes gelobte Land zu erreichen. 

Das Volk Israel wusste nicht im Detail, was Gott mit ihm vor hatte. Aber es wusste, dass ein starker Gott mit ihnen unterwegs ist, der es gut mit ihnen meint.

 

Jesus ist bei seinem letzten Abendmahl in einer ähnlichen Situation. Er hat seinen Kreuzweg und sein Leiden und Sterben bereits vor Augen, aber er will selber nicht wahrhaben, dass das sein Weg ist. 

 

Er betet in der Nacht, in der er ausgeliefert wird:

Mein Vater, wenn es möglich ist, 

gehe dieser Kelch an mir vorüber.

 

Aber dann betet er weiter:

Aber nicht, wie ich will, sondern wie du willst.

 

Der Vater liebt niemanden mehr als den Sohn, 

und doch mutet er ihm diesen schrecklichen Weg zu.

Und am Ende des Weges packt den Sohn die Verzweiflung, er ruft vom Kreuz her:

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

 

Die Antwort auf diese bedrückende Frage erleben wir an Ostern. Der Auferstandene beweist, dass Gott ihn und uns niemals verlässt, dass er Wege aufzeigt, die wir nie finden würden und dass auf Trauer und Verzweiflung die Osterfreude folgt.

 

Gott schickt sein Volk in die Wüste, er mutet ihm viel zu an Belastung, Schmerz, Hunger und Verzweiflung, aber er schenkt ihm das gelobte Land.

 

Gott schickt Jesus auf den Kreuzweg, aber er schenkt Auferstehung und Leben.

 

Gott schickt uns durch diese Zeit, in der eine rätselhafte Krankheit die Welt in Atem hält und in der viele leiden und sterben, aber er schenkt Hoffnung und Leben.

 

Das hat er immer schon getan, er tut es auch heute.

Darauf können wir uns verlassen.

Amen.

Mittwoch, 08.04.2020

Liebe Christen,
haben Sie auch den Mond gesehen in der letzten Nacht? Viele haben ihn bewundert und sich an seiner Schönheit erfreut.
Der Mond hat das Sagen. Viel ist in den letzten Wochen diskutiert worden, ob wir das Osterfest nicht verschieben können in andere Zeiten, die österlicher sind.


Aber es ist bei dem geblieben, was der Mond vorgibt. Ostern ist immer am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling.
Der Mond bestimmt indirekt auch, wann Karneval und Pfingsten gefeiert werden, Karneval sieben Wochen vor und Pfingsten sieben Wochen nach Ostern.


Es ist gut, dass der Mond bestimmt und kein Bischof, Papst oder Kirchenoberer. Denn Ostern muss vor allem ein Fest sein, auf das wir uns verlassen können. Es ist kein beliebiges Fest, das einfach so verschoben werden kann.
In diesen bedrückende Zeiten, so argumentierten jene, die eine Verlegung des Festes vor einigen Wochen forderten, könne man kein ordentliches Osterfest feiern, weil die Freude nicht spürbar wird.


Den Karfreitag wollte keiner verlegen. Der passt in die Coronazeit mit ihren Ängsten, ihren Leidenden und Toten.
Wenn wir aber als Christen in diesem Jahr den Karfreitag feiern können - nicht gemeinsam, aber miteinander im Gebet verbunden -, dann müssen wir auch Ostern feiern können, denn Karfreitag und Ostern sind untrennbar verbunden.
Wie auf jeden Winter der Frühling folgt, auf jede Nacht der helle Tag, folgt auf jeden Karfreitag das Osterfest der Hoffnung und der Freude. Wir brauchen dieses Ostern gerade in diesen Tagen mehr denn je.


Gut, dass der Mond bestimmt und nicht die Menschen, wann wir das Fest der Auferstehung feiern dürfen. Ich lade Sie ein, jetzt mit den Ostervorbereitungen zu beginnen. Schmücken Sie festlich Ihre Wohnung oder ihr Haus, planen Sie besondere Mahlzeiten und Gottesdienstzeiten mit denen, die gemeinsam mit Ihnen wohnen und überlegen Sie, wen Sie auf jeden Fall zum Fest anrufen sollten - besonders sind das in diesem Jahr alle, die wir sonst besucht hätten oder die bei uns vorbeigekommen wären, wenn die Zeiten anders wären.


In der Mitte der Karwoche wünsche ich Ihnen und euch allen einen gesegneten vorösterlichen Tag.
Ihr und euer
Christoph Jansen

Dienstag, 07.04.2020

Liebe Freunde,
wir sind mitten drin in der Karwoche. Jesus und seine Jünger bereiteten wie alle Juden in diesen Tagen das Paschamahl vor, ein österliches Fest der Befreiung. Pascha (Pessach) und Ostern sind untrennbar miteinander verbunden und am Gründonnerstag sind wir bei Jesus und seinen Jüngern zu Gast und feiern mit ihm dieses besondere Mahl. Wir können das Abendmahl nachfeiern, das ist nicht nur für Kinder ein Erlebnis, sondern für alle, die mitmachen. Und das geht prima zuhause. Pessach ist schließlich ein Fest, das in der Familie gefeiert wird. Deshalb eignet es sich, in dieser Woche ein besonderes Mahl zu feiern, zu dem ich herzlich einlade.

 

Gestalten Sie den Tisch festlich, stellen Sie Kerzen auf, nehmen Sie das gute Geschirr und feine Servietten. Bereiten Sie Brot vor (wer es ganz richtig machen möchte, kann Mazzen nehmen, aber ein ganz normales Brot tut es auch) und für die Erwachsenen Wein, für die Kinder Fruchtsaft, dazu einen grünen Salat und etwas Fleisch. Wer es ganz richtig machen möchte, nimmt ein Stück Lamm, es geht aber auch anderes Fleisch, auch Geflügel, nur kein Schweinefleisch. Das Fleisch kann vorbereitet und dann bei 80 Grad im Backofen warm gehalten werden, bis es gebraucht wird.


Beginnen Sie mit einem Gebet und begrüßen Sie den Abend mit einem Glas Wein oder Saft. Dann nehmen Sie sich Zeit und lesen abwechselnd aus der Bibel vor, besonders eignet sich Ex 12-16 dafür. Außerdem eignet sich das Evangelium vom Gründonnerstag gut (Joh 13, 1-20).


Einer von Ihnen segnet daraufhin die Gaben mit einem Segensgebet oder es folgt ein Tischgebet, das alle mitbeten können. Auch eignet sich Psalm 145 dafür. Danach nehmen Sie sich alle Zeit zum Essen.


Nach dem Essen beten Sie einen weiteren Psalm, hier eignet sich zum Beispiel Psalm 148. Nach dem Psalm machen Sie Ihre Gläser noch einmal voll und trinken in aller Ruhe das letzte Glas leer.
Wenn alle fertig sind, beten Sie gerne zusammen noch ein Vater unser, und danach beenden Sie das besondere Mahl mit einem Segensgebet, zum Beispiel mit dem Aaronitischen Segen.


Der Herr segne und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten
und sei dir gnädig.
Der Herr wende sein Angesicht dir zu
und schenke dir Heil.
So segne uns der gute Gott.
Amen.

 

Dieser Vorschlag ist kein "lupenreines" Passahmahl, aber es ist daran angelehnt. Daher auch die Bitte, kein Schweinefleisch zu nehmen, denn das ist den Juden nicht gestattet und wäre unpassend.


Für uns mag es unüblich sein, einen Gottesdienst und ein Abendessen auf diese Weise miteinander zu verbinden, aber es ist eine gute Erfahrung, besonders in dieser Zeit, in der wir nicht in der Kirche zusammensein können, um dort gemeinsam unseren Glauben zu feiern.
Gott ist doch gerade jetzt mit uns unterwegs und gibt uns, was wir zum Leben brauchen. Er stärkt uns für den Weg, den wir gehen sollen. Bei den Israeliten dauerte der Weg 40 Jahre lang und führte durch die Wüste.


Lassen wir uns auch stärken mit einem solchen Mahl, es tut ganz bestimmt gut. Und es ist eine ganz spannende Erfahrung, denn wenn wir in der Kirche den Leib Christi empfangen, ist dieses heilige Sakrament aus dem Mahl hervorgegangen, das an Pessach bis heute von den Juden gefeiert wird.

 

Feiern wir mit! Ich wünsche dabei viel Freude und Gemeinschaft mit Gott und miteinander.
Wer mag und diese Idee aufgreift, darf in den Kommentaren schreiben, wie es gelungen ist. Ich wünsche gutes Gelingen.

 

Ihr und euer
Christoph Jansen

Montag, 06.04.2020

Liebe Freunde,
heute ist Oasentag. Mitte März kam die Einladung an alle Priester und Diakone des Erzbistums Köln, zusammen zu kommen und gemeinsam Kraft zu tanken. Höhepunkt ist in jedem Jahr die Chrisammesse im Dom, bei der die heiligen Öle geweiht werden, die für Taufen, Firmungen und Krankensalbungen benötigt werden.


Natürlich ist alles mehr oder weniger abgesagt. Die Messe im leeren Dom kann per Livestream betrachtet werden, ebenso die eine oder andere Rahmenveranstaltung.

 

In der Karwoche sind wir alle eingeladen, einen Oasentag zu halten - vielleicht nicht im Kölner Dom, sondern ganz woanders. Ich finde solche Tage wichtig, denn sie regen zum Nachdenken an, bereichern und stärken Geist und Seele.

Wenn ich mir einen ganz privaten Oasentag gönne, verbringe ich ihn gerne in der Natur, spüre in diesen Tagen die wärmende Frühlingssonne und bin dankbar und in Gott geborgen.

 

Gott ist es, der mir Zeit für mich schenkt, Kraft für die anstehenden Aufgaben und den Mut, sie anzupacken. Gerade in ungewöhnlichen Zeiten ist Kreativität gefragt und der Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen, denn die sind ja seit geraumer Zeit gesperrt.

 

Ich bin dankbar für die Oasen, die mir zur Verfügung stehen und die ich erreichen kann und freue mich, dass jetzt viele Wege offen sind, die zuvor kaum begangen wurden.

 

Denn auch vor der Coronakrise, die uns vieler Freiheiten beraubte, waren wir nicht wirklich frei, sondern funktionierten allzu oft nur, weil so vieles, was jetzt plötzlich keine Rolle mehr spielt, als unendlich wichtig und unentbehrlich angesehen wurde.

Freiheit ist ein Begriff, der in diesen Tagen eine neue Definition braucht. Es bedeutet, andere Wege zu gehen und Veränderungen zulassen zu können. Wenn dann die alten Freiheiten in einigen Wochen oder Monaten zurück kommen, haben wir längst neue Freiheiten und Möglichkeiten entdeckt, die sonst unentdeckt geblieben wären.

 

In diesem Sinne: Gehen wir auf Entdeckungsreise!

 

Ihr und euer
Christoph Jansen

Sonntag, 05.04.2020

Liebe Christen,

wir sind bedroht.

Die Menschheit wird bedroht von einem neuartigen Virus, einer neuen Krankheit.

Und während einige wenige von uns die Versorgungswege erhalten und die Betreuung der Kranken gewährleisten, ist für die meisten Menschen in dieser Krise das Beste:

Bleib zuhause.

Warte ab.

Tu erst einmal nichts.

Außer Home office, wenn das geht.

 

Wir kämpfen, indem wir nichts tun.

 

Abwarten und nichts tun war nie so anstrengend wie heute. 

Denn wir warten auf andere.

Auf die, die ein Medikament und schließlich einen Impfstoff entwickeln.

Auf die, die versuchen, die Ausbreitung des Virus zu verhindern und die uns sagen, was wir tun oder – im Moment eher – nicht tun sollen, damit es gelingt.

Wir können aber nur deshalb nichts oder wenig tun, weil wir andern vertrauen. Das lernen wir gerade. Und das fällt oft schwer.

Aber viele lassen sich darauf ein, auf die Einschränkungen, das Kontaktverbot. Es gibt kaum Widerspruch.

 

Auch Gott verlangt von uns, dass wir vertrauen.

Gottvertrauen kann uns durch diese weltweite Krise, aber auch durch unsere ganz persönichen Krisen tragen.

 

Ich weiß nicht, wofür eine solche Pandemie gut ist. Die Kreuzwege und Dramen in dieser Zeit müssen wir ertragen. Jesus hat das auch ertragen müssen.

 

Aber das Gute, dass uns diese Zeit bringt, beginnen wir inzwischen auch zu entdecken. 

Ich jedenfalls lerne in dieser Zeit anders zu leben und anders zu glauben. Nicht schlechter oder besser, sondern anders.

 

In Köln gibt es den Spruch:

Nix es eso schlääch, dat et nit für irjendjet jot es.

 

Karfreitag und Ostern. Tod und Auferstehung.

Zwei Seiten einer Medaille.

 

Amen.

Samstag, 04.04.2020

Liebe Freunde,
eben war ich in der Kirche und mich an der schönen Dekoration erfreut habe, die schon für Palmsonntag vorbereitet ist. Aber mir fehlte noch der Eyecatcher, das Element, das nicht immer da ist und deshalb allen auffällt. Da ist mir der Esel eingefallen, der im Keller auf seinen Auftritt in der Weihnachtskrippe wartet, und ich habe ihn zum Kreuz, zu Jesus gestellt. Schließlich war es ein Esel, mit dem Jesus nach Jerusalem eingezogen ist, damals am allerersten Palmsonntag.

 

Der Esel ist ein Tier mit hoher Symbolik, die heute nicht mehr allen zugänglich ist. Während "Esel" heute eher ein Schimpfwort ist - er gilt als stur und dumme Taten nennt man schon einmal Eselei -, war er zur Zeit Jesu ein ganz besonderes Tier. Und es gab auch viel mehr Esel als heute. Das hatte seinen Grund.

 

Esel können riesige Lasten tragen. Obwohl sie viel kleiner sind als die meisten Pferde, sind Esel außerordentlich stark und ausdauernd. Der Esel opfert sich auf, um den Menschen zu dienen. Für viele Menschen war der Esel ein unersetzliches Transporttier. Während das Pferd von den Mächtigen gerne in Kriegen und Schlachten verwendet wurde, war der Esel für solche Einsätze unbrauchbar. Erstens ist er langsamer und zweitens vorsichtiger, was von einigen Menschen als Sturheit missverstanden wird. Der Esel gilt deshalb als friedfertig und sanftmütig.

 

Dass Jesus auf einem Esel nach Jerusalem eingezogen ist, muss für viele Menschen am Straßenrand irritierend gewesen sein. Dennoch breiteten sie ihre Kleider aus und jubelten ihm mit Palmwedeln und Ölzweigen zu. Für manche war der Esel wohl ein Schönheitsfehler, denn der neue König gehört auf ein prächtiges Pferd oder in eine prächtige mehrspännige Kutsche und nicht auf ein einfaches Lasttier.

 

Aber der Ritt auf dem Esel war Programm. Das Adventslied "Macht hoch die Tür" erwähnt den Esel indirekt, indem es in der vierten Strophe heißt: "Sanftmütigkeit ist sein Gefährt". Christus, unser wahrer König, erobert die Menschen und die Welt nicht mit Macht und Gewalt, sondern mit Sanftmut, Geduld und großer Stärke, wenn es darum geht, Menschen zu helfen und ihnen zu dienen. Am Ende opfert er sich selbst, um die Menschen zu erlösen - aber selbst das großartige Zeichen des Gekreuzigten wurde schon von den Zeitgenossen seiner Apostel unverhohlen als Eselei angesehen, wie römische Graffitis beweisen.

 

Vielleicht ist mir der Esel - in der Krippe und jetzt auch am Palmsonntag - so sympathisch, weil er den Herrn der ganzen Welt tragen darf, Christus, der alles zum Guten verändern möchte und dafür die Herzen der Menschen erobern möchte.

Der Esel ist also ein wahrer Christusträger, ein Christophorus. Und so einer möchte ich auch gerne sein.

 

Ihr und euer
Christoph Jansen

Freitag, 03.04.2020

Liebe Freunde,
heute fangen die Ferien an!
Und wieder - alles anders als sonst.
Wenn ich heute jemandem "schöne Ferien" wünsche, ernte ich nur ein müdes, manchmal sogar genervtes Lächeln.
Die Sehnsucht geht in eine andere Richtung.

Endlich wieder Schule, endlich wieder Normalität - das wäre schön.


So ungeduldig, wie sonst viele Kinder und Jugendliche auf die Ferien gewartet haben, warten wir jetzt auf Normalität, die ja irgendwann - möglicherweise in kleinen Schritten - wiederkommen muss, weil es ja so nicht weitergeht.

Heute hatten wir vor, mit den Jugendlichen unseres Firmkurses einen Jugendkreuzweg zu gehen, leider gibt es das dieses Jahr nicht. In der Karwoche hatte ich meinen Terminkalender randvoll, täglich von morgens bis abends. Und alles, was in dieser Woche ansteht, ist meine Art, die Kar- und Ostertage zu feiern. Fast alles ist abgesagt, und das, was noch stattfindet, nämlich die wichtigsten Gottesdienste, finden vor leerer Kirche statt.

 

Jetzt schon vermisse ich die Palmweihen, die ich in den letzten Jahren in besonderer Atmosphäre in Happerschoß, Bröl und schließlich mit hunderten Menschen in der Warth feiern durfte, und mich packt allmählich eine Ungeduld, die mit jedem Tag stärker wird.

Es muss doch möglich sein, bald wieder in Gemeinschaft Gottesdienste zu feiern! Es muss doch möglich sein, wieder ins Kino, ins Restaurant zu gehen, sich gegenseitig zu besuchen, wie es rund um Ostern sonst immer üblich ist!

Ungeduld passt zum Palmsonntag, zum Einzug Jesu nach Jerusalem. Viele sehnten sich nach einem neuen König für Israel, nach einem gerechten Herrscher, der alle Menschen liebt, sanftmütig und von allen geachtet. Dieser König sollte sein wie der legendäre König David und ganz anders als Herodes, der ja nur ein König von Kaisers Gnaden war.
Endlich kommt das Königreich Jesu, dachten alle, und mit Palmzweigen jubelten sie ihm zu.

 

Eine ungeduldige Aktion war dieser Einzug Jesu in Jerusalen, das Jubeln und die Begeisterung gerieten allzu bald ins Stocken und nur wenige Tage später starb Jesus am Kreuz. Gottes Reich können wir nicht erzwingen, es kommt nicht, wenn wir das wollen. Damals, am Tag des Einzugs Jesu in Jerusalem, als alle dachten, es kommt, kam es jedenfalls nicht - zumindest nicht so, wie die Leute es dachten.

 

Gottes Reich können wir nicht erzwingen, und Normalität in diesen Tagen auch nicht. Aber Gottes Reich wird kommen. Die Einschränkungen dieser Wochen werden vorbei gehen. Und bald werden wir unseren Glauben in den Kirchen wieder gemeinsam feiern können. Aber wann?

 

Wir können es nicht erzwingen. Und das fällt so schwer.
Ein augenzwinkerndes Gebet fällt mir ein, es passt in diese Tage.

Herr, schenke mir Geduld.
Aber ein bisschen plötzlich!

 

Ihr und euer
Christoph Jansen

Donnerstag, 02.04.2020

Liebe Freunde,
was ist Freiheit?
Einmal auf diesem Felsen stehen, viele hundert Meter über dem Fjord?
Abheben und fliegen, weil die Freiheit über den Wolken grenzenlos ist?
Oder einfach immer weiter fahren auf der Straße, die vor mir liegt?


Diese Freiheit ist durch die Pandemie, die wir erleben, ausgebremst worden. Die Politik redet von eine massiven Einschränkung der Freiheitsrechte. Das ist kein Urlaub, den wir jetzt erleben. Inzwischen hat das auch der größte optimistische Träumer verstanden.

In dieser Zeit erleben viele eine ganz andere Art von Freiheit. Im Homeoffice zuhause, ohne die dienstlichen oder privaten Verpflichtungen haben sie die Möglichkeit, die Zeit selber zu gestalten und einzuteilen, so wie es am besten passt. Natürlich müssen zahlreiche Dinge am Ende des Tages erledigt sein, aber wir erleben die Freiheit, die Tage selber zu takten und zu gestalten. Manchen von uns fällt das schwer, aber manche leben förmlich auf.

Auch die Bibel spricht von Freiheit. Im Römerbrief schreibt Paulus von der Freiheit der Kinder Gottes, die nur Gott uns schenken kann.

 

Er befreit uns von unseren Ängsten, vom Zwang, ganz dringend etwas erleben zu müssen, von dem reinen Funktionieren hin zur wirklichen Freiheit, die kein zeitlich begrenzter Traum ist wie ein Abenteuerurlaub und auch keine Zeit wie diese, in der wir ganz viel sein lassen müssen, um gemeinsam die Epidemie einzudämmen.

 

Aber vielleicht sind wir in diesen Wochen näher dran an der Freiheit, zu der Gott uns befreien will, als wir es im Alltag vor den Maßnahmen zur Eindämmung der Viruserkrankung waren, weil wir vieles nicht tun können und etliche Dinge unerreichbar sind, aber auf der anderen Seite dadurch etliche Dinge erst möglich werden.

 

Gott befreit uns. Mit ihm überspringen wir Mauern, auch in diesen Zeiten. Lassen wir uns befreien, entdecken wir neue Möglichkeiten, lassen wir uns beschenken. Ganz sicher dürfen wir uns dann auch zuhause frei fühlen wie auf dem höchsten Berg oder auf der schönsten Traumstraße.

Ihr und euer
Christoph Jansen

Mittwoch, 01.04.2020

Liebe Christen,
unser Weg durch das Leben geht weiter, er bleibt nicht stehen.
Manch einer empfindet das aber so.Nichts geht mehr und deshalb ist das Einzige, was sinnvoll ist, zu warten, bis es wieder vorbei ist.
Gott schenkt uns jeden neuen Tag, auch die Tage in der Coronazeit. Vergessen wir das nicht! Und jeder Tag hat wunderbare Momente.


In der strahlenden Sonne bin ich unter dem meist wolkenlosen Himmel dieser Tage, den kein Kondensstreifen trübt, oft mit dem Rad unterwegs und genieße die klare Luft, die weite Aussicht von den Hügeln und Bergen, und ich freue mich, dass ich Zeit dafür habe. Die habe ich nämlich in anderen Zeiten allzu oft nicht.


Und ich sehe im Grünen viel öfter Familien, die gemeinsam etwas unternehmen, die sich vielleicht jetzt, in der Ausnahmesituation, wieder neu kennen lernen.

Allmählich wird uns allen ja schmerzvoll bewusst, dass selbst die mächtigsten Frauen und Männer des Landes und der Welt die Pandemie nicht am Abend des 19. April für beendet erklären können. Wie lange wir mehr oder weniger eingeschränkt leben müssen, kann keiner sagen. Und so lange wie das dauert, fühlt sich jeder Tag irgendwie gleich an. Irgendwo in der Mitte zwischen Sonntagsruhe und Grabesstille, und das täglich.

 

Mir kommt angesichts dieser Situation eine wunderbare US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahre 1993 in den Sinn. Sie heißt: "Und täglich grüßt das Murmeltier" und ist vielen bekannt. Bill Murray spielt in dieser Komödie Phil, einen Reporter, der in eine Endlosschleife gerät. Er erlebt immer und immer wieder denselben Tag, den 2. Februar, den "Murmeltiertag" im verschlafenen Städtchen Punxsutawney. Phil mag den Murmeltiertag nicht und möchte aus Punxsutawney so schnell wie möglich wieder nach Hause, aber genau den Tag im Jahr, den er am meisten hasst, erlebt er auf wundersame Weise wieder und wieder.

Nach anfänglichen Frusterlebnissen beginnt Phil, den Tag, den er immer wieder erlebt, mit Sinn zu erfüllen. Er lernt Klavierspielen, bildet sich weiter, hilft den Menschen, wo er nur kann und schafft es am Ende, geliebt zu werden - die einzige Möglichkeit, den nächsten Tag zu erreichen.

 

Nehmen wir die Tage, die uns geschenkt werden, also dankbar an und vergessen wir nicht, dass wir geliebt und beschenkt werden.
Was wir in den Gottesdiensten am Anfang des Jahres gesungen haben, gilt jetzt umso mehr.

 

Dem Herrn, der Tag und Jahr geschenkt,
der unser Leben trägt und lenkt,
sei Dank und Lob gesungen.

 

Ihr und euer
Christoph Jansen

Dienstag, 31.03.2020

Liebe Freunde,
in der Lesung des heutigen Dienstag wird davon berichtet, wie eine tödliche Gefahr das Volk Israel in der Wüste bedroht. Überall waren Giftschlangen und viele Menschen wurden gebissen und starben.

Mose betete zum Herrn, dass er das Volk von den Schlangen befreit, und er betete für das Volk.


Weiter heißt es im Buch Numeri:

"Der Herr antwortete Mose:
Mach dir eine schlange
und häng sie an einer Fahnenstange auf.
Jeder, der gebissen wird,
wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht.

Mose machte also eine Schlange aus Kupfer
und hängte sie an einer Fahnenstange auf.
Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde
und zu der Kupferschlange aufblickte,
blieb er am Leben."

Im Gespräch mit Nikodemus, das uns der Evangelist Johannes überliefert hat, sagt Jesus, indem er darauf Bezug nimmt:

"Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat,
so muss der Menschensohn erhöht werden,
damit jeder, der glaubt, das ewige Leben hat."

 

Jesus wurde ans Kreuz gehängt, also erhöht. In der christlichen Tradition wird so das Kreuz Zeichen für die Rettung aller Christen, nicht sofort, aber etwa ab dem vierten Jahrhundert.

Blicken wir in unserem Leid zum leidenden Jesus auf, dann werden wir gerettet. Ein schönes Bild in diesen Tagen. Damals in der Wüste wusste niemand, ob eine Schlange ihn beißt, und wer gebissen wurde, wusste nicht, ob er an der Vergiftung stirbt oder überlebt.


In einer ähnlichen Situation sind wir heute auch wieder, nur dass es nicht Giftschlangen sind, die uns bedrohen, sondern ein Virus. Niemand, der nicht schon infiziert wurde, weiß, ob er angesteckt wird, und niemand, der infiziert wurde, weiß sicher, ob die Infektion für ihn harmlos oder lebensgefährlich ist.

 

Interessant ist die Art und Weise, wie Gott das Volk Israel in der Wüste vor der tödlichen Gefahr rettet. Er nimmt die todbringenden Schlangen nicht einfach weg, sondern er entwickelt so etwas wie einen Impfstoff gegen die Schlangen.
Wer gebissen wurde, muss sich ein Abbild der tödlichen Schlange auf der Fahnenstange ansehen und an Gott glauben, der stärker ist. Dann wird er gerettet.

 

Mit dem gekreuzigten Jesus ist für uns der Blick frei auf Gott, der rettet. Wir brauchen nicht mehr den Umweg über die Schlange, wir sehen dem leidenden Menschensohn direkt ins Gesicht. Er leidet mit uns in dieser Zeit der Pandemie. Ein unwahrscheinlich starkes Zeichen, dass unser Leid und unsere Angst auch seine Angst und sein Leid ist.

 

Und er rettet. Wie schon im alten Testament tut er es nicht plakativ und banal, sondern auf seine ganz spezielle Art. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum wir am kommenden Sonntag unsere Kreuze mit Palmzweigen dekorieren. Es soll uns auffordern, genau hinzusehen und zu glauben, damit Christus am Kreuz uns auf unsere Fragen und Nöte antworten kann:

Du bist nicht allein.
Ich werde dich retten.
Das Kreuz ist nicht das Ende.
Es ist die Rettung, der neue Morgen.
Wir schauen auf zu ihm, er wird uns retten.

 

So wird auch für jene, die das Kreuz als Todeszeichen empfinden, durch das frische Grün die Hoffnung sichtbar und spürbar, die wir haben.

Ganz herzlich lade ich dazu ein, Palmzweige bis zum Samstag in die Kirche zu bringen, damit sie am Sonntag gesegnet an die Kreuze gesteckt werden. Wenn viele mitmachen, dann reicht es für alle.

 

Ihr und euer
Christoph Jansen

Montag, 30.03.2020

Vor zwei Jahren war ich in Nordnorwegen unterwegs, und im nordnorwegischen Städtchen Sortland habe ich auf einem Platz ein Denkmal entdeckt. Das Besondere an dem Denkmal ist, dass es keinen großen Dichter, Denker, Staatsmann oder Prominenten darstellt. Das Denkmal ehrt vielmehr Kjetil Paulsen, einen einfachen Mann, der über 30 Jahre lang in dem kleinen Städtchen den Müll aufgesammelt hat. Er übte seine Arbeit dankbar und froh aus, klagte niemals darüber, dass er "nur" ein Müllmann ist und freute sich an jeder Begegnung mit den anderen Menschen in seiner kleinen Stadt. Das hat die Einwohner von Sortland so beeindruckt, dass sie ihm ein Denkmal aufgestellt haben.

 

Papst Franziskus sagte am Freitag in seiner Ansprache den bemerkenswerten Satz:

"Wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden."

 

Ich erinnere mich an meine letzte Krankheit, es war eine Grippe. Ich war beim Arzt und er sagte: "Sie bleiben jetzt erst einmal zehn Tage zuhause. Danach sind Sie entweder wieder einigermaßen gesund oder Sie kommen noch einmal in meine Sprechstunde".

Jetzt bin ich wieder fit - aber der ganze Planet ist krank. Und die Ärzte der Welt sagen allen: "Sie bleiben jetzt erst einmal zuhause". Das ist in dieser akuten Krankheitsphase unserer Welt sicher der richtige Weg.

 

Wer wieder gesund ist, sollte aber nicht einfach so weitermachen wie bisher. Das Immunsystem soll gestärkt werden, frische Luft und Bewegung hilft, um nicht mehr so schnell krank zu werden.

Aber wie soll unsere Erde wieder gesund werden? Was kann ich da schon tun? Sind es nicht die Banken, die Energiekonzerne, die Mächtigen, die großen Geschäftemacher, die sie viel mehr schädigen als ich?

 

Kjetil aus Sortland hat einfach Müll gesammelt, immer weiter. Er hat damit der Natur und seinem Städtchen gut getan. Er hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass die Erde nicht noch mehr leidet, als sie es schon tut. Er haderte nicht damit, dass er es im Leben nicht weiter gebracht hatte als zum städtischen Müllsammler, sondern er machte seine einfache Arbeit gerne und gründlich. Sein Denkmal ehrt alle, die einfach etwas tun, anstatt nur zu jammern. Und es ehrt die kleinen Leute.

 

Wir alle können Gutes tun. In der Zeit der Coronapandemie haben wir vielleicht mehr Zeit, darüber nachzudenken, wo wir anpacken können. Kjetil war sicher kein großer Unternehmer und auch kein Universitätsprofessor. Er war ein ganz einfacher städtischer Arbeiter. Jeder Mensch in jeder Position kann etwas daran tun, dass es der Erde und den Menschen etwas besser geht. Das gilt für die großen und die kleinen Leute, die reichen und die armen.

 

Es sind gerade jetzt, in der Coronazeit, die kleinen Leute, die unsere Gesellschaft am Laufen halten. Systemrelevante Berufe sind meistens jene, die am Schlechtesten bezahlt werden. Wie wichtig die Menschen sind, die in solchen Berufen arbeiten, haben die Menschen in Sortland vor vier Jahren bewiesen, als sie Kjetil ein Denkmal setzten. Es steht nicht nur für Kjetil Paulsen, sondern für unendlich viele Menschen, die auf ihre Weise das Gebot der christlichen Nächstenliebe in ihrem Leben umsetzen.

Vielleicht ist es Zeit zu überlegen, wer in unserer Zeit und in unseren Städten ein Denkmal verdient hat und wer nicht. Vielleicht ehren wir allzu oft die Falschen.

 

Ihr und euer
Christoph Jansen

Sonntag, 29.03.2020

Tiefe Finsternis hat sich auf unsere Plätze, Straßen und Städte gelegt; sie hat sich unseres Lebens bemächtigt und alles mit einer ohrenbetäubenden Stille und einer trostlosen Leere erfüllt, die alles im Vorbeigehen lähmt.

 

So hat am Freitag Papst Franziskus seine Ansprache vor dem menschenleeren Petersdom auf dem menschenleeren Petersplatz in Rom begonnen.

 

Ohrenbetäubende Stille.

 

Ich kann nachspüren, was er meint.

Rom ist eine laute Stadt. Es sind immer so viele Menschen unterwegs. Immer hört man von irgendwo ein Martinshorn. 

Rom ohne Tatütata geht gar nicht.

 

Und dann hat der Papst still vor dem Allerheiligsten gebetet.

Da habe ich sie im Fernsehen auch gehört,

diese ohrenbetäubende Stille.

Erst dachte ich, dass es vielleicht daran liegt, dass die Mikrofone nicht so empfindlich sind, die sonst so laute Stadt einzufangen, aber dann schwenkte die Kamera auf den Platz, und ganz hinten, am Ende der Kolonnaden, da sah ich im Fernsehgerät einen Polizeiwagen. Und ich hörte klar und deutlich den Motor des Wagens.

 

Es war keine Illusion, die Stille war wirklich ohrenbetäubend.

 

Wenn ein ganz lieber Mensch gestorben ist, gibt es diese ohrenbetäubende Stille auch. Wenn jedes Gespräch gesprochen, jeder Kondolenzgruß vorbei ist, wenn alles, was organisiert werden musste, organisiert ist, dann kommt die Stille, vor der viele Trauernde sich fürchten.

 

Diese bedrückende Stille im Evangelium wird durchbrochen von einem Vorwurf.

 

„Herr, wärst du hier gewesen,

dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“

 

Jesus antwortet gar nicht auf den Vorwurf seiner Freundin Maria, sondern er geht mit ihr und den Trauernden zum Grab und weint.

 

Die ohrenbetäubende Stille der ohnmächtig trauernden Menschen ergreift ihn.

Er weint mit den Weinenden.

Das tut er auch heute mit uns, mitten in den Tagen der Pandemie. 

Er trauert mit uns, leidet mit, weint mit.

Jesus weint ja am Grab des Lazarus nicht, weil Lazarus gestorben ist und damit seinen Weg hin zu Gott und zum ewigen Leben begonnen hat, sondern er weint, weil er sieht, wie seine Freundinnen und Freunde trauern.

Sie fühlen sich angesichts des toten Freundes hilflos, machtlos und ohne Hoffnung.

Sie glauben fest daran, dass Jesus Kranke heilen kann, aber jetzt ist Lazarus tot. Jesus kommt zu spät. 

 

Das letzte Bild der Geschichte, die der Evangelist Johannes uns heute berichtet, ist wie aus einem Horrorfilm, so einem mit Zombies.

 

Lazarus kommt heraus. Hände, Füße und Kopf sind verbunden. Vier Tage ist er schon tot gewesen. Er riecht schon, die Verwesung hat bereits eingesetzt. Ein Wunder, dass die Leute nicht schreiend weggelaufen sind.

 

Aber sie kommen zum Glauben. Das ist vielleicht das größte Wunder in dieser Erzählung. 

 

Schon jetzt, in der aktuellen Phase der Pandemie, gibt es viele Menschen, die mit Gott hadern. Wie jene Maria, die Jesus den Vorwurf macht: Wärest du hier gewesen…

 

Dabei ist Jesus hier, mit uns in der Krise vereint. Lassen wir ihm Zeit, mit uns zu weinen und zu klagen.

Er wird auf seine Art die ohrenbetäubende Stille beenden. Die Macht dazu hat er.

Er wird uns aus der Zeit der Pandemie retten – und viele, die sich infiziert haben, werden gesund.

Aber er heilt nicht nur, sondern er besiegt sogar den Tod und rettet so auch jene, die bereits an den Folgen der Infektion verstorben sind und die noch sterben werden. 

Denn was er seiner Freundin Martha sagt, das sagt er uns auch.

 

Ich bin die Auferstehung und das Leben.

Wer an mich glaubt, wird leben, 

auch wenn er stirbt,

und jeder, der lebt und an mich glaubt,

wird in Ewigkeit nicht sterben.

 

Amen.

Samstag, 28.03.2020

Ihr Lieben,
gestern hat Papst Franziskus vom menschenleeren Petersplatz uns alle gesegnet, die ganze Welt. Er wollte mit dem Welt-Segen "Urbi et Orbi" alle Menschen trösten und ihnen Hoffnung geben. Unsere Erde, auch die Menschheit ist nicht von Gott verlassen, vielleicht schläft er nur und ist uns ganz nahe.

 

Dem besonderen Segen hat Franziskus eine Begebenheit vorangestellt, die im Markusevangelium berichtet wird.

"Die Jünger schickten die Leute fort und fuhren mit Jesus in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn.
Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief.


Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?
Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.
Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?"

 

Der Papst hat mit dem Evangelium vom Sturm auf dem See eine frohe Botschaft ausgewählt, die genau in unsere Situation hineinpasst.

Wir glauben, alles im Griff zu haben, alles alleine zu schaffen.
Auch die Jünger glauben, alles im Griff zu haben. Sie sind Fischer am See, kennen die unterschiedlichsten Wetterphänomene, wissen, wie ihr Boot reagiert, aber jetzt kommen sie an ihre Grenzen. All ihr Wissen, ihre Routine, ihre Vertrautheit mit Boot und See, Wind und Wetter hilft ihnen nicht mehr weiter. Angst überwältigt und lähmt sie. Die Hoffnung, jemals aus dieser bedrohlichen Lage herauszukommen, schwindet.

 

Jesus schläft. Ihm macht der Sturm nichts aus. Er weiß sich geborgen in der Liebe des Vaters, die er allen wieder und wieder verkündet. Schlafen kann er nur, weil er keine Angst hat. Und doch reicht es den Jüngern nicht aus, dass dieser furchtlose, schlafende Jesus mit den Jüngern im selben Boot ist. Sie wecken ihn mit den Worten: Kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?

 

Für Jesus aber ist klar: Wir gehen nicht zugrunde. Sein und unser Vater lässt ihn nicht untergehen. Nicht im Boot, nicht am Kreuz, nicht im Tod. Da reicht es, dass er bei uns ist.

Jesus steht auf, droht dem Wind und befiehlt dem See, still zu sein. Er sagt das nicht, damit Sturm und Wellen es hören und Angst kriegen, sondern damit seine Jünger es hören. Wie er brauchen auch sie keine Angst zu haben, sie sind ja nicht allein.

 

Der sakramentale Segen des Papstes für die Stadt und die Welt soll allen Menschen sagen: Ihr seid nicht allein in dieser Zeit. Seht nur, Jesus ist bei euch. Er hat keine Angst, also braucht auch ihr keine Angst zu haben.

 

Das ewige Licht am Tabernakel unserer Kirchen ist auch ein solches Zeichen, ebenso die Osterkerze. Wir sind nicht allein in dieser Zeit, sondern Jesus, der stärker ist als der Tod, begleitet uns.

 

Christoph Jansen

Freitag, 27.03.2020

Heute war die Leserbriefseite meiner Tageszeitung voll von empörten Beiträgen. Der Bonner Stadtdirektor hatte dazu aufgerufen, Verstöße gegen das Kontaktverbot zu melden. Viele sehen darin den Aufruf, andere zu denunzieren und anzuklagen.

Sicher, die Eindämmung des Coronavirus ist wichtig und unser aller Ziel, aber wer andere denunziert, anklagt, verurteilt oder verrät, verstößt gegen das wichtigste Gebot, nämlich gegen das der Nächstenliebe.

 

Vielleicht denken Sie jetzt, dass die Missachtung des Kontaktverbotes ebenfalls dem Gebot der Nächstenliebe widerspricht, weil jene, die sich vor dem Virus nicht ausreichend schützen, sich und andere mit ihrem Verhalten gefährden. Das ist selbstverständlich richtig, aber rechtfertigt das Fehlverhalten der anderen den Verrat, die Vorverurteilung?


Weiß ich denn, ob andere das Kontaktverbot leichtfertig missachten?
Vielleicht treffe ich auf eine Großfamilie, ergänzt durch Großeltern in derselben häuslichen Gemeinschaft, die gemeinsam unterwegs sind und es sein dürfen.
Vielleicht leidet die dritte Person in der Gruppe, die mir begegnet, so sehr an der verordneten physischen Einsamkeit, dass es das kleinere Übel ist, gemeinsam zu gehen.


Und vielleicht trifft der, der andere verurteilt, abends in seinem Haus, wo das Ordnungsamt nicht hinkommt, zahlreiche Freundinnen und Freunde und setzt sich seine Gäste der allseits bekannten Ansteckungsgefahr aus, weil die Regeln, die im öffentlichen Raum gelten, im privaten Umfeld nicht geahndet werden.

 

Jesus hat auf dieses Dilemma, was richtig ist, eine passende Antwort, ein Bildwort, das klar macht, was wir tun können. Er sagt:

"Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.


Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?"
(Mt 7, 1.3)

Jesus sagt mir: Sieh zuerst einmal auf dich. Was tust du? Was davon ist gut und was schlecht? Was sind deine Fehler?

Er sagt nicht: Suche so lange die Fehler bei dem Anderen, bis du welche gefunden hast, und wenn sie auch noch so klein sind.

Seine Frage lautet immer: Was kannst du tun?
Er fragt niemals: Was machen die anderen?

 

Andere Menschen erziehen oder verändern, das ist eine unendlich schwere und oft erfolglose Mission.

Sich selbst verändern ist viel besser, viel eher erfolgreich. Auch wenn es viel schwerer ist, sich selber ehrlich zu beurteilen, als mit dem Finger auf andere zu zeigen.

 

Das gilt übrigens nicht nur in Zeiten der Coronakrise, sondern immer.

Die Fastenzeit ist eine Zeit der Umkehr. Vielleicht sind die ungewöhnlichen Tage dieser Fastenzeit eine ganz besondere Chance, dieses Umkehren ernst zu nehmen. Zukunftsforscher und Sozialwissenschaftler reden längst nicht mehr nur von den Kosten und Gefahren der Pandemie, sondern immer häufiger von den Chancen, dass sich die Gesellschaft - und das ist jeder Einzelne von uns - zum Positiven verändert.

Sehen wir auf unsere Schwachstellen. Versuchen wir, uns zum Guten zu verändern.

 

Und im Blick auf die anderen, die vermeintlichen Sünder denken wir an das, was Jesus der Sünderin sagt:

Auch ich verurteile dich nicht.
Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.

 

Viele Grüße vom Warther Kirchberg

Christoph Jansen

Donnerstag, 26.03.2020

Ich will eure Nachkommen zahlreich machen
wie die Sterne am Himmel.

 

In der Krise baut Gott Mose und das Volk Israel auf.
Lange schon sind sie in der Wüste unterwegs und der Weg wird lang. Manch einer glaubt, das Ziel ist unerreichbar.

Die ganze Welt hat sich auf einen Weg ins Ungewisse gemacht. Und so viele Fragen kommen auf.

Können wir im Mai unsere Hochzeit feiern?


Wann ist denn Erstkommunion, wenn der Weiße Sonntag abgesagt ist?

Findet das Firmwochenende statt?

Was ist mit dem Kinderferienlager? Können wir Ende Juli wieder reisen?

 

Die ehrlichste Antwort, die ich in den letzten Tagen gegeben habe, war: Ich weiß es nicht.

Damit bin ich in einer ähnlichen Situation wie Mose. Wie oft werden die Israeliten gefragt haben: Wie lange noch? Wie geht es weiter? Was kommt als nächstes?

 

Und Mose konnte nur sagen: "Ich weiß es nicht".

Da bauten sich die Israeliten einen anderen Gott, ein goldenes Kalb. Das sagte nämlich nicht: "Ich weiß es nicht". Das Kalb sagte einfach gar nichts. Und es brachte die Menschen auch nicht weiter.

In der Lesung von heute erleben wir einen Gott, der lernt. Eine ganz komische Vorstellung! Aber warum nicht?

Das Volk in der Wüste tanzt um das goldene Kalb. Gott zürnt seinem Volke, er ist sauer.


Er will das Volk bestrafen oder sogar vernichten.

Aber vielleicht braucht das Volk einfach andere Antworten, eine andere Perspektive und nicht dauernd dieses "Ich weiß es nicht".

Wir alle wissen, wie die Geschichte vom Auszug endet. Das Volk Israel erreicht nach vierzig Wüstenjahren das gelobte Land, in dem Milch und Honig fließt.

 

Ich bin ganz gespannt, was auf uns wartet nach diesem Weg durch das Ungewisse, nach dieser Corona-Situation.

Wie lange es dauert? Ich weiß es nicht.
Wie viele Einschränkungen es noch gibt? Keine Ahnung.
Ob ich mich wohl infiziere? Wer kann das wissen?

 

Aber wie damals in den Wüstenjahren des Exodus weiß ich, dass Gott bei mir, bei uns ist.
Und ich weiß auch, dass er uns seine Pläne meistens nicht verrät. Das hat er schon damals nicht getan.

Ich bin gespannt, wo er uns heute hin führt.

 

Ihr und euer
Christoph Jansen

Mittwoch, 25.03.2020

Liebe Christen,
freuen Sie sich eigentlich schon auf Weihnachten?

 

Während Sie diese Frage lesen, werden Sie denken: Was für eine blödsinnige Frage, in diesen Zeiten haben wir wirklich andere Sorgen.

Ich freue mich drauf.
Gott wird Mensch wie wir.
Unsere Sorgen, unsere Not und Angst, unsere Freude, unseren Schmerz, auch unsere Unzulänglichkeiten will er teilen.

Indem Gott Mensch wird, identifiziert er sich mit uns, begibt sich mit uns auf dieselbe Ebene. Der Schöpfer der Welt macht sich klein, um bei uns zu sein.

 

Heute feiern wir den Advent, die Ankunft des Herrn in unserer Welt, der für Maria neun Monate dauerte. Gott wird Mensch, damit er uns begleiten kann durch die Zeiten unseres Lebens, auch durch diese Zeit, in der alles anders ist.

Aber ist jetzt nicht erst einmal Ostern "dran"? Hat Weihnachten nicht noch Zeit?

 

Wenn wir Feste unseres Glaubens feiern, feiern wir immer den ganzen Glauben, nicht nur einen Teil. Weihnachten und Ostern sind so sehr miteinander verbunden, dass das eine Fest ohne das andere nicht denkbar ist. Nur weil Gott Mensch wird, kann er durch seine Auferstehung den Tod besiegen. Nur, weil er der eine Mensch ist, der stärker ist als der Tod, kann er bei uns sein bis zum Ende der Welt.

 

Ich freue mich auf Weihnachten. Gerade weil Ostern, das Fest der Auferstehung, in diesem Jahr nicht in gewohnter Weise gefeiert werden kann, weiß ich doch: Gott wird für mich Mensch, weil er mich liebt.

 

Und ich habe die Hoffnung, dass wir Weihnachten wieder so feiern können, wie wir es immer feiern konnten, nämlich in der großen Gemeinschaft der Gläubigen in den Kirchen und in der kleinen Gemeinschaft der Familie, in der Großeltern und Enkel wieder zusammen feiern dürfen. Nur vielleicht mit einer größeren Dankbarkeit als in den vergangenen Jahren, weil wir in diesen Tagen erkennen, dass eine so spürbare Gemeinschaft nicht selbstverständlich ist, sondern ein ganz großes Geschenk.

 

Ihr Pastor

Christoph Jansen

Dienstag, 24.03.2020

Liebe Christen,


wie geht der Weg weiter?
Was erwartet uns hinter der nächsten Kurve?
Es ist weniger die Angst vor der Ansteckung, die viele Menschen unruhig macht, sondern mehr die fehlende Planungssicherheit.
Unser Leben ist so sehr durchgeplant, dass die plötzliche Ruhe, die wohl noch einige Zeit andauern wird, belastend wirkt.
Im Gegenteil, die Zeit zuhause befreit.


So viele allzu wichtige Termine und Treffen sind plötzlich nicht mehr möglich, weil es ein Ziel gibt, das größer und wichtiger ist als all das , was uns sonst in Atem hält.

Der Weg ist kurvig, aber das Bild zeigt ihn auch beschienen von den letzten Sonnenstrahlen des Tages. Dunkelheit bedroht uns - in vieler Hinsicht.

 

Wird mein kleiner Betrieb die Krise überstehen?
Was ist, wenn ich angesteckt werde?
Wie gehe ich damit um, wenn Menschen aus meinem direkten Umfeld krank werden, vielleicht schwer?
Was passiert, wenn es um mich herum dunkel wird?

 

Ein recht bekanntes geistliches Lied kommt mir in den Sinn:
"In der Mitte der Nacht liegt der Anfang eines neuen Tags
und in ihrer dunklen Erde blüht die Hoffnung".

Vielleicht wird uns nicht gefallen, was wir hinter der nächsten Wegbiegung sehen.
Vielleicht wird es zwischendurch zu dunkel, zu lang, zu schwer.
Aber es ist nicht das Ende.

 

Alle reden von einer Krise.
Die Krise, so schreiben die Lexika, ist der Höhepunkt oder Wendepunkt einer bedrohlichen oder problematischen Entwicklung, der immer auch die Chance zur Lösung des Problems birgt.

 

In der Mitte der Nacht liegt der Anfang eines neuen Tags.

Damit diese Krise einen guten Verlauf nimmt, sich also alles zum Guten wendet, empfiehlt sich das Gebet.
Christus selbst wird oft Heiland genannt. Er ist es, der die Wunden, die Krankheiten, am Ende die ganze Welt heilt.

Ganz egal, wie dunkel es auf unserem Weg wird, wie weit er noch ist oder was uns auf dem Weg alles erwartet, er ist bei uns. Im Beten wird mir das immer bewusst.

 

Vertrauen wir. Und haben wir Geduld.
Vielleicht sehen wir nach der nächsten Biegung unseres Weges schon das Ziel - Wer weiß?

 

Ihr Pastor Christoph Jansen

Montag, 23.03.2020

Liebe Christen,

In der Messe vom 4. Montag der Fastenzeit, also von heute, heißt es in der Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 65, 17-21):

 

"So spricht der Herr:
Ihr sollt euch ohne Ende freuen
und jubeln über das, was ich erschaffe.
Denn ich mache aus Jerusalem Jubel
und aus seinen Einwohnern Freude.
Ich will über Jerusalem jubeln
und mich freuen über mein Volk.
Nie mehr hört man dort lautes Weinen
und lautes Klagen.
Es gibt keinen Säugling mehr,
der nur wenige Tage lebt
und keinen Greis, der nicht das volle Alter erreicht;
wer als Hundertjähriger stirbt, gilt noch als jung."

 

Dieser Text ist über 2500 Jahre alt und fällt in die Zeit, in der nach dem Exil der Tempel von Jerusalem wieder aufgebaut werden konnte. Eine Mauer des Tempels ist heute die Klagemauer, das große Heiligtum der Juden, während auf dem Tempelberg, also dort, wo das Zentrum des großen Tempels stand, heute der Felsendom als muslimisches Heiligtum steht.

 

Viele Propheten und Heilige haben immer wieder versucht, den Menschen in schweren Zeiten Hoffnung zu bringen, und was Jesaja da verkündet, wirkt sogar völlig abgehoben, träumerisch, irrational.
Damals wie heute wollen solche heiligen Schriften, solche Texte uns Mut machen. Mit Gott gelingt uns ganz viel, was ohne ihn scheitert.


Das ist in diesen Tagen der Pandemie für uns der Aufruf, Gott zu vertrauen. Er liebt die Menschen, er hilft, er gibt Hoffnung und Zukunft. Es lohnt sich zu beten. Für die vielen Toten in Italien und überall in der Welt, für die Infizierten, die Schwerkranken, aber auch für die Ängstlichen, die Mutlosen - und natürlich für die Politiker, die zurzeit so unendlich viel Verantwortung tragen müssen, damit sich alles zum Guten wendet.

 

Nicht nur Jesaja, sondern auch das Robert-Koch-Institut gibt uns Hoffnung. Die Zahlen der Infizierten steigen weniger schnell an, heißt es. Sichere Aussagen gibt es zwar erst übermorgen, aber den Hoffnungsschimmer am Horizont können wir schon heute erkennen.

 

Beten hilft! Das neue Jerusalem kommt, in dem es uns gut geht. Nie waren Beten und Glauben auf der einen Seite und die Wissenschaft auf der anderen Seite sich so nahe wie heute. Gemeinsam wird es gut.

 

Ihr
Christoph Jansen

Sonntag, 22.03.2020

Liebe Christen,


Jesus heilt einen Blinden.
Wie blind sind wir eigentlich?
Kennen Sie das? Sie machen eine Wanderung, aber irgendwann kommt ihnen in den Sinn, dass Sie den ganzen Weg ja auch noch wieder zurück müssen. Aber der Weg ist schön und angenehm, er ist neu, sie sind ihn noch nie gegangen, und dann gehen Sie weiter. Noch eben um die nächste Kurve gucken, eben schauen, wie es weitergeht. 
Das würde ich auch gern. 
Wie geht es denn weiter mit uns?
Kann am 20. April die Schule wieder losgehen?
Wann können wir es wagen, uns wieder zu umarmen – ohne Angst, uns anzustecken?
Wie viele Menschen werden noch krank, wie viele werden nicht überleben?
Die besten Freunde, die weit weg wohnen – wann kann ich sie wieder besuchen?
Wann dürfen die Großeltern endlich wieder ihre Enkelkinder in den Arm nehmen?
Keiner weiß das.
Wir sind blind, sehen nicht, was morgen ist.

Die letzte Woche war ein Tasten, ein Raten und Ahnen. Oft habe ich daneben gelegen. 
Wie geht es weiter? Was kommt nach der nächsten Kurve des Weges?

Herr, ich will wieder sehen können!
Sehen, was morgen ist.
Sehen, was richtig ist in dieser Zeit.
Sehen, was wirklich zählt.

Vielleicht will uns diese Zeit sagen:
Ihr seht zwar, aber in die verkehrte Richtung.
Was wirklich wichtig ist, findet ihr da nicht.

Vielleicht spielt unsere Welt in dieser Zeit so verrückt, damit wir anders sehen, damit wir uns verändern.

Der Blindgeborene jedenfalls verändert sich.
Er kommt zum Glauben, sieht das Wesentliche.
Anders als die Pharisäer.

Versuchen wir einmal, mit anderen Augen zu sehen. Nicht mit den Augen des mehr oder weniger organisierten Menschen, dessen Pläne gerade über den Haufen geworfen werden.
Auch nicht mit den Augen des Krisenmanagers, der gerade tausend Dinge erledigen muss, damit das Drama, das wir erleben, nicht zur ganz großen Katastrophe wird.

Versuchen wir einfach einmal, mit den Augen Jesu zu sehen. Jesus liebt uns. Er verändert uns. Er führt alles zum Guten. 
Und er bleibt bei uns, begleitet uns.
Auch, wenn wir nicht wissen, was uns hinter der nächsten Kurve unseres Weges erwartet. 
Amen.

Samstag, 21.03.2020

Kommt, wir kehren zum Herrn zurück!
Denn er hat Wunden gerissen,
er wird uns auch heilen;
er hat verwundet, er wird auch verbinden.
Nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück,
am dritten Tag richtet er uns wieder auf,
und wir leben vor seinem Angesicht.
Lasst uns streben nach Erkenntnis,
nach der Erkenntnis des Herrn.
Er kommt so sicher wie das Morgenrot;
er kommt zu uns wie der Regen,
wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt.

 

Liebe Christen,dieser wunderschöne und anrührende Text ist mir in der Tagesliturgie von heute begegnet. Er stammt vom Propheten Kohelet und obwohl er schon sehr alt ist, mindestens 2500 Jahre, tröstet mich und uns alle, die wir unter den direkten und indirekten Folgen der Pandemie leiden. Wie wohltuend ist es zu lesen, dass bei allem Leid, bei allen Sorgen, bei allen Wunden, die jetzt aufbrechen, das große Vertrauen da ist, dass das Verwundete heilt und dass alles, was am Boden liegt, wieder aufgerichtet wird.
Besonders aber mag ich den Satz:
"Er kommt so sicher wie das Morgenrot", weil ich da immer ein ganz besonderes Bild vor Augen habe, ein vergängliches wohl, das ich Gott sei Dank in einem Foto festgehalten habe.

 

In manchen Jahren habe ich mir ganz allein eine Auszeit in meiner Hytte in Norwegen gegönnt, zuletzt im Oktober 2018. An einem Morgen war ich früh wach und sah aus dem Fenster die noch schwache Morgendämmerung, die den Südosthimmel in ein ungewöhnlich kräftiges Dunkelrot färbte. Ohne zu frühstücken lief ich schnell runter an den See und tauchte ein in ein faszinierendes Farbenmeer. Die klare Luft, das saubere, spigelglatte Wasser, der rote Himmel, die Sonne, die im nordischen Herbst unendlich lange braucht, um sich zu zeigen - ich habe nur da gesessen, am Wasser, und gestaunt.
Der Herr kommt. So sicher wie das Morgenrot.


Was für ein Morgen war das! Ich fühlte mich unendlich reich beschenkt. Und außer einigen Fotos habe ich nichts gemacht, nur da gesessen und eine unendliche Geborgenheit gefühlt.
Für euch ist es jetzt ein Geschenk, dass ich damals Bilder gemacht habe. Ich würde keins brauchen, weil die Bilder von diesem Sonnenaufgang sich in mich hineingebrannt haben, weil ich diese Morgenstunde niemals vergessen werde.
Aber so kann ich euch dieses Bild zeigen, damit ihr alle eine Ahnung von dem habt, was ich sehen durfte. Es war das wohltuende Gefühl, dass sich manchmal Himmel und Erde berühren.


Auch in der Coronakrise sagt der Sonnenaufgang uns allen: Die Erde dreht sich weiter. Und der Himmel ist nicht nur ganz weit weg, sondern er umgibt uns. Auch in der Zeit, die wir alle jetzt erleben, ist Gott unser Wegbegleiter, er lässt uns nicht allein. Und auch wenn uns in diesen Tagen so vieles fehlt, schenkt er uns doch nicht nur das, was wir zum Leben brauchen, sondern viel, viel mehr. Wir sind unendlich reich beschenkt.


Ihr Pastor

Christoph Jansen

Freitag, 20.03.2020

Liebe Christen,
im neuen Gotteslob gibt es unter der Liednummer 810 ein wunderschönes Lied, dessen Refrain und erste Strophe wunderbar in diese Zeit passt. Der Titel "Meine Zeit steht in deinen Händen" ist dem Psalm 31 entnommen. Jede Zeit unseres Lebens, auch die Zeit, die von der Pandemie überschattet ist, ist von Gott geschenkt. Und wenn es in dem Lied weiter heißt: "Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden", dann ist das genau das, was wir so dringend ersehnen.


Egal, was passiert, wir sind geborgen in Gott. Wir haben alles, was wir zum Leben brauchen. Menschen auf der Flucht, Menschen im Krieg, in Hungersnot, in bitterer Armut sind so viel schlimmer dran als wir. Wir brauchen nur die Geduld, das Vertrauen und den Mut, nach vorne zu schauen. Das "feste Herz" steht für den Mut, der manchmal fehlt.


Und wenn die erste Strophe davon redet, dass die Frage nach dem Morgen mutlos ist, wendet Gott die Mutlosigkeit in Hoffnung.
Ich lade Sie ein, das Lied zu beten oder zu singen. Spätestens in der zweiten Strophe, in der es um Hast, Eile und Zeitnot geht, also um Dinge, die uns regieren und den Blick auf das Wesentliche verstellen, merke ich, wie wohltuend es sein kann, wenn alle herunterfahren, wie wir es in diesen Tagen erleben. Ich jedenfalls freue mich über das Frühlingserwachen rund um die Warther Kirche, das ich jeden Tag vor Augen habe, über die Sonne der letzten Tage und die Ruhe, die überall spürbar ist.


Die letzte Strophe schließlich beginnt mit dem Satz: "Es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn, hilflos seh ich, wie die Zeit verrinnt". Viele Menschen werden in diesen Tagen genau so denken. Ich nicht. Ich bin sicher, dass diese Tage durchaus einen Sinn haben. Wir fasten echte spürbare Gemeinschaft für jene, deren Leben wir damit retten. Und so praktizieren wir ohne große Anstrengung wirkliche christliche Nächstenliebe.


Dass die Tage nicht verrinnen, dass wir sie vielmehr sehr intensiv erleben, spüre ich, wenn ich mir klar mache, dass genau vor einer Woche noch die Kindergärten und Schulen geöffnet waren und dass bis zum Samstag auch unsere Gottesdienste noch möglich waren. Es kommt mir vor, als sei der Zustand, den wir jetzt haben, schon viel länger da.


Meine Zeit steht in deinen Händen. Selten spüre ich so intensiv wie in diesen Tagen, dass diese Aussage wirklich stimmt.


Ihr Pastor
Christoph Jansen

Donnerstag, 19.03.2020

Liebe Christen,
ich habe noch einen analogen Terminkalender, ein kleines Buch, in das ich alle wichtigen Termine eintrage. Während im digitale Kalender im Smartphone Termine gelöscht werden können, bleiben in meinem Kalender jene Termine, die durchgestrichen sind, immer noch sichtbar.


So steht heute in meinem Kalender die heilige Messe zu Ehren des heiligen Josef in Mittelscheid. Natürlich fällt der Gottesdienst in der malerischen Kapelle, die Sie auf dem heutigen Bild sehen, aus. Das ist besonders schade, denn der heilige Josef, dessen Fest die Kirche nach dem liturgischen Kalender heute feiert und dem diese Kapelle geweiht ist, eignet sich hervorragend als Schutzpatron in dieser Zeit der Pandemie.


Josef, der Bräutigam der Jungfrau Maria, wird seit Jahrhunderten verehrt als Patron der Kranken und Leidenden. In vielen Kirchen, so zum Beispiel in Uckerath, gibt es einen Josefsaltar. Der Heilige wird oft am Bett eines Kranken oder Sterbenden dargestellt.
Inmitten der Coronakrise gibt es viele Menschen, die große Angst davor haben, krank zu werden oder gar zu sterben. Josef gilt als der Kümmerer, der Beschützer, der dafür verantwortlich war, dass Jesus unter widrigen Umständen geboren werden konnte.
Aber nicht nur die Tatsache, dass der heilige Josef als Patron der Kranken und Sterbenden verehrt wird, macht ihn mir heute sympathisch und aktuell. Auch das, was wir von ihm wissen, passt sehr gut zu unserer Situation. Denn immer wieder werden Josefs Pläne durchkreuzt.


Josef beschließt, Maria zur Frau zu nehmen, aber Gott selbst durchkreuzt seine Pläne, das Evangelium sagt, das Kind sei vom heiligen Geist - und nicht von Josef.
In die Schwangerschaft Marias, die er zur Frau nimmt, platzt der Befehl des Kaisers hinein, und aus der geplanten ruhigen Hausgeburt in Nazareth wird nichts. Unter großen Strapazen reisen beide nach Bethlehem, wo das Kind in ärmlichen Verhältnissen zur Welt kommt.


Um dem grausamen Kindermord von Bethlehem zu entgehen, geht die Reise von dort nicht wie geplant zurück in die Heimat, sondern in die Ferne, nach Ägypten, wo Josef mit den beiden, die ihm zum Schutz anvertraut sind, so lange als Flüchtling lebt, bis der blutrünstige König Herodes endlich verstorben ist.


Selbst die jährliche Wallfahrt nach Jerusalem einige Jahre später verläuft anders als erwartet, denn der zwölfjährige Jesus bleibt bekanntlich im Tempel und wird von Josef und Maria erst nach drei Tagen wiedergefunden.
Josef ist also nicht nur Patron der Kranken, sondern auch Patron aller, deren Pläne durchkreuzt werden. Er weiß, wie es uns geht, denn wir hatten so viel vor in diesen Tagen und Wochen, wollten in den Osterferien in Urlaub fahren, hatten Karten für ein Fußballspiel, ein Konzert oder Musical, wären gerne schoppen oder ins Kino gegangen, wollten mit unserer Mannschaft zusammen Sport treiben, hätten so gerne die Sonntagsmesse besucht oder in ein paar Wochen mit vielen anderen Menschen die Ostergottesdienste oder die Erstkommunion gefeiert.


Wie viele Termine haben Sie schon gestrichen? Worauf haben Sie sich richtig gefreut und könnten heulen, dass das nicht geht? Was macht Sie wütend in dieser Krise oder hilflos, weil Sie das Gefühl haben, die Dinge sind nicht mehr unter Kontrolle?
Ich lade Sie ein, den durchkreuzten Plänen nicht lange nachzutrauern. Die Zeit, die wir nicht mit geplanten Aktionen verbringen können, ist ja keine verlorene Zeit! Vielmehr wartet sie darauf, neu und gut erfüllt zu werden.
Alles, was Josef so ungeplant tun musste, konnte doch vor allem deshalb gelingen, weil er nie alleine ging, sondern weil Gott immer bei ihm war. Was konnte ihm also passieren?


Und mit allem, was wir in diesen Tagen ungeplant tun, weil das so gründlich Geplante unmöglich geworden ist, ist es ganz genauso.
Gott geht mit uns durch diese Zeit. Und wie er Josef gezeigt hat, dass man auch über neue und fremde Wege sein Ziel erreicht, zeigt er jetzt uns neue und fremde Wege.


Wenn wir wie Josef sein wollen, brauchen wir für die nächste Zeit nicht vor allem Pläne. Pläne werden aktuell dauernd über den Haufen geworfen, sie sind wertlos.
Wenn wir wie Josef sein wollen, brauchen wir Vertrauen. Gottvertrauen.
Danke, Herr, dass du mit uns auf dem Weg bist - wo auch immer er hin führt.
Amen.

 

Ihr Pastor
Christoph Jansen

Mittwoch, 18.03.2020

 

Liebe Christen,


ein Wort, dass uns in diesen Tagen immer wieder begegnet, ist das der Quarantäne. Zur Begriffserklärung habe ich einmal mein altes Konversationslexikon namens Brockhaus zur Hand genommen (ich hatte einfach keine Lust auf Wikipedia) und fand gleich die Erklärung: "Quarantäne, frz., Anzahl von 40 Tagen, Maßnahme gegen Einschleppung von Menschen- und Tierseuchen".
Die Idee, ansteckend kranke Menschen aus der Gesellschaft auszuschließen und ihre sozialen Kontakte herunterzufahren oder zu verhindern, ist schon sehr alt. Schon vor über 3000 Jahren sonderte man Menschen mit sichtbaren Krankheitssymptomen aus der Gesellschaft aus (Aussätzige), damit sie niemanden anstecken können.
Die Quarantäne im großen Stil kam im 14. Jahrhundert auf. Vor allem die Angst vor der Pest beflügelte diese Bemühungen. Hafenstädte wie Venedig und Neapel definierten vorgelagerte Inseln als Quarantäneinseln. Wenn ein Schiff in die Häfen einfahren wollte, das möglicherweise Seuchen oder ansteckende Krankheiten an Bord hatte, musste die gesamte Besatzung zunächst auf die Quarantäneinsel, bis es sicher war, dass keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Das Bild von heute zeigt übrigens den Blick von der Quarantäneinsel Odderöya auf die norwegische Hafenstadt Kristiansand.
Ein großer Unterschied zu den "alten" Seuchen ist heute unser größtes Problem. Krankheiten wie Lepra und Pest zeigen sichtbare Symptome, schnell kann herausgefunden werden, wer erkrankt ist und wer nicht. Das Coronavirus hingegen ist unsichtbar. Also müssen wir alle eine Art Quarantäne erdulden. 40 Tage Pause.


Aber warum mussten es 40 Tage sein?


Seit dem Mittelalter ging man davon aus, dass akute Krankheiten höchstens 40 Tage dauern können. In den meisten Fällen bewahrheitete sich dies auch. Selbst die Corona-Erkrankung dauert beim Einzelnen, der infiziert ist, keine 40 Tage, sondern hier geht man heute von nur 14 Tagen aus, weshalb die angeordnete Quarantäne im aktuellen Fall nicht länger dauert.


Die Zahl 40 hat natürlich ganz viel mit unserer Glaubenstradition zu tun. 40 Jahre lang dauerte es, bis das Volk Israel aus der Gefangenschaft heraus das gelobte Land erreichte - Israel war also unendlich lange in Quarantäne, isoliert in der Wüste, um zu sich selbst zu finden und um schließlich befreit zu werden.


Jesus begab sich für 40 Tage in die Wüste, bevor er seine ersten Wunder tat. Er fastete und betete - und er widerstand den Versuchungen, die auf ihn einwirkten.


Auch die Fastenzeit dauert 40 Tage, das ist kein Zufall. Durch Fasten und beten werden wir wacher für das Wichtige im Leben, hellhöriger für die Sorge und Not der Menschen, klarer in unseren Sichtweisen und Beurteilungen.
Am vergangenen Sonntag hat eine Art Quarantäne für uns alle begonnen. Haben wir jetzt Geduld! Vielleicht dauert es wirklich 40 Tage, bis wir klarer sehen, wie es weitergeht mit unserem Land, unserer Erde, dieser Viruserkrankung. Ich verlasse mich auf diese 40 Tage. Dass das Coronavirus dann keine Rolle mehr spielt, glaube ich zwar nicht, aber ich bin sicher, dass wir nach dieser Zeit klarer sehen, besser wissen, wie es mit uns weitergeht und auch wieder etwas planen können.


Lassen wir uns in dieser Zeit heilsam verändern! Erkennen wir, was wirklich wichtig ist im Leben. Reduzieren wir uns auf das Wesentliche, damit wir umso dankbarer sind für alle Dinge, die uns darüberhinaus so selbstverständlich immer wieder geschenkt werden. Das wünsche ich Ihnen am vierten Tag der anderen Fastenzeit.


Ihr Pastor
Christoph Jansen

Dienstag, 17.03.2020

 

Liebe Christen in unseren Gemeinden,


kommt es Ihnen auch so vor, als würden die Glocken in dieser stillen Zeit lauter läuten?
Sie rufen in diesen Tagen zwar nicht zum Gottesdienst, aber zum Gebet, das so wichtig ist.
Seit vielen Jahrhunderten gibt es das Geläut, um zum (Angelus-) Gebet aufzufordern. Morgens zwischen 6 und 7 Uhr, mittags gegen 12 Uhr und abends zwischen 18 und 18:30 Uhr werden wir daran erinnert, dass wir in Gottes Hand sind - und dass er durch die Zeit und durch den Tag mit uns geht und uns begleitet.


Das Läuten am Morgen, Mittag und Abend hatte in den vergangenen Jahrhunderten übrigens auch eine wichtige gesellschaftliche Funktion. In der Frühe war es die Aufforderung, aufzustehen und den Tag zu beginnen. Am Mittag rief die Glocke zur Mittagspause und am Abend zum wohlverdienten Feierabend. So hat das Geläut bis heute eine geistliche, aber auch eine weltliche Dimension.
Seit heute kommt ein viertes Läuten jeden Tag hinzu. Bis einschließlich Gründonnerstag werden die Kirchenglocken auch um 19:30 noch einmal läuten. Dieses Geläut soll alle eindringlich dazu auffordern, um Bewältigung der Corona-Krise zu beten. Ein entsprechendes Gebet finden Sie in unseren Pfarrnachrichten oder auch hier.

 

Herr, Du Gott des Lebens,
betroffen von der Not der Corona-Krise kommen wir zu Dir.
Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist
und bitten um Heilung für alle Erkrankten.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.
Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie,
gib allen Pflegenden Kraft in dieser extremen Belastung.
Schenke den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.
Sei allen Frauen und Männern nahe, die gewissenhaft
die Versorgung und Infrastruktur unseres Landes aufrecht erhalten.
Sei du bei allen, die in Panik sind oder von Angst überwältigt werden.
Wir beten für alle, die großen Schaden erleiden oder befürchten.

Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen, die sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben.
Stärke die Herzen der alten und pflegebedürftigen Menschen, berühre sie mit Deiner Sanftheit und gib ihnen die Gewissheit, dass wir trotz allem miteinander verbunden sind.
Hilf, dass die Epidemie bald abschwillt und dass die medizinischen Einrichtungen und Ressourcen den aktuellen Anforderungen gerecht werden können.


Lass die Zahlen der Infizierten und Erkrankten zurückgehen.

Guter Gott, mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund verbringen.
Lass uns nie vergessen, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist.
Du allein bist Ursprung und Ziel von allem, Du allein bist ewig, immer liebend. Dein Heiliger Geist bewahre unsere Herzen in der Dankbarkeit.
Getragen von einem tiefen Frieden werden wir die Krise bestehen.
Herr, bleibe bei uns.

Amen.

 

Ihr Christoph Jansen, Pfr.

Montag, 16.03.2020

 

Liebe Christen!


Heute haben sich wieder die Ereignisse überschlagen. In der Nacht hat die Stadt Hennef beschlossen, alle Veranstaltungen und Gottesdienste zu verbieten - bis zum Weißen Sonntag einschließlich.
Und ich hatte mich so auf Ostern gefreut, auf dieses besondere Fest der Auferstehung, nach der Coronazeit erst recht - und natürlich auf fröhliche Erstkommunionfeiern in der Warth und in Uckerath.


In diesem Jahr ist alles anders. Wir werden Ostern in Stille feiern, zuhause eine Kerze anzünden, und wir werden - wie so oft in diesen Tagen - denken: Alles ist so anders, so ungewohnt, so still.


Aber das erste Ostern war doch auch so! Als Jesus auferstanden ist, war er ganz alleine. Und keiner hat es gesehen.
Wir müssen also am Ostersonntag, am ersten Tag der Woche, anstatt gemeinsam zu feiern wie immer, mit Jesus nach Emmaus gehen. Mit der Ungewissheit der beiden Jünger, die mit ihm auf dem Weg sind und mit den Fragen, wie denn alles weitergehen kann.
Sie erkannten ihn, als er das Brot brach. Und alle Ungewissheit, alle Fragen hatten auf einmal eine Antwort.


Ich freue mich auf den Tag, an dem wir wieder gemeinsam das Brot brechen und empfangen. Dann ist Ostern. Vielleicht ist es Ende April oder irgendwann im Mai oder Juni, wer kann das heute schon sagen? Aber dieser Tag kommt. Und es wird ein wahrhaft österlicher Tag sein.
Freuen Sie sich darauf - mit mir.

 

Ihr Christoph Jansen