Predigten in Zeiten von Corona

Sonntag, 29.03.2020

Tiefe Finsternis hat sich auf unsere Plätze, Straßen und Städte gelegt; sie hat sich unseres Lebens bemächtigt und alles mit einer ohrenbetäubenden Stille und einer trostlosen Leere erfüllt, die alles im Vorbeigehen lähmt.

 

So hat am Freitag Papst Franziskus seine Ansprache vor dem menschenleeren Petersdom auf dem menschenleeren Petersplatz in Rom begonnen.

 

Ohrenbetäubende Stille.

 

Ich kann nachspüren, was er meint.

Rom ist eine laute Stadt. Es sind immer so viele Menschen unterwegs. Immer hört man von irgendwo ein Martinshorn. 

Rom ohne Tatütata geht gar nicht.

 

Und dann hat der Papst still vor dem Allerheiligsten gebetet.

Da habe ich sie im Fernsehen auch gehört,

diese ohrenbetäubende Stille.

Erst dachte ich, dass es vielleicht daran liegt, dass die Mikrofone nicht so empfindlich sind, die sonst so laute Stadt einzufangen, aber dann schwenkte die Kamera auf den Platz, und ganz hinten, am Ende der Kolonnaden, da sah ich im Fernsehgerät einen Polizeiwagen. Und ich hörte klar und deutlich den Motor des Wagens.

 

Es war keine Illusion, die Stille war wirklich ohrenbetäubend.

 

Wenn ein ganz lieber Mensch gestorben ist, gibt es diese ohrenbetäubende Stille auch. Wenn jedes Gespräch gesprochen, jeder Kondolenzgruß vorbei ist, wenn alles, was organisiert werden musste, organisiert ist, dann kommt die Stille, vor der viele Trauernde sich fürchten.

 

Diese bedrückende Stille im Evangelium wird durchbrochen von einem Vorwurf.

 

„Herr, wärst du hier gewesen,

dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“

 

Jesus antwortet gar nicht auf den Vorwurf seiner Freundin Maria, sondern er geht mit ihr und den Trauernden zum Grab und weint.

 

Die ohrenbetäubende Stille der ohnmächtig trauernden Menschen ergreift ihn.

Er weint mit den Weinenden.

Das tut er auch heute mit uns, mitten in den Tagen der Pandemie. 

Er trauert mit uns, leidet mit, weint mit.

Jesus weint ja am Grab des Lazarus nicht, weil Lazarus gestorben ist und damit seinen Weg hin zu Gott und zum ewigen Leben begonnen hat, sondern er weint, weil er sieht, wie seine Freundinnen und Freunde trauern.

Sie fühlen sich angesichts des toten Freundes hilflos, machtlos und ohne Hoffnung.

Sie glauben fest daran, dass Jesus Kranke heilen kann, aber jetzt ist Lazarus tot. Jesus kommt zu spät. 

 

Das letzte Bild der Geschichte, die der Evangelist Johannes uns heute berichtet, ist wie aus einem Horrorfilm, so einem mit Zombies.

 

Lazarus kommt heraus. Hände, Füße und Kopf sind verbunden. Vier Tage ist er schon tot gewesen. Er riecht schon, die Verwesung hat bereits eingesetzt. Ein Wunder, dass die Leute nicht schreiend weggelaufen sind.

 

Aber sie kommen zum Glauben. Das ist vielleicht das größte Wunder in dieser Erzählung. 

 

Schon jetzt, in der aktuellen Phase der Pandemie, gibt es viele Menschen, die mit Gott hadern. Wie jene Maria, die Jesus den Vorwurf macht: Wärest du hier gewesen…

 

Dabei ist Jesus hier, mit uns in der Krise vereint. Lassen wir ihm Zeit, mit uns zu weinen und zu klagen.

Er wird auf seine Art die ohrenbetäubende Stille beenden. Die Macht dazu hat er.

Er wird uns aus der Zeit der Pandemie retten – und viele, die sich infiziert haben, werden gesund.

Aber er heilt nicht nur, sondern er besiegt sogar den Tod und rettet so auch jene, die bereits an den Folgen der Infektion verstorben sind und die noch sterben werden. 

Denn was er seiner Freundin Martha sagt, das sagt er uns auch.

 

Ich bin die Auferstehung und das Leben.

Wer an mich glaubt, wird leben, 

auch wenn er stirbt,

und jeder, der lebt und an mich glaubt,

wird in Ewigkeit nicht sterben.

 

Amen.

Samstag, 28.03.2020

Ihr Lieben,
gestern hat Papst Franziskus vom menschenleeren Petersplatz uns alle gesegnet, die ganze Welt. Er wollte mit dem Welt-Segen "Urbi et Orbi" alle Menschen trösten und ihnen Hoffnung geben. Unsere Erde, auch die Menschheit ist nicht von Gott verlassen, vielleicht schläft er nur und ist uns ganz nahe.

 

Dem besonderen Segen hat Franziskus eine Begebenheit vorangestellt, die im Markusevangelium berichtet wird.

"Die Jünger schickten die Leute fort und fuhren mit Jesus in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn.
Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief.


Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?
Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.
Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?"

 

Der Papst hat mit dem Evangelium vom Sturm auf dem See eine frohe Botschaft ausgewählt, die genau in unsere Situation hineinpasst.

Wir glauben, alles im Griff zu haben, alles alleine zu schaffen.
Auch die Jünger glauben, alles im Griff zu haben. Sie sind Fischer am See, kennen die unterschiedlichsten Wetterphänomene, wissen, wie ihr Boot reagiert, aber jetzt kommen sie an ihre Grenzen. All ihr Wissen, ihre Routine, ihre Vertrautheit mit Boot und See, Wind und Wetter hilft ihnen nicht mehr weiter. Angst überwältigt und lähmt sie. Die Hoffnung, jemals aus dieser bedrohlichen Lage herauszukommen, schwindet.

 

Jesus schläft. Ihm macht der Sturm nichts aus. Er weiß sich geborgen in der Liebe des Vaters, die er allen wieder und wieder verkündet. Schlafen kann er nur, weil er keine Angst hat. Und doch reicht es den Jüngern nicht aus, dass dieser furchtlose, schlafende Jesus mit den Jüngern im selben Boot ist. Sie wecken ihn mit den Worten: Kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?

 

Für Jesus aber ist klar: Wir gehen nicht zugrunde. Sein und unser Vater lässt ihn nicht untergehen. Nicht im Boot, nicht am Kreuz, nicht im Tod. Da reicht es, dass er bei uns ist.

Jesus steht auf, droht dem Wind und befiehlt dem See, still zu sein. Er sagt das nicht, damit Sturm und Wellen es hören und Angst kriegen, sondern damit seine Jünger es hören. Wie er brauchen auch sie keine Angst zu haben, sie sind ja nicht allein.

 

Der sakramentale Segen des Papstes für die Stadt und die Welt soll allen Menschen sagen: Ihr seid nicht allein in dieser Zeit. Seht nur, Jesus ist bei euch. Er hat keine Angst, also braucht auch ihr keine Angst zu haben.

 

Das ewige Licht am Tabernakel unserer Kirchen ist auch ein solches Zeichen, ebenso die Osterkerze. Wir sind nicht allein in dieser Zeit, sondern Jesus, der stärker ist als der Tod, begleitet uns.

 

Christoph Jansen

Freitag, 27.03.2020

Heute war die Leserbriefseite meiner Tageszeitung voll von empörten Beiträgen. Der Bonner Stadtdirektor hatte dazu aufgerufen, Verstöße gegen das Kontaktverbot zu melden. Viele sehen darin den Aufruf, andere zu denunzieren und anzuklagen.

Sicher, die Eindämmung des Coronavirus ist wichtig und unser aller Ziel, aber wer andere denunziert, anklagt, verurteilt oder verrät, verstößt gegen das wichtigste Gebot, nämlich gegen das der Nächstenliebe.

 

Vielleicht denken Sie jetzt, dass die Missachtung des Kontaktverbotes ebenfalls dem Gebot der Nächstenliebe widerspricht, weil jene, die sich vor dem Virus nicht ausreichend schützen, sich und andere mit ihrem Verhalten gefährden. Das ist selbstverständlich richtig, aber rechtfertigt das Fehlverhalten der anderen den Verrat, die Vorverurteilung?


Weiß ich denn, ob andere das Kontaktverbot leichtfertig missachten?
Vielleicht treffe ich auf eine Großfamilie, ergänzt durch Großeltern in derselben häuslichen Gemeinschaft, die gemeinsam unterwegs sind und es sein dürfen.
Vielleicht leidet die dritte Person in der Gruppe, die mir begegnet, so sehr an der verordneten physischen Einsamkeit, dass es das kleinere Übel ist, gemeinsam zu gehen.


Und vielleicht trifft der, der andere verurteilt, abends in seinem Haus, wo das Ordnungsamt nicht hinkommt, zahlreiche Freundinnen und Freunde und setzt sich seine Gäste der allseits bekannten Ansteckungsgefahr aus, weil die Regeln, die im öffentlichen Raum gelten, im privaten Umfeld nicht geahndet werden.

 

Jesus hat auf dieses Dilemma, was richtig ist, eine passende Antwort, ein Bildwort, das klar macht, was wir tun können. Er sagt:

"Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.


Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?"
(Mt 7, 1.3)

Jesus sagt mir: Sieh zuerst einmal auf dich. Was tust du? Was davon ist gut und was schlecht? Was sind deine Fehler?

Er sagt nicht: Suche so lange die Fehler bei dem Anderen, bis du welche gefunden hast, und wenn sie auch noch so klein sind.

Seine Frage lautet immer: Was kannst du tun?
Er fragt niemals: Was machen die anderen?

 

Andere Menschen erziehen oder verändern, das ist eine unendlich schwere und oft erfolglose Mission.

Sich selbst verändern ist viel besser, viel eher erfolgreich. Auch wenn es viel schwerer ist, sich selber ehrlich zu beurteilen, als mit dem Finger auf andere zu zeigen.

 

Das gilt übrigens nicht nur in Zeiten der Coronakrise, sondern immer.

Die Fastenzeit ist eine Zeit der Umkehr. Vielleicht sind die ungewöhnlichen Tage dieser Fastenzeit eine ganz besondere Chance, dieses Umkehren ernst zu nehmen. Zukunftsforscher und Sozialwissenschaftler reden längst nicht mehr nur von den Kosten und Gefahren der Pandemie, sondern immer häufiger von den Chancen, dass sich die Gesellschaft - und das ist jeder Einzelne von uns - zum Positiven verändert.

Sehen wir auf unsere Schwachstellen. Versuchen wir, uns zum Guten zu verändern.

 

Und im Blick auf die anderen, die vermeintlichen Sünder denken wir an das, was Jesus der Sünderin sagt:

Auch ich verurteile dich nicht.
Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.

 

Viele Grüße vom Warther Kirchberg

Christoph Jansen

Donnerstag, 26.03.2020

Ich will eure Nachkommen zahlreich machen
wie die Sterne am Himmel.

 

In der Krise baut Gott Mose und das Volk Israel auf.
Lange schon sind sie in der Wüste unterwegs und der Weg wird lang. Manch einer glaubt, das Ziel ist unerreichbar.

Die ganze Welt hat sich auf einen Weg ins Ungewisse gemacht. Und so viele Fragen kommen auf.

Können wir im Mai unsere Hochzeit feiern?


Wann ist denn Erstkommunion, wenn der Weiße Sonntag abgesagt ist?

Findet das Firmwochenende statt?

Was ist mit dem Kinderferienlager? Können wir Ende Juli wieder reisen?

 

Die ehrlichste Antwort, die ich in den letzten Tagen gegeben habe, war: Ich weiß es nicht.

Damit bin ich in einer ähnlichen Situation wie Mose. Wie oft werden die Israeliten gefragt haben: Wie lange noch? Wie geht es weiter? Was kommt als nächstes?

 

Und Mose konnte nur sagen: "Ich weiß es nicht".

Da bauten sich die Israeliten einen anderen Gott, ein goldenes Kalb. Das sagte nämlich nicht: "Ich weiß es nicht". Das Kalb sagte einfach gar nichts. Und es brachte die Menschen auch nicht weiter.

In der Lesung von heute erleben wir einen Gott, der lernt. Eine ganz komische Vorstellung! Aber warum nicht?

Das Volk in der Wüste tanzt um das goldene Kalb. Gott zürnt seinem Volke, er ist sauer.


Er will das Volk bestrafen oder sogar vernichten.

Aber vielleicht braucht das Volk einfach andere Antworten, eine andere Perspektive und nicht dauernd dieses "Ich weiß es nicht".

Wir alle wissen, wie die Geschichte vom Auszug endet. Das Volk Israel erreicht nach vierzig Wüstenjahren das gelobte Land, in dem Milch und Honig fließt.

 

Ich bin ganz gespannt, was auf uns wartet nach diesem Weg durch das Ungewisse, nach dieser Corona-Situation.

Wie lange es dauert? Ich weiß es nicht.
Wie viele Einschränkungen es noch gibt? Keine Ahnung.
Ob ich mich wohl infiziere? Wer kann das wissen?

 

Aber wie damals in den Wüstenjahren des Exodus weiß ich, dass Gott bei mir, bei uns ist.
Und ich weiß auch, dass er uns seine Pläne meistens nicht verrät. Das hat er schon damals nicht getan.

Ich bin gespannt, wo er uns heute hin führt.

 

Ihr und euer
Christoph Jansen

Mittwoch, 25.03.2020

Liebe Christen,
freuen Sie sich eigentlich schon auf Weihnachten?

 

Während Sie diese Frage lesen, werden Sie denken: Was für eine blödsinnige Frage, in diesen Zeiten haben wir wirklich andere Sorgen.

Ich freue mich drauf.
Gott wird Mensch wie wir.
Unsere Sorgen, unsere Not und Angst, unsere Freude, unseren Schmerz, auch unsere Unzulänglichkeiten will er teilen.

Indem Gott Mensch wird, identifiziert er sich mit uns, begibt sich mit uns auf dieselbe Ebene. Der Schöpfer der Welt macht sich klein, um bei uns zu sein.

 

Heute feiern wir den Advent, die Ankunft des Herrn in unserer Welt, der für Maria neun Monate dauerte. Gott wird Mensch, damit er uns begleiten kann durch die Zeiten unseres Lebens, auch durch diese Zeit, in der alles anders ist.

Aber ist jetzt nicht erst einmal Ostern "dran"? Hat Weihnachten nicht noch Zeit?

 

Wenn wir Feste unseres Glaubens feiern, feiern wir immer den ganzen Glauben, nicht nur einen Teil. Weihnachten und Ostern sind so sehr miteinander verbunden, dass das eine Fest ohne das andere nicht denkbar ist. Nur weil Gott Mensch wird, kann er durch seine Auferstehung den Tod besiegen. Nur, weil er der eine Mensch ist, der stärker ist als der Tod, kann er bei uns sein bis zum Ende der Welt.

 

Ich freue mich auf Weihnachten. Gerade weil Ostern, das Fest der Auferstehung, in diesem Jahr nicht in gewohnter Weise gefeiert werden kann, weiß ich doch: Gott wird für mich Mensch, weil er mich liebt.

 

Und ich habe die Hoffnung, dass wir Weihnachten wieder so feiern können, wie wir es immer feiern konnten, nämlich in der großen Gemeinschaft der Gläubigen in den Kirchen und in der kleinen Gemeinschaft der Familie, in der Großeltern und Enkel wieder zusammen feiern dürfen. Nur vielleicht mit einer größeren Dankbarkeit als in den vergangenen Jahren, weil wir in diesen Tagen erkennen, dass eine so spürbare Gemeinschaft nicht selbstverständlich ist, sondern ein ganz großes Geschenk.

 

Ihr Pastor

Christoph Jansen

Dienstag, 24.03.2020

Liebe Christen,


wie geht der Weg weiter?
Was erwartet uns hinter der nächsten Kurve?
Es ist weniger die Angst vor der Ansteckung, die viele Menschen unruhig macht, sondern mehr die fehlende Planungssicherheit.
Unser Leben ist so sehr durchgeplant, dass die plötzliche Ruhe, die wohl noch einige Zeit andauern wird, belastend wirkt.
Im Gegenteil, die Zeit zuhause befreit.


So viele allzu wichtige Termine und Treffen sind plötzlich nicht mehr möglich, weil es ein Ziel gibt, das größer und wichtiger ist als all das , was uns sonst in Atem hält.

Der Weg ist kurvig, aber das Bild zeigt ihn auch beschienen von den letzten Sonnenstrahlen des Tages. Dunkelheit bedroht uns - in vieler Hinsicht.

 

Wird mein kleiner Betrieb die Krise überstehen?
Was ist, wenn ich angesteckt werde?
Wie gehe ich damit um, wenn Menschen aus meinem direkten Umfeld krank werden, vielleicht schwer?
Was passiert, wenn es um mich herum dunkel wird?

 

Ein recht bekanntes geistliches Lied kommt mir in den Sinn:
"In der Mitte der Nacht liegt der Anfang eines neuen Tags
und in ihrer dunklen Erde blüht die Hoffnung".

Vielleicht wird uns nicht gefallen, was wir hinter der nächsten Wegbiegung sehen.
Vielleicht wird es zwischendurch zu dunkel, zu lang, zu schwer.
Aber es ist nicht das Ende.

 

Alle reden von einer Krise.
Die Krise, so schreiben die Lexika, ist der Höhepunkt oder Wendepunkt einer bedrohlichen oder problematischen Entwicklung, der immer auch die Chance zur Lösung des Problems birgt.

 

In der Mitte der Nacht liegt der Anfang eines neuen Tags.

Damit diese Krise einen guten Verlauf nimmt, sich also alles zum Guten wendet, empfiehlt sich das Gebet.
Christus selbst wird oft Heiland genannt. Er ist es, der die Wunden, die Krankheiten, am Ende die ganze Welt heilt.

Ganz egal, wie dunkel es auf unserem Weg wird, wie weit er noch ist oder was uns auf dem Weg alles erwartet, er ist bei uns. Im Beten wird mir das immer bewusst.

 

Vertrauen wir. Und haben wir Geduld.
Vielleicht sehen wir nach der nächsten Biegung unseres Weges schon das Ziel - Wer weiß?

 

Ihr Pastor Christoph Jansen

Montag, 23.03.2020

Liebe Christen,

In der Messe vom 4. Montag der Fastenzeit, also von heute, heißt es in der Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 65, 17-21):

 

"So spricht der Herr:
Ihr sollt euch ohne Ende freuen
und jubeln über das, was ich erschaffe.
Denn ich mache aus Jerusalem Jubel
und aus seinen Einwohnern Freude.
Ich will über Jerusalem jubeln
und mich freuen über mein Volk.
Nie mehr hört man dort lautes Weinen
und lautes Klagen.
Es gibt keinen Säugling mehr,
der nur wenige Tage lebt
und keinen Greis, der nicht das volle Alter erreicht;
wer als Hundertjähriger stirbt, gilt noch als jung."

 

Dieser Text ist über 2500 Jahre alt und fällt in die Zeit, in der nach dem Exil der Tempel von Jerusalem wieder aufgebaut werden konnte. Eine Mauer des Tempels ist heute die Klagemauer, das große Heiligtum der Juden, während auf dem Tempelberg, also dort, wo das Zentrum des großen Tempels stand, heute der Felsendom als muslimisches Heiligtum steht.

 

Viele Propheten und Heilige haben immer wieder versucht, den Menschen in schweren Zeiten Hoffnung zu bringen, und was Jesaja da verkündet, wirkt sogar völlig abgehoben, träumerisch, irrational.
Damals wie heute wollen solche heiligen Schriften, solche Texte uns Mut machen. Mit Gott gelingt uns ganz viel, was ohne ihn scheitert.


Das ist in diesen Tagen der Pandemie für uns der Aufruf, Gott zu vertrauen. Er liebt die Menschen, er hilft, er gibt Hoffnung und Zukunft. Es lohnt sich zu beten. Für die vielen Toten in Italien und überall in der Welt, für die Infizierten, die Schwerkranken, aber auch für die Ängstlichen, die Mutlosen - und natürlich für die Politiker, die zurzeit so unendlich viel Verantwortung tragen müssen, damit sich alles zum Guten wendet.

 

Nicht nur Jesaja, sondern auch das Robert-Koch-Institut gibt uns Hoffnung. Die Zahlen der Infizierten steigen weniger schnell an, heißt es. Sichere Aussagen gibt es zwar erst übermorgen, aber den Hoffnungsschimmer am Horizont können wir schon heute erkennen.

 

Beten hilft! Das neue Jerusalem kommt, in dem es uns gut geht. Nie waren Beten und Glauben auf der einen Seite und die Wissenschaft auf der anderen Seite sich so nahe wie heute. Gemeinsam wird es gut.

 

Ihr
Christoph Jansen

Sonntag, 22.03.2020

Liebe Christen,


Jesus heilt einen Blinden.
Wie blind sind wir eigentlich?
Kennen Sie das? Sie machen eine Wanderung, aber irgendwann kommt ihnen in den Sinn, dass Sie den ganzen Weg ja auch noch wieder zurück müssen. Aber der Weg ist schön und angenehm, er ist neu, sie sind ihn noch nie gegangen, und dann gehen Sie weiter. Noch eben um die nächste Kurve gucken, eben schauen, wie es weitergeht. 
Das würde ich auch gern. 
Wie geht es denn weiter mit uns?
Kann am 20. April die Schule wieder losgehen?
Wann können wir es wagen, uns wieder zu umarmen – ohne Angst, uns anzustecken?
Wie viele Menschen werden noch krank, wie viele werden nicht überleben?
Die besten Freunde, die weit weg wohnen – wann kann ich sie wieder besuchen?
Wann dürfen die Großeltern endlich wieder ihre Enkelkinder in den Arm nehmen?
Keiner weiß das.
Wir sind blind, sehen nicht, was morgen ist.

Die letzte Woche war ein Tasten, ein Raten und Ahnen. Oft habe ich daneben gelegen. 
Wie geht es weiter? Was kommt nach der nächsten Kurve des Weges?

Herr, ich will wieder sehen können!
Sehen, was morgen ist.
Sehen, was richtig ist in dieser Zeit.
Sehen, was wirklich zählt.

Vielleicht will uns diese Zeit sagen:
Ihr seht zwar, aber in die verkehrte Richtung.
Was wirklich wichtig ist, findet ihr da nicht.

Vielleicht spielt unsere Welt in dieser Zeit so verrückt, damit wir anders sehen, damit wir uns verändern.

Der Blindgeborene jedenfalls verändert sich.
Er kommt zum Glauben, sieht das Wesentliche.
Anders als die Pharisäer.

Versuchen wir einmal, mit anderen Augen zu sehen. Nicht mit den Augen des mehr oder weniger organisierten Menschen, dessen Pläne gerade über den Haufen geworfen werden.
Auch nicht mit den Augen des Krisenmanagers, der gerade tausend Dinge erledigen muss, damit das Drama, das wir erleben, nicht zur ganz großen Katastrophe wird.

Versuchen wir einfach einmal, mit den Augen Jesu zu sehen. Jesus liebt uns. Er verändert uns. Er führt alles zum Guten. 
Und er bleibt bei uns, begleitet uns.
Auch, wenn wir nicht wissen, was uns hinter der nächsten Kurve unseres Weges erwartet. 
Amen.

Samstag, 21.03.2020

Kommt, wir kehren zum Herrn zurück!
Denn er hat Wunden gerissen,
er wird uns auch heilen;
er hat verwundet, er wird auch verbinden.
Nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück,
am dritten Tag richtet er uns wieder auf,
und wir leben vor seinem Angesicht.
Lasst uns streben nach Erkenntnis,
nach der Erkenntnis des Herrn.
Er kommt so sicher wie das Morgenrot;
er kommt zu uns wie der Regen,
wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt.

 

Liebe Christen,dieser wunderschöne und anrührende Text ist mir in der Tagesliturgie von heute begegnet. Er stammt vom Propheten Kohelet und obwohl er schon sehr alt ist, mindestens 2500 Jahre, tröstet mich und uns alle, die wir unter den direkten und indirekten Folgen der Pandemie leiden. Wie wohltuend ist es zu lesen, dass bei allem Leid, bei allen Sorgen, bei allen Wunden, die jetzt aufbrechen, das große Vertrauen da ist, dass das Verwundete heilt und dass alles, was am Boden liegt, wieder aufgerichtet wird.
Besonders aber mag ich den Satz:
"Er kommt so sicher wie das Morgenrot", weil ich da immer ein ganz besonderes Bild vor Augen habe, ein vergängliches wohl, das ich Gott sei Dank in einem Foto festgehalten habe.

 

In manchen Jahren habe ich mir ganz allein eine Auszeit in meiner Hytte in Norwegen gegönnt, zuletzt im Oktober 2018. An einem Morgen war ich früh wach und sah aus dem Fenster die noch schwache Morgendämmerung, die den Südosthimmel in ein ungewöhnlich kräftiges Dunkelrot färbte. Ohne zu frühstücken lief ich schnell runter an den See und tauchte ein in ein faszinierendes Farbenmeer. Die klare Luft, das saubere, spigelglatte Wasser, der rote Himmel, die Sonne, die im nordischen Herbst unendlich lange braucht, um sich zu zeigen - ich habe nur da gesessen, am Wasser, und gestaunt.
Der Herr kommt. So sicher wie das Morgenrot.


Was für ein Morgen war das! Ich fühlte mich unendlich reich beschenkt. Und außer einigen Fotos habe ich nichts gemacht, nur da gesessen und eine unendliche Geborgenheit gefühlt.
Für euch ist es jetzt ein Geschenk, dass ich damals Bilder gemacht habe. Ich würde keins brauchen, weil die Bilder von diesem Sonnenaufgang sich in mich hineingebrannt haben, weil ich diese Morgenstunde niemals vergessen werde.
Aber so kann ich euch dieses Bild zeigen, damit ihr alle eine Ahnung von dem habt, was ich sehen durfte. Es war das wohltuende Gefühl, dass sich manchmal Himmel und Erde berühren.


Auch in der Coronakrise sagt der Sonnenaufgang uns allen: Die Erde dreht sich weiter. Und der Himmel ist nicht nur ganz weit weg, sondern er umgibt uns. Auch in der Zeit, die wir alle jetzt erleben, ist Gott unser Wegbegleiter, er lässt uns nicht allein. Und auch wenn uns in diesen Tagen so vieles fehlt, schenkt er uns doch nicht nur das, was wir zum Leben brauchen, sondern viel, viel mehr. Wir sind unendlich reich beschenkt.


Ihr Pastor

Christoph Jansen

Freitag, 20.03.2020

Liebe Christen,
im neuen Gotteslob gibt es unter der Liednummer 810 ein wunderschönes Lied, dessen Refrain und erste Strophe wunderbar in diese Zeit passt. Der Titel "Meine Zeit steht in deinen Händen" ist dem Psalm 31 entnommen. Jede Zeit unseres Lebens, auch die Zeit, die von der Pandemie überschattet ist, ist von Gott geschenkt. Und wenn es in dem Lied weiter heißt: "Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden", dann ist das genau das, was wir so dringend ersehnen.


Egal, was passiert, wir sind geborgen in Gott. Wir haben alles, was wir zum Leben brauchen. Menschen auf der Flucht, Menschen im Krieg, in Hungersnot, in bitterer Armut sind so viel schlimmer dran als wir. Wir brauchen nur die Geduld, das Vertrauen und den Mut, nach vorne zu schauen. Das "feste Herz" steht für den Mut, der manchmal fehlt.


Und wenn die erste Strophe davon redet, dass die Frage nach dem Morgen mutlos ist, wendet Gott die Mutlosigkeit in Hoffnung.
Ich lade Sie ein, das Lied zu beten oder zu singen. Spätestens in der zweiten Strophe, in der es um Hast, Eile und Zeitnot geht, also um Dinge, die uns regieren und den Blick auf das Wesentliche verstellen, merke ich, wie wohltuend es sein kann, wenn alle herunterfahren, wie wir es in diesen Tagen erleben. Ich jedenfalls freue mich über das Frühlingserwachen rund um die Warther Kirche, das ich jeden Tag vor Augen habe, über die Sonne der letzten Tage und die Ruhe, die überall spürbar ist.


Die letzte Strophe schließlich beginnt mit dem Satz: "Es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn, hilflos seh ich, wie die Zeit verrinnt". Viele Menschen werden in diesen Tagen genau so denken. Ich nicht. Ich bin sicher, dass diese Tage durchaus einen Sinn haben. Wir fasten echte spürbare Gemeinschaft für jene, deren Leben wir damit retten. Und so praktizieren wir ohne große Anstrengung wirkliche christliche Nächstenliebe.


Dass die Tage nicht verrinnen, dass wir sie vielmehr sehr intensiv erleben, spüre ich, wenn ich mir klar mache, dass genau vor einer Woche noch die Kindergärten und Schulen geöffnet waren und dass bis zum Samstag auch unsere Gottesdienste noch möglich waren. Es kommt mir vor, als sei der Zustand, den wir jetzt haben, schon viel länger da.


Meine Zeit steht in deinen Händen. Selten spüre ich so intensiv wie in diesen Tagen, dass diese Aussage wirklich stimmt.


Ihr Pastor
Christoph Jansen

Donnerstag, 19.03.2020

Liebe Christen,
ich habe noch einen analogen Terminkalender, ein kleines Buch, in das ich alle wichtigen Termine eintrage. Während im digitale Kalender im Smartphone Termine gelöscht werden können, bleiben in meinem Kalender jene Termine, die durchgestrichen sind, immer noch sichtbar.


So steht heute in meinem Kalender die heilige Messe zu Ehren des heiligen Josef in Mittelscheid. Natürlich fällt der Gottesdienst in der malerischen Kapelle, die Sie auf dem heutigen Bild sehen, aus. Das ist besonders schade, denn der heilige Josef, dessen Fest die Kirche nach dem liturgischen Kalender heute feiert und dem diese Kapelle geweiht ist, eignet sich hervorragend als Schutzpatron in dieser Zeit der Pandemie.


Josef, der Bräutigam der Jungfrau Maria, wird seit Jahrhunderten verehrt als Patron der Kranken und Leidenden. In vielen Kirchen, so zum Beispiel in Uckerath, gibt es einen Josefsaltar. Der Heilige wird oft am Bett eines Kranken oder Sterbenden dargestellt.
Inmitten der Coronakrise gibt es viele Menschen, die große Angst davor haben, krank zu werden oder gar zu sterben. Josef gilt als der Kümmerer, der Beschützer, der dafür verantwortlich war, dass Jesus unter widrigen Umständen geboren werden konnte.
Aber nicht nur die Tatsache, dass der heilige Josef als Patron der Kranken und Sterbenden verehrt wird, macht ihn mir heute sympathisch und aktuell. Auch das, was wir von ihm wissen, passt sehr gut zu unserer Situation. Denn immer wieder werden Josefs Pläne durchkreuzt.


Josef beschließt, Maria zur Frau zu nehmen, aber Gott selbst durchkreuzt seine Pläne, das Evangelium sagt, das Kind sei vom heiligen Geist - und nicht von Josef.
In die Schwangerschaft Marias, die er zur Frau nimmt, platzt der Befehl des Kaisers hinein, und aus der geplanten ruhigen Hausgeburt in Nazareth wird nichts. Unter großen Strapazen reisen beide nach Bethlehem, wo das Kind in ärmlichen Verhältnissen zur Welt kommt.


Um dem grausamen Kindermord von Bethlehem zu entgehen, geht die Reise von dort nicht wie geplant zurück in die Heimat, sondern in die Ferne, nach Ägypten, wo Josef mit den beiden, die ihm zum Schutz anvertraut sind, so lange als Flüchtling lebt, bis der blutrünstige König Herodes endlich verstorben ist.


Selbst die jährliche Wallfahrt nach Jerusalem einige Jahre später verläuft anders als erwartet, denn der zwölfjährige Jesus bleibt bekanntlich im Tempel und wird von Josef und Maria erst nach drei Tagen wiedergefunden.
Josef ist also nicht nur Patron der Kranken, sondern auch Patron aller, deren Pläne durchkreuzt werden. Er weiß, wie es uns geht, denn wir hatten so viel vor in diesen Tagen und Wochen, wollten in den Osterferien in Urlaub fahren, hatten Karten für ein Fußballspiel, ein Konzert oder Musical, wären gerne schoppen oder ins Kino gegangen, wollten mit unserer Mannschaft zusammen Sport treiben, hätten so gerne die Sonntagsmesse besucht oder in ein paar Wochen mit vielen anderen Menschen die Ostergottesdienste oder die Erstkommunion gefeiert.


Wie viele Termine haben Sie schon gestrichen? Worauf haben Sie sich richtig gefreut und könnten heulen, dass das nicht geht? Was macht Sie wütend in dieser Krise oder hilflos, weil Sie das Gefühl haben, die Dinge sind nicht mehr unter Kontrolle?
Ich lade Sie ein, den durchkreuzten Plänen nicht lange nachzutrauern. Die Zeit, die wir nicht mit geplanten Aktionen verbringen können, ist ja keine verlorene Zeit! Vielmehr wartet sie darauf, neu und gut erfüllt zu werden.
Alles, was Josef so ungeplant tun musste, konnte doch vor allem deshalb gelingen, weil er nie alleine ging, sondern weil Gott immer bei ihm war. Was konnte ihm also passieren?


Und mit allem, was wir in diesen Tagen ungeplant tun, weil das so gründlich Geplante unmöglich geworden ist, ist es ganz genauso.
Gott geht mit uns durch diese Zeit. Und wie er Josef gezeigt hat, dass man auch über neue und fremde Wege sein Ziel erreicht, zeigt er jetzt uns neue und fremde Wege.


Wenn wir wie Josef sein wollen, brauchen wir für die nächste Zeit nicht vor allem Pläne. Pläne werden aktuell dauernd über den Haufen geworfen, sie sind wertlos.
Wenn wir wie Josef sein wollen, brauchen wir Vertrauen. Gottvertrauen.
Danke, Herr, dass du mit uns auf dem Weg bist - wo auch immer er hin führt.
Amen.

 

Ihr Pastor
Christoph Jansen

Mittwoch, 18.03.2020

 

Liebe Christen,


ein Wort, dass uns in diesen Tagen immer wieder begegnet, ist das der Quarantäne. Zur Begriffserklärung habe ich einmal mein altes Konversationslexikon namens Brockhaus zur Hand genommen (ich hatte einfach keine Lust auf Wikipedia) und fand gleich die Erklärung: "Quarantäne, frz., Anzahl von 40 Tagen, Maßnahme gegen Einschleppung von Menschen- und Tierseuchen".
Die Idee, ansteckend kranke Menschen aus der Gesellschaft auszuschließen und ihre sozialen Kontakte herunterzufahren oder zu verhindern, ist schon sehr alt. Schon vor über 3000 Jahren sonderte man Menschen mit sichtbaren Krankheitssymptomen aus der Gesellschaft aus (Aussätzige), damit sie niemanden anstecken können.
Die Quarantäne im großen Stil kam im 14. Jahrhundert auf. Vor allem die Angst vor der Pest beflügelte diese Bemühungen. Hafenstädte wie Venedig und Neapel definierten vorgelagerte Inseln als Quarantäneinseln. Wenn ein Schiff in die Häfen einfahren wollte, das möglicherweise Seuchen oder ansteckende Krankheiten an Bord hatte, musste die gesamte Besatzung zunächst auf die Quarantäneinsel, bis es sicher war, dass keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Das Bild von heute zeigt übrigens den Blick von der Quarantäneinsel Odderöya auf die norwegische Hafenstadt Kristiansand.
Ein großer Unterschied zu den "alten" Seuchen ist heute unser größtes Problem. Krankheiten wie Lepra und Pest zeigen sichtbare Symptome, schnell kann herausgefunden werden, wer erkrankt ist und wer nicht. Das Coronavirus hingegen ist unsichtbar. Also müssen wir alle eine Art Quarantäne erdulden. 40 Tage Pause.


Aber warum mussten es 40 Tage sein?


Seit dem Mittelalter ging man davon aus, dass akute Krankheiten höchstens 40 Tage dauern können. In den meisten Fällen bewahrheitete sich dies auch. Selbst die Corona-Erkrankung dauert beim Einzelnen, der infiziert ist, keine 40 Tage, sondern hier geht man heute von nur 14 Tagen aus, weshalb die angeordnete Quarantäne im aktuellen Fall nicht länger dauert.


Die Zahl 40 hat natürlich ganz viel mit unserer Glaubenstradition zu tun. 40 Jahre lang dauerte es, bis das Volk Israel aus der Gefangenschaft heraus das gelobte Land erreichte - Israel war also unendlich lange in Quarantäne, isoliert in der Wüste, um zu sich selbst zu finden und um schließlich befreit zu werden.


Jesus begab sich für 40 Tage in die Wüste, bevor er seine ersten Wunder tat. Er fastete und betete - und er widerstand den Versuchungen, die auf ihn einwirkten.


Auch die Fastenzeit dauert 40 Tage, das ist kein Zufall. Durch Fasten und beten werden wir wacher für das Wichtige im Leben, hellhöriger für die Sorge und Not der Menschen, klarer in unseren Sichtweisen und Beurteilungen.
Am vergangenen Sonntag hat eine Art Quarantäne für uns alle begonnen. Haben wir jetzt Geduld! Vielleicht dauert es wirklich 40 Tage, bis wir klarer sehen, wie es weitergeht mit unserem Land, unserer Erde, dieser Viruserkrankung. Ich verlasse mich auf diese 40 Tage. Dass das Coronavirus dann keine Rolle mehr spielt, glaube ich zwar nicht, aber ich bin sicher, dass wir nach dieser Zeit klarer sehen, besser wissen, wie es mit uns weitergeht und auch wieder etwas planen können.


Lassen wir uns in dieser Zeit heilsam verändern! Erkennen wir, was wirklich wichtig ist im Leben. Reduzieren wir uns auf das Wesentliche, damit wir umso dankbarer sind für alle Dinge, die uns darüberhinaus so selbstverständlich immer wieder geschenkt werden. Das wünsche ich Ihnen am vierten Tag der anderen Fastenzeit.


Ihr Pastor
Christoph Jansen

Dienstag, 17.03.2020

 

Liebe Christen in unseren Gemeinden,


kommt es Ihnen auch so vor, als würden die Glocken in dieser stillen Zeit lauter läuten?
Sie rufen in diesen Tagen zwar nicht zum Gottesdienst, aber zum Gebet, das so wichtig ist.
Seit vielen Jahrhunderten gibt es das Geläut, um zum (Angelus-) Gebet aufzufordern. Morgens zwischen 6 und 7 Uhr, mittags gegen 12 Uhr und abends zwischen 18 und 18:30 Uhr werden wir daran erinnert, dass wir in Gottes Hand sind - und dass er durch die Zeit und durch den Tag mit uns geht und uns begleitet.


Das Läuten am Morgen, Mittag und Abend hatte in den vergangenen Jahrhunderten übrigens auch eine wichtige gesellschaftliche Funktion. In der Frühe war es die Aufforderung, aufzustehen und den Tag zu beginnen. Am Mittag rief die Glocke zur Mittagspause und am Abend zum wohlverdienten Feierabend. So hat das Geläut bis heute eine geistliche, aber auch eine weltliche Dimension.
Seit heute kommt ein viertes Läuten jeden Tag hinzu. Bis einschließlich Gründonnerstag werden die Kirchenglocken auch um 19:30 noch einmal läuten. Dieses Geläut soll alle eindringlich dazu auffordern, um Bewältigung der Corona-Krise zu beten. Ein entsprechendes Gebet finden Sie in unseren Pfarrnachrichten oder auch hier.

 

Herr, Du Gott des Lebens,
betroffen von der Not der Corona-Krise kommen wir zu Dir.
Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist
und bitten um Heilung für alle Erkrankten.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.
Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie,
gib allen Pflegenden Kraft in dieser extremen Belastung.
Schenke den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.
Sei allen Frauen und Männern nahe, die gewissenhaft
die Versorgung und Infrastruktur unseres Landes aufrecht erhalten.
Sei du bei allen, die in Panik sind oder von Angst überwältigt werden.
Wir beten für alle, die großen Schaden erleiden oder befürchten.

Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen, die sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben.
Stärke die Herzen der alten und pflegebedürftigen Menschen, berühre sie mit Deiner Sanftheit und gib ihnen die Gewissheit, dass wir trotz allem miteinander verbunden sind.
Hilf, dass die Epidemie bald abschwillt und dass die medizinischen Einrichtungen und Ressourcen den aktuellen Anforderungen gerecht werden können.


Lass die Zahlen der Infizierten und Erkrankten zurückgehen.

Guter Gott, mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund verbringen.
Lass uns nie vergessen, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist.
Du allein bist Ursprung und Ziel von allem, Du allein bist ewig, immer liebend. Dein Heiliger Geist bewahre unsere Herzen in der Dankbarkeit.
Getragen von einem tiefen Frieden werden wir die Krise bestehen.
Herr, bleibe bei uns.

Amen.

 

Ihr Christoph Jansen, Pfr.

Montag, 16.03.2020

 

Liebe Christen!


Heute haben sich wieder die Ereignisse überschlagen. In der Nacht hat die Stadt Hennef beschlossen, alle Veranstaltungen und Gottesdienste zu verbieten - bis zum Weißen Sonntag einschließlich.
Und ich hatte mich so auf Ostern gefreut, auf dieses besondere Fest der Auferstehung, nach der Coronazeit erst recht - und natürlich auf fröhliche Erstkommunionfeiern in der Warth und in Uckerath.


In diesem Jahr ist alles anders. Wir werden Ostern in Stille feiern, zuhause eine Kerze anzünden, und wir werden - wie so oft in diesen Tagen - denken: Alles ist so anders, so ungewohnt, so still.


Aber das erste Ostern war doch auch so! Als Jesus auferstanden ist, war er ganz alleine. Und keiner hat es gesehen.
Wir müssen also am Ostersonntag, am ersten Tag der Woche, anstatt gemeinsam zu feiern wie immer, mit Jesus nach Emmaus gehen. Mit der Ungewissheit der beiden Jünger, die mit ihm auf dem Weg sind und mit den Fragen, wie denn alles weitergehen kann.
Sie erkannten ihn, als er das Brot brach. Und alle Ungewissheit, alle Fragen hatten auf einmal eine Antwort.


Ich freue mich auf den Tag, an dem wir wieder gemeinsam das Brot brechen und empfangen. Dann ist Ostern. Vielleicht ist es Ende April oder irgendwann im Mai oder Juni, wer kann das heute schon sagen? Aber dieser Tag kommt. Und es wird ein wahrhaft österlicher Tag sein.
Freuen Sie sich darauf - mit mir.

 

Ihr Christoph Jansen